Zusammenfassung
- Das W3C veröffentlichte XSLT 1.0 und XPath 1.0 am 16. November 1999 als Empfehlungen. XSLT beschrieb Regeln, mit denen aus einem XML-Quellbaum ein separater Ergebnisbaum entsteht.
- Eine Vorlagenregel erkennt Quellknoten anhand eines Musters und erzeugt Teile des Ergebnisses. Das Ergebnis kann Elemente auswählen, auslassen, neu ordnen und in zusätzliche Struktur setzen.
Im Lager stehen Äpfel, Orangen und Bücher. Heute sollen die Orangen ins Schaufenster, morgen die Bücher an die Tür. Ein Foto des Lagers ergibt noch keine gute Titelseite. Für jeden Wechsel alle Regale zu verschieben, wäre ein Umzug mit Obstbeilage. Die XSLT-1.0-Empfehlung gab XML-Herausgebern 1999 eine andere Methode: Aus dem Quellbaum nach schriftlichen Regeln einen eigenen Ergebnisbaum aufbauen.
Die Spezifikation hält die beiden Bäume ausdrücklich auseinander. Der Ergebnisbaum kann ganz anders aufgebaut sein. Einige Elemente werden gewählt, andere ausgelassen, die übrigen neu angeordnet oder in neue Elemente eingepackt. Das Lagerverzeichnis bleibt eine Antwort auf die Frage, was vorhanden ist. Die Webansicht beantwortet, was das Publikum zuerst sehen soll. Eine Schaufensteraktion verlangt keine heimliche Änderung der Inventarliste.
Die Arbeit wird von Vorlagenregeln erledigt. Ein Muster trifft auf bestimmte Knoten der Quelle; die Vorlage bestimmt, welcher Teil des Ergebnisses daraus entsteht. Anweisungen können weitere Knoten auswählen und die passenden Regeln auf sie anwenden. Bei vielen ähnlich aufgebauten XML-Dokumenten muss der Herausgeber damit nicht jede Ausgabe von Hand zusammensetzen. Die Anordnung wird zur wiederholbaren Arbeitsanweisung.
Die am selben Tag veröffentlichte XPath-1.0-Empfehlung gab Ausdrücke zum Auffinden von Teilen eines XML-Dokuments. Ein Preis gehört zum richtigen Buch, nicht zur danebenstehenden Orange. XPath beschreibt die Adresse des benötigten Knotens; XSLT legt fest, was aus dem gefundenen Teil im Ergebnis wird. Ohne genaue Adresse wäre das Dekorieren des Schaufensters eine Lotterie.
Der Name „Stylesheet“ klingt nach neuer Farbe an der Wand. XSLT konnte den Grundriss der Ausgabe ändern. Der Ergebnisbaum durfte neue Elemente und eine andere Hierarchie tragen. Mit xsl:output beschrieb die Empfehlung Ausgabemethoden für XML, HTML und Text. Eine strukturierte Quelle konnte so eine Ansicht für eine HTML-Seite oder eine reine Textliste speisen. Welche Teile hineingelangen, entscheidet die Transformation, noch bevor das Ergebnis ausgegeben wird.
Das W3C kündigte XSLT und XPath gemeinsam am 16. November 1999 an. Das eine half beim Finden, das andere beim Neuaufbau. Eine Katalogseite konnte umgestellt werden, während das Quelldokument seine Ordnung behielt. Der Schaufensterdekorateur bekam Regeln; die Lagerarbeiter durften ihre Regale endlich stehen lassen.
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