Zusammenfassung

  • Die W3C-Empfehlung zu Webmention lässt den Sender zwei URLs übermitteln: source für die verlinkende Seite und target für das Ziel. Der Empfänger ruft die Quelle ab und prüft den Link, bevor er die Meldung verwendet.
  • Die Zielseite kann eine bestätigte Erwähnung als Antwort anzeigen, anders nutzen oder vorher moderieren. Die W3C-Veröffentlichungsgeschichte datiert die Empfehlung auf den 12. Januar 2017.

Der Kommentar wohnte anderswo

Zwei Blogs genügen als Beispiel. Auf dem ersten steht ein Artikel. Auf dem zweiten erscheint eine Replik mit Link zum Original. Die Replik hat eine dauerhafte Adresse beim eigenen Autor. Das Original erfährt davon jedoch erst, wenn eine Nachricht dort ankommt oder jemand den fremden Link von Hand einträgt. Die Freiheit, die Antwort selbst zu hosten, schuf also ein Sichtbarkeitsproblem auf der Seite, der sie galt.

Der ältere Pingback-1.0-Entwurf verschickte für diesen Fall einen XML-RPC-Aufruf namens pingback.ping mit Quell- und Zieladresse. Webmention bezeichnet sich als vereinfachten Nachfolger. Es verwendet einen gewöhnlichen Formular-POST und beschreibt die Prüfung durch den Empfänger genauer. Hinter dem kleinen Wechsel des Nachrichtenformats steckt eine klare Zuständigkeit: Der Sender behauptet eine Verbindung, der Empfänger schaut nach, ob sie tatsächlich besteht.

Zuerst muss die Quellseite veröffentlicht sein und auf das Ziel zeigen. Die Software des Senders ruft die Zielseite ab und sucht deren Webmention-Endpunkt in einem HTTP-Link-Header oder im HTML. An diesen Endpunkt gehen source und target. Die empfangende Software kann die Arbeit in eine Warteschlange legen, die Quelle selbst laden und nach dem exakten Ziel-Link suchen. Eine erfolgreiche Annahme des POST ist eine Empfangsbestätigung. Ob Leser später eine Antwort sehen, hängt von weiteren Schritten ab.

Ein Link ist eine Nachricht, keine Redaktionserlaubnis

Die Prüfvorschriften des W3C geben der Zielseite eine nachprüfbare Information: Eine andere öffentliche Seite verweist auf sie. Daraus kann sie einen Rücklink, einen Kommentar, einen Zähler oder einen internen Hinweis machen. Eine Moderation vor der Anzeige ist ebenfalls vorgesehen. Der Verfasser behält die eigene Replik; der Betreiber des Artikels behält die Entscheidung über dessen Oberfläche. Beide Texte können auf getrennten Websites bleiben.

Die Überprüfung eines Links trifft nur eine enge Aussage. Sie belegt die Referenz beim Abruf, nicht die Identität des Absenders oder den Wert des Textes. Wenn der Empfänger fremde Inhalte auf seiner Seite abdruckt, verlangt der Sicherheitsabschnitt deren Kodierung oder Filterung. Die Empfehlung nennt auch Warteschlangen, Grenzen für Abrufe und Moderation. Ein offener Eingang ist praktisch; er verwandelt die eingehenden Seiten aber in Arbeitsaufträge und mögliche Angriffsflächen.

Auch ein bestätigter Link bleibt beweglich. Eine Antwort kann später umgeschrieben, der Link entfernt oder die ganze Quellseite gelöscht werden. Webmention empfiehlt erneute Meldungen nach Änderungen und bei Löschung eine Antwort 410 Gone mit einer weiteren Nachricht an frühere Empfänger. Diese können den alten Eintrag aktualisieren oder entfernen. Wiederholungen desselben Quell-Ziel-Paares sollen nicht eine Reihe identischer Kommentare erzeugen. Wer das Gespräch öffentlich zeigt, muss seinen Zustand pflegen.

Die eigene Chronik der IndieWeb-Gemeinschaft nennt Oktober 2012 für einen frühen Entwurf. Die W3C-Chronik führt einen ersten öffentlichen Working Draft im Januar 2016 und die Empfehlung im Januar 2017 auf. Aus einer Lösung für unabhängige Websites wurde eine dokumentierte gemeinsame Schnittstelle. Sie legt die Zustellung fest; jede empfangende Website entscheidet über ihren öffentlichen Umgang damit.