Zusammenfassung

  • W3C will im Wahlzyklus 2026 fünf TAG-Sitze besetzen: Nominierungen sind bis 10. November möglich, das angekündigte Wahlfenster läuft vom 17. November bis 15. Dezember, das Ergebnis soll am 18. Dezember folgen. Am 29. Oktober standen zwei Namen auf der Seite; erst die endgültige Liste zeigt, ob es eine umkämpfte Wahl gibt.
  • Laut Wahlleitfaden sieht nur das Team die Wahlergebnisse; Stimmen je Kandidat sollen nicht veröffentlicht werden. Das Protokoll vom Januar hält eine Absicht zu mehr Transparenz fest. Der Process-Entwurf vom Oktober und der öffentliche Leitfaden enthalten aber weiterhin keine Regel für eine öffentliche Auszählung.

Fünf Sitze im Kalender; die Abstimmung hängt noch von der Liste ab

Die W3C-Seite zur TAG-Wahl 2026 nennt fünf zu besetzende Sitze: vier für zwei Jahre, einen für ein Jahr. Die Nominierungsphase begann am 13. Oktober und endet am 10. November. Als Wahlzeitraum sind der 17. November bis 15. Dezember angegeben; das Ergebnis soll am 18. Dezember veröffentlicht werden.

Der Process setzt Mindest- und Höchstzahl der TAG-Kandidaten gleich der Zahl der freien Sitze. Bei fünf Sitzen werden genau fünf Kandidaten ohne Abstimmung gewählt; bei weniger Kandidaten wird erneut nominiert, bei mehr gibt es eine Wahl. Am 29. Oktober nannte die öffentliche Seite zwei Kandidaten, zwölf Tage vor Nominierungsschluss. Die endgültige Zahl, nicht der Kalender, entscheidet, ob Mitglieder abstimmen.

Diese Unterscheidung verändert, was eine Ergebnisliste aussagt. Sie kann aus einer umkämpften Auszählung stammen oder aus einer Kandidatenliste, die in die verfügbaren Sitze passt. W3C erklärte bei der TAG-Wahl 2025 ausdrücklich, dass vier Kandidaten für vier Sitze ohne Wettbewerb gewählt wurden. Diese Information sollte jedes Jahr im Ergebnis stehen; wo tatsächlich abgestimmt wird, gehört auch die Auszählung dazu.

Das TAG ist kein Namensschild im Organigramm. Es betreut die Architektur des Webs, löst Architekturfragen und koordiniert die Arbeit über Technologien hinweg. TAG-Mitglieder wirken außerdem an Entscheidungen des W3C Council über Submission Appeals und Formal Objections mit. Die Mitgliedsorganisationen, die diese Personen wählen, üben damit echte Governance aus; der übrige Teil des Webs erhält die Standards und Entscheidungen, ohne selbst abzustimmen.

Das Team sieht die Zahlen; nach außen gehen die Namen

Der geltende Leitfaden zieht eine klare Grenze: Die Wahlergebnisse sind nur für das Team sichtbar und werden archiviert. Die Mitteilung an das Advisory Committee soll Sieger, Gleichstände und kürzere Amtszeiten nennen. Sie soll ausdrücklich keine Stimmenzahl je Kandidat enthalten. Die Öffentlichkeit kann also sehen, wer den Sitz bekommt, aber nicht, wie viele Mitglieder teilnahmen oder wie groß der jeweilige Rückhalt war.

Einzelne Stimmzettel bleiben vertraulich, während W3C die aggregierte Beteiligung und Stimmen je Kandidat veröffentlichen kann. Der Process sieht Ranglisten-Stimmzettel nach dem Single-Transferable-Vote-Verfahren vor. Das Team legt das konkrete Auszählungsverfahren für jede Wahl fest und muss es vor dem Wahlaufruf stabilisieren. Wer prüfen will, was „gewählt“ bedeutet, braucht Verfahren, Zählung und Sitzverteilung.

Der Transparenzbeschluss braucht noch einen Satz im Regelwerk

Die Frage steht seit Januar 2023 im Issue-Tracker von W3C. Issue 698 verlangt die Gesamtzahl der Stimmen und die Kandidatenzahlen, damit sich Beteiligung und Funktionsfähigkeit des Abstimmungsverfahrens beurteilen lassen. Am 29. Oktober 2026 war das Issue noch offen, mit dem Label „Needs proposed PR“ und ohne verknüpften Änderungsvorschlag.

Das Protokoll der W3C Process Community Group vom 28. Januar 2026 hält fest, dass Brent sagte, das Advisory Board habe mehr Transparenz bei Wahlergebnissen beschlossen und das TAG werde folgen. Die Diskussion trennt die Anonymität der Wählenden von der Identität der Kandidaten, verlangt eine Veröffentlichung erst nach Wahlschluss und sieht eine Änderung des Process-Dokuments vor. Das Protokoll wurde manuell erstellt; ein veröffentlichter Beschlusstext, der die angekündigte Offenlegung festlegt, fehlt.

Der Process-Entwurf vom 25. Oktober 2026 ist noch in Arbeit. W3C sagt, dass die Gruppen der jüngsten geltenden Process-Version folgen. Der Wahlabschnitt des Entwurfs ergänzt keine Pflicht zu aggregierten Ergebnissen. Auch der öffentliche Leitfaden sagt weiterhin, Kandidatenstimmen nicht zu veröffentlichen. Eine in einer Sitzung geäußerte Richtung ist noch kein Verfahren für die nächste Wahl.

Auszählen, ohne die Wählenden offenzulegen

Vor dem angesetzten Wahlzeitraum sollte W3C festlegen, was ein öffentliches Ergebnis enthält. Dazu gehören mindestens: ob tatsächlich abgestimmt wurde, wie viele Stimmzettel gültig waren, wie viele Mitglieder teilnahmen, welche Version des STV-Verfahrens verwendet wurde, die Kandidatenzahlen pro Zählrunde und die Berechnung eines möglichen Losentscheids. Einzelne Stimmzettel und die Identität der Wählenden bleiben vertraulich.

Der Kalender bietet einen klaren Zeitpunkt: Nominierungen am 10. November schließen, den Bedarf einer Abstimmung bestätigen und das genaue Zählformat vor ihrem Beginn veröffentlichen. Am 18. Dezember kann der Ergebnisbericht neben den Gewählten dieselben Felder zeigen. Ohne Wettbewerb sollte er sagen, dass die Kandidaten nach der Regel die Sitze erhielten. Bei einer Abstimmung sollte er die aggregierte Auszählung mit dem Verfahren archivieren.

Die Auszählung misst das Elektorat des AC: Mitgliedsorganisationen, die über Vertreter abstimmen. Das übrige Web hat in diesem Verfahren kein Stimmrecht. Die veröffentlichte Zahl beschreibt genau die Beteiligung, die diese Wahl erfasst. Eine Ergebnisliste ohne diese Zahl lässt Außenstehende raten, wie viele Mitglieder tatsächlich mitgewählt haben.

Quellen