Zusammenfassung

  • 1992 gab es in Ungarn rund 250 öffentliche X.25-Zugangspunkte. Sie bildeten die Grundlage für die Weitverkehrskommunikation kleiner und mittlerer Standorte; der damalige Bericht zählt sie nicht als Internetanschlüsse.
  • Der internationale IP-Zugang war deutlich konzentrierter: Eine 9,6-kbit/s-Leitung Budapest–Linz transportierte EARN, Internet und EUnet. HBONE, das nationale IP-Backbone, sollte erst 1993 in Betrieb gehen.

Viele Zugangspunkte, eine andere Netzwerkschicht

Die Zahl 250 klingt zunächst wie ein Maß für die Reichweite des Internets. Milan Sterbas Bericht für RIPE vom November 1992 beschreibt damit jedoch die Zahl öffentlicher X.25-Zugangspunkte in Ungarn. Dieses Netz habe die Weitverkehrskommunikation zwischen kleinen und mittleren Standorten ermöglicht. Im selben Abschnitt schildert der Bericht den internationalen IP-Zugang als eigenständige, deutlich schmalere Ebene. Aus den 250 Zugangspunkten folgt weder, dass 250 Standorte Internet hatten, noch dass sie selbst IP nutzten oder jeweils über eine internationale Leitung verfügten.

Das Netz entstand in Schichten. Der öffentliche X.25-Paketdienst verband kleinere Standorte, ohne für jeden eine eigene IP-Fernleitung vorauszusetzen. Die geprüften Quellen zeigen nicht, wie eine einzelne Einrichtung den Verkehr von ihrem X.25-Zugang in andere Netze weiterleitete. Deshalb wäre die Behauptung zu weitgehend, jeder Zugangspunkt sei ein Internet-Gateway gewesen. Belegt ist: Eine nationale Kommunikationsbasis war vorhanden, während Reichweite und Kapazität von IP noch ausgebaut wurden.

Eine gemeinsam genutzte Verbindung über die Grenze

RIPE-074 nennt eine IP-Leitung mit 9,6 kbit/s zwischen Budapest und Linz in Österreich. Über dieselbe Leitung lief die Verbindung zu EARN; zum Zeitpunkt des Berichts nutzten auch Internet und EUnet diesen Weg. Es handelte sich nicht um drei unabhängige internationale Routen, sondern um einen begrenzten Pfad, den verschiedene Netze und Nutzergruppen teilten. Für 1992 war ein Ausbau auf 64 kbit/s geplant. Der Bericht bestätigt nicht, dass er bereits umgesetzt war.

Für die Hochenergiephysik gab es eine eigene Verbindung: eine gemietete 9,6-kbit/s-Leitung zwischen Budapest und CERN, die IP nutzte und HEPnet-Dienste bereitstellte. Diese Spezialverbindung sollte nicht als zweiter allgemeiner Internetanschluss gezählt werden. Ziel und Nutzerkreis waren anders, auch wenn beide Leitungen IP verwendeten.

Schon RIPE-054 vom April 1992 erwähnt die IP-Verbindung Budapest–Linz und sieht ein Mietleitungs-Backbone für größere Standorte vor. Beide Momentaufnahmen zeigen den Unterschied zwischen einer bestehenden internationalen Route und einem nationalen Backbone. Angaben zu Verkehrsanteilen, Verfügbarkeit, einer vollständigen Hostzahl oder einer Karte aller Standorte liefern sie nicht. Solche Werte lassen sich aus der Zahl der X.25-Zugänge nicht ableiten.

HBONE sollte die nächste Schicht werden

Im November beschreibt RIPE HBONE als schnelles nationales IP-Backbone, das 1993 in Betrieb gehen sollte. Das erklärte Ziel waren landesweite IP-Konnektivität und der Zugang zu EBONE. Das war ein damaliger Zeitplan, kein Beleg dafür, dass bereits alle Regionen angeschlossen waren oder ein bestimmter Inbetriebnahmetag eingehalten wurde.

Auch die institutionelle Organisation hatte mehrere Ebenen. Laut RIPE war das Programm IIF für die Forschungsnetze zuständig. HUNGARNET koordinierte verschiedene Nutzergruppen: HUNINET für Universitäten und weiterführende Schulen, AKANET für Forschungseinrichtungen sowie eine Gruppe öffentlicher Sammlungen wie Bibliotheken und Museen. Eine spätere Institutionsgeschichte von NJSZT iTF datiert die Gründung des HUNGARNET-Vereins auf 1991 und beschreibt den schrittweisen Aufbau regionaler Zentren.

Diese Rückschau ergänzt die Organisationsgeschichte, ersetzt aber nicht die zeitgenössische Prognose vom November 1992, wonach HBONE 1993 in Betrieb gehen sollte. Die Datumsangaben können unterschiedliche Meilensteine bezeichnen: den Aufbau eines Programms und den geplanten Betriebsbeginn.

X.25 war kein gescheiterter Ersatz für das Internet. Es erfüllte in einer Übergangsarchitektur eine andere Aufgabe: Die vielen Zugänge verbreiterten die Basis vernetzbarer Einrichtungen, internationale IP-Kapazität konzentrierte sich auf wenige Leitungen, und HBONE sollte die inländische IP-Konnektivität landesweit bündeln. Die Schichten entstanden zu verschiedenen Zeitpunkten und boten unterschiedliche Leistungen.

Quellen