Zusammenfassung

  • RFC 1153 beschrieb 1990 einen bereits üblichen Digest für stark frequentierte Mailinglisten: Eine gewöhnliche äußere Nachricht trug Vorwort, mindestens eine innere Nachricht und Schluss.
  • In den inneren Nachrichten blieben bestimmte Felder wie Date, From, Subject und Message-ID erhalten. Andere, besonders Received, wurden entfernt. Der Digest bekam seinen eigenen Transportweg; die früheren Wege der einzelnen Beiträge verschwanden aus ihren eingeschlossenen Kopien.

Das Postamt besorgte einen größeren Umschlag

Laut RFC 1153 erschienen große Mailinglisten mit starkem Verkehr schon Mitte der 1970er Jahre. Jede Einsendung einzeln an alle Abonnenten zu senden vervielfachte die Arbeit des Mailprogramms und transportierte viele Kopfzeilen wiederholt. Moderatoren bündelten mehrere Einsendungen in einer zusammengesetzten Nachricht. Der RFC erklärte, die Last des Verteilers sinke mit der Zahl der gebündelten Nachrichten; gekürzte innere Header schonten die Bandbreite. Frank Wancho beschrieb im April 1990 eine freiwillig eingesetzte, experimentelle Gewohnheit. Das Postamt hatte längst geöffnet, als die Bedienungsanleitung an die Wand kam.

Von außen blieb der Digest eine normale Mail. Sein Körper bestand aus Vorwort, einer oder mehreren inneren Nachrichten und einem Schluss. Das Vorwort enthielt meist ein Inhaltsverzeichnis aus den Betreffzeilen, gelegentlich auch Verwaltungshinweise. Eine Zeile aus 70 Bindestrichen und eine Leerzeile trennten es von den Beiträgen. Zwischen inneren Briefen standen Leerzeile, genau 30 Bindestriche, wieder Leerzeile. Der Schluss kündigte mit „End of“ das Ende an und unterstrich sich mit einer Reihe Sternchen. Unterschiedliche Zäune erlaubten Programmen, das Paket später wieder auseinanderzunehmen.

Aus der Diskussion wurde eine kleine Zeitschrift mit Inhaltsverzeichnis.

Jeder eingeschlossene Brief behielt einen Teil seiner Beschriftung. Waren im Original Date, From, To, Cc, Subject, Message-ID und Keywords vorhanden, mussten sie bleiben und in eine bestimmte Reihenfolge gebracht werden. Summary war freiwillig. So konnte man Sprecher und Thema erkennen. Dann kam die scharfe Kürzung: Alle übrigen inneren Header sollten wegfallen, ausdrücklich auch Received. Die Spuren der Mailserver, die einen Beitrag bis zum Moderator getragen hatten, fuhren in der veröffentlichten Kopie nicht mit.

Ein zugestellter Digest kann trotzdem Received-Zeilen zeigen. Sie gehören zu seiner neuen äußeren Nachricht und beschreiben deren Weg zu den Lesern. Die eingeschlossene Einsendung hatte zuvor eine andere Reise hinter sich; deren Kette wurde nach der Formatregel entfernt. Der Poststempel einer Zeitschrift sagt, wo die Zeitschrift war, nicht wie jedes Manuskript die Redaktion erreichte. Die Bündelung verringerte Arbeit und änderte die Einheit der erhaltenen Transportbelege.

Auch der Inhalt einer inneren Mail konnte leicht verändert werden. Führende und abschließende Leerzeilen durften entfernt werden. Enthielt der Nachrichtentext selbst eine Zeile aus genau 30 Bindestrichen, durfte deren erstes Zeichen durch eine Leerstelle ersetzt werden, damit ein Trennprogramm darin keinen neuen Brief sah. Für Leser kaum sichtbar, für einen Bytevergleich sehr wohl. Die Regeln sollten kompatibles Zusammenstellen und Zerlegen ermöglichen; sie beschrieben genau, welche Textänderung dabei vorkommen konnte.

Die Moderation hatte zudem eine redaktionelle Seite. Beiträge verwerfen, Zeichensetzung korrigieren, Kommentare einfügen oder Absätze neu umbrechen: Diese Entscheidungen stellte RFC 1153 außerhalb seiner Formatsyntax. Er regelte die Verpackung der ausgewählten Texte. Schon Inhaltsverzeichnis und Reihenfolge verrieten die Hand einer Redaktion.

Als typische Länge nannte der RFC ungefähr 15.000 Zeichen, ohne eine feste Grenze vorzuschreiben; Zwischen-Gateways konnten Beschränkungen haben. Das Dokument unterschied den speziellen Listendigest außerdem von der allgemeinen Nachrichtenkapselung in RFC 934. Die Listenpraxis war älter und blieb für ihren Zweck gebräuchlich. Durch die Niederschrift konnten andere Programme sie passend erstellen und wieder auflösen.

Der große Umschlag sparte wiederholte Verteilung und bot Lesern ein Inhaltsverzeichnis. Namen, Daten und Themen der Beiträge blieben greifbar; die alten Received-Zettel der Einzelbriefe blieben zurück. Transport sparen hieß hier auch festlegen, welche Erinnerung an den Transport die nächste Leserin erhalten sollte.