Zusammenfassung
- Tucows meldete zum 31. Dezember 2002 mehr als 1.000 Server in über 100 Ländern für sein Softwarenetz.
- Die Hauptknoten und die Aktualisierungssoftware gehörten dem Unternehmen; lokale Anbieter besaßen viele Server, über die Nutzer Dateien abriefen.
Hinter dem Netz aus tausend Servern blieb ein Zentrum
Ende 2002 berichtete Tucows der US-Börsenaufsicht SEC, sein Softwarenetz erreiche mehr als 1.000 Server in über 100 Ländern. Die Zahl klang nach einer Bibliothek ohne festen Ort. Im eigenen Bericht beschrieb Tucows eine klare Topologie: Das Unternehmen besaß die Hauptknoten, während Managed-Service-Provider Server in ihren eigenen Einrichtungen betrieben und besaßen. Proprietäre Software schickte komprimierte, inkrementelle Updates vom Zentrum an die Spiegel.
Der Downloadweg verteilte sich. Damit verteilten sich nicht automatisch alle Aufgaben, die die Bibliothek nützlich machten.
Die heutige Unternehmenschronik von Tucows verlegt den Ursprung der Website nach Flint in Michigan ins Jahr 1993. Scott Swedorski habe damals, während er für örtliche Bibliotheken arbeitete, Programme auf seiner persönlichen Website zum Herunterladen angeboten. TUCOWS stand für The Ultimate Collection of Winsock Software. Eine Unternehmensmeldung aus dem Jahr 1999 nennt 1994 als Gründungsjahr; in den hier ausgewerteten Unterlagen findet sich kein Gründungsdokument, das den Start der persönlichen Website von der formalen Unternehmensgründung trennt.
Das erste Problem war der Zugang. Bevor das Web zum normalen Verbreitungskanal für Software wurde, mussten Nutzer die passende Software überhaupt finden. In einer Meldung von 1999 beschrieb Tucows eine Bibliothek für Windows, Macintosh, Linux und Handheld-Computer. Laut späterer Unternehmenschronik begannen Internetanbieter und andere Partner 1994, diese Bibliotheken zu spiegeln. Der Nutzen war handfest: Eine Kopie in der Nähe konnte den Download beschleunigen und Bandbreite sparen.
Ein Spiegel hatte zwei Adressen. Die eine besuchte der Nutzer im Netz seines lokalen Anbieters. Die andere war die Quelle, die Dateien und Bibliotheksstruktur lieferte. Laut Unternehmenschronik übernahm Internet Direct Tucows 1995; Internet Direct hatte zu den frühen Spiegelstandorten gehört. Ein lokaler Verteilungspartner wurde Eigentümer des Katalogs, den er zuvor gespiegelt hatte.
Das Geschäft wuchs über eine Sammlung von Hobbysoftware hinaus. Im Mai 1999 erklärte Tucows, seine Software sei über mehr als 900 Spiegel auf sechs Kontinenten und in über 75 Ländern verfügbar. Dieselbe Meldung nannte mehr als 70 Millionen Seitenaufrufe pro Monat. Das sind Unternehmensangaben, keine unabhängig geprüften Zählergebnisse. Ein späterer SEC-Bericht beschreibt Partner und Server und macht das Wachstum als System lesbar, nicht nur als Werbeziffer.
Die lokale Kopie blieb eine Tucows-Bibliothek
Im Geschäftsbericht für 2002 beschrieb Tucows acht Hauptbibliotheken mit mehr als 36.000 Titeln. Nach Unternehmensangaben wurde jeder Titel geprüft, auf Viren getestet und mit einer Bewertung von eins bis fünf versehen. Das Verteilnetz schickte die Bibliotheken in die Netze der Managed-Service-Provider, die den ersten Zugangspunkt für deren Nutzer bildeten. Jeder Partner sollte die angebotenen Bibliotheken mindestens einmal am Tag herunterladen.
Tucows besaß die Hauptknoten. Die Partner besaßen die Server in ihren Einrichtungen. Spiegelssoftware verschickte anschließend komprimierte, inkrementelle Updates. Tucows sagte, das senke Bandbreitenbedarf und Aktualisierungszeit und halte die Bibliotheken aktueller.
Die Trennung ist entscheidend. Nutzer konnten ein Programm bei einem Anbieter in der Nähe abrufen, während Kategorien, Rezensionen und Bewertungen zum Tucows-Dienst gehörten. Der Spiegel verteilte die gemeinsame Bibliothek; er wurde dadurch nicht zum unabhängigen Softwareverlag. Partner halfen bei der Zustellung, Tucows behielt ein Verfahren, um die Sammlung über viele Standorte hinweg abzugleichen.
Damit liefen zwei Uhren. Tucows bestimmte, wann ein Titel oder Update in die zentrale Bibliothek gelangte. Der Partner bestimmte, wann die lokale Kopie ihren nächsten Aktualisierungslauf abschloss. Der Bericht nennt die erwartete tägliche Abholung und den inkrementellen Weg, aber keine gemessene Verzögerung für jeden Spiegel.
Im Mai 1999 meldete Tucows, eine Investorengruppe habe über eine neue Gesellschaft, TUCOWS.com Inc., eine Mehrheitsbeteiligung erworben. Die neue Gesellschaft übernahm Tucows' Vermögenswerte und Geschäft. Laut Meldung sollte die Investorengruppe Kontrolle und Vorsitz übernehmen; Gründer und Manager behielten Beteiligungen und operative Rollen. Die Server konnten über Anbieter verteilt bleiben, während sich der Unternehmenseigentümer der zentralen Bibliothek änderte.
Das Ende des Dienstes machte den Unterschied zwischen einem laufenden Netz und einer bewahrten Sammlung sichtbar. Am 25. Januar 2021 erklärte Tucows, die Downloadseite habe ihre letzte Datei ausgeliefert und ein großer Teil der Bibliothek sei an das Internet Archive übertragen worden. Die Meldung dokumentiert die Schließung und die Übertragung eines Teils der Sammlung. Sie enthält weder ein Inventar der übertragenen Dateien noch Angaben zu einem fortgesetzten Aktualisierungsdienst für Spiegel.
Die Spiegel brachten Software in die Nähe. Das Zentrum pflegte Katalog, Hauptknoten und Aktualisierungspfad. Hinter den tausend Servern war die Reichweite verteilt; die Pflege der gemeinsamen Bibliothek blieb um einen Verlag herum organisiert.
Quellen
- Tucows-Unternehmenschronik zu Ursprung 1993, Spiegeln ab 1994 und Internet Directs Übernahme 1995.
- Tucows-Meldung vom 27. Mai 1999 mit den Unternehmensangaben zu Spiegeln und Seitenaufrufen.
- Infonautics Form S-4/A von 2001 zur Topologie und Größe des Netzes.
- Tucows Form 10-K für 2002 zu Bibliotheken, Aktualisierungsrhythmus und Spiegelarchitektur.
- Tucows-Meldung zur Einstellung der Downloads vom 25. Januar 2021.
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