Zusammenfassung

  • TransPAC verband 1998 APAN- und KDD-seitige Netze in Tokio mit STAR TAP in Chicago; von dort war die Anbindung an das US-Forschungsnetz möglich. Die Pazifikleitung war ein Abschnitt, keine Garantie für direkte Verbindungen zwischen allen Hochschulen.
  • Der Projektbericht führt den Aufbau der ATM-Leitung, den Dienstbeginn, IP-Routing, den Dauerbetrieb und spätere Kapazitätssteigerungen als getrennte Ereignisse. Gerade diese Abfolge zeigt, dass internationale Forschungsnetze mehr als Bandbreite erforderten.

Eine Leitung ist noch kein Ende-zu-Ende-Dienst

Die National Science Foundation (NSF) stellte TransPAC im September 1998 als fünfjähriges Forschungs- und Bildungsnetz zwischen den USA und dem asiatisch-pazifischen Raum vor. Die Mitteilung beschrieb eine Verbindung vom US-Hochleistungsnetz vBNS zu APAN über STAR TAP in Chicago. AT&T und der japanische Telekommunikationsanbieter Kokusai Denshin Denwa (KDD) stellten wesentliche internationale Infrastruktur bereit. Zum anfänglichen Umfang gehörten Japan, Korea, Singapur und Australien. Die NSF nannte für Indiana University eine Förderung von zehn Millionen US-Dollar; eine Rückschau der Universität von 2018 spricht von zwölf Millionen.

Die Quellen klären den Unterschied nicht, daher ist die Summe für die Netzgeschichte nicht nötig.

Der TransPAC-Jahresbericht 1998–99 beschreibt den ersten physischen Abschnitt genauer: einen permanenten ATM-Pfad mit variabler Bitrate und ohne Echtzeitbetrieb bei 35 Mbps zwischen dem APAN-Austauschpunkt in Tokio samt KDD-Netzen und einem Ameritech/Lucent-Switch bei STAR TAP in Chicago. Von dort konnte der Verkehr mit vBNS verbunden werden. Es handelte sich um eine Kette aus Netzen, Einrichtungen und Betreibern. Der Bericht belegt weder einen eigenen TransPAC-Anschluss für jede aufgeführte Universität noch denselben Weg zwischen allen Teilnehmern.

Der Unterschied zeigt, was aus internationalem Transport einen nutzbaren Dienst macht. Ein Anbieter liefert Übertragungskapazität; ein regionales Netz bündelt Einrichtungen; ein Austauschpunkt ermöglicht Zusammenschaltung; Netzbetreiber richten Routing und Peering ein; ein Network Operations Center muss Störungen erkennen und beheben. Wer alles als „Leitung“ bezeichnet, lässt diese Kontrollpunkte verschwinden. Die Diagramme und Meilensteine des Berichts machen die einzelnen Ebenen sichtbar.

Verschiedene Daten, verschiedene Fortschritte

Der Bericht nennt den 30. Juli 1998 als Datum, an dem der ATM-Dienst vom APAN-Austauschpunkt in Tokio zu STAR TAP eingerichtet wurde. Im Fortschrittsteil heißt es, der 35-Mbps-Dienst habe am 1. August begonnen. Am 18. August wurde IP-Routing zwischen KDD und Indiana University über vBNS in Downers Grove, Illinois, verzeichnet. Die NSF kündigte die Förderung am 21. September an und beschrieb das Programm als in Betrieb. Dennoch führt der Bericht spätere Schritte auf: den rund um die Uhr betriebenen IU-TransPAC-Leitstand ab 18. Oktober, APAN/vBNS-Peering am 23. Oktober und TransPAC-Demonstrationen auf der SC’98 im November.

Diese Daten müssen sich nicht widersprechen. Sie betreffen den Aufbau der Leitung, den Beginn des Dienstes, eine bestimmte Routingbeziehung, die Förderankündigung, den dauerhaften Betrieb und die Zusammenschaltung. Ein einziges „Startdatum“ würde die Arbeit verdecken, die den Weg nutzbar und betreibbar machte. Die Pressemitteilung vom September beantwortet nicht die Detailfrage, wann jede technische Ebene aktiv wurde.

APAN war 1996 vorgeschlagen und im Juni 1997 als Konsortium für fortgeschrittene Forschungs- und Bildungsnetze gegründet worden. TransPAC schloss also an ein regionales Vorhaben an, das Netze und Anwendungen bereits organisierte. Es schuf die Forschungsanbindung Asien-Pazifiks nicht allein. Umgekehrt belegt APANs Existenz keine automatische Verbindung aller Hochschulstandorte. Die Dokumente beschreiben ein wachsendes Netz und konkrete Kooperationen, keine flächendeckend einheitliche Versorgung.

Mehr Kapazität, gleiche Bedeutung der Topologie

Der Bericht erwähnt eine von der Japan Science and Technology Corporation (JST) finanzierte Erweiterung auf 73 Mbps. Die Meilensteinliste datiert ihren Abschluss auf den 14. März 1999; ein anderer Abschnitt spricht von einer Erweiterung im Mai. Da die Unterlagen keine eindeutige Auflösung liefern, bleiben beide Angaben stehen. Laut Bericht kamen zu den anfänglichen 35 Mbps weitere 38 hinzu. Davon entfielen 3 Mbps auf einen kommerziellen NAP.NET-Anschluss über eine separate virtuelle ATM-Leitung, ohne Auswirkung auf den Forschungsdienst.

Anwendungen verdeutlichen den Zweck. Der Bericht nennt TransPAC-Demonstrationen auf der SC’98. Eine zeitnahe Darstellung von STAR TAP beschreibt den Fernzugriff von Forschenden in San Diego auf ein Elektronenmikroskop in Osaka über eine leistungsfähige Verbindung. Solche Beispiele erklären das Interesse an großen Datensätzen und gemeinsam genutzten Forschungsinstrumenten. Sie belegen weder denselben Weg für jede Anwendung noch stets verfügbare Nennkapazität oder gleichen Zugang aller Einrichtungen.

Im April 1999 berieten APAN, die University Corporation for Advanced Internet Development (UCAID) und TransPAC über die Bedingungen einer Absichtserklärung und skizzierten APAN/Abilene-Peering über TransPAC. Der Bericht dokumentiert Beratung und Planung, keinen bereits abgeschlossenen Peering-Vertrag. Zwei Netze in einem Diagramm beweisen noch keine betriebsbereite Route.

TransPACs historische Bedeutung lag daher auch in den Kontrollpunkten zwischen den Netzen. Internationale Reichweite hing von Transportkapazität, Austauschstandort, regionaler Bündelung, Routingvereinbarungen, Betriebspersonal und Geld für Erweiterungen ab. Eine Leitung kann vorhanden sein, bevor alle Routen eingerichtet sind; eine Route kann funktionieren, bevor der Dauerbetrieb steht; eine erfolgreiche Vorführung beweist keine allgemeine Verfügbarkeit. Die Aufzeichnungen von 1998–99 machen diese Abhängigkeiten greifbar.

Quellen: TransPAC-Jahresbericht 1998–99; NSF-Mitteilung PR 98-53; APAN-Geschichte; Rückblick der Indiana University; STAR-TAP-Bericht von 1999; Ninf über TransPAC.