Zusammenfassung

  • Der erste Vorschlag von Thomas Narten und Lea Roberts aus dem August 2005 sah /56 als Regelfall für kleine Standorte vor: 256 /64-Subnetze statt 65.536 bei /48.
  • Die verabschiedete ARIN-Policy 2005-8 machte die konkrete Zuteilung an Endstandorte zur Entscheidung des ISP oder LIR. Für die Berechnung seiner IPv6-Auslastung blieb /56 die Einheit. ARIN nennt den 30. August 2006 als Umsetzungsdatum.

Ein Haushalt braucht ein Präfix, das zu seinem Netz passt. Ein ISP braucht eine Regel, nach der sein nächster Antrag auf Adressraum beurteilt wird. Wer beide Fragen mit derselben Zahl beantwortet, übersieht, wer an welcher Stelle entscheidet. Thomas Narten und Lea Roberts schrieben genau diese Trennung in die ARIN-Debatte.

Ihr Vorschlag vom August 2005 setzte bei einer einfachen Rechnung an. Ein /48 enthält 65.536 /64-Subnetze, ein /56 enthält 256. Für Wohnungen, kleine Büros und persönliche Netze sollte /56 der Normalfall sein; Standorte mit mehr als 255 benötigten Subnetzen konnten /48 erhalten. Die Zahlen beschreiben mögliche Subnetze. Sie belegen keinen gemessenen Bedarf damaliger Haushalte.

Der endgültige Text von Policy 2005-8 ließ dem Netzbetreiber noch mehr Spielraum. Die genaue Zuteilung an einen Endstandort ist dort eine lokale Entscheidung des LIR oder ISP. /64 für ein einzelnes Subnetz, /56 für einen kleinen und /48 für einen größeren Standort sind Leitlinien; auch größere Blöcke können begründet werden. Die Frage nach dem Kundennetz wanderte damit näher an den Betreiber, der es tatsächlich anschließt.

Die Messung des Betreibers blieb dagegen zentral geregelt. Für die Effizienz seiner Zuteilungen an Endstandorte sieht der Text /56 als Recheneinheit vor. Der ISP kann einem Kunden etwas anderes als /56 geben und muss sich beim nächsten Antrag dennoch an ARINs Berechnung messen lassen. Eine Wahl bei der einzelnen Zuteilung ist kein Vetorecht gegen die Formel des Registers.

Wie umkämpft diese Grenze war, zeigen die Notizen zu ARIN XVII vom April 2006. Lea Roberts stellte den gemeinsamen Vorschlag vor und fragte, ob die Policy vernünftige Zuteilungen belohnen oder übergroße bremsen solle. Über „vernünftig“ stritt der Saal sofort. Einige wollten den bequemen Griff zu /48 eindämmen. Andere fürchteten um die Einfachheit von IPv6 oder um die Akzeptanz einer strengeren globalen Regel in Japan. Die Anwesenden einigten sich darauf, den Vorschlag weiterzuführen.

Die ARIN-Chronik vermerkt die Umsetzung am 30. August 2006; der Bericht von ARIN XVIII hält die Bestätigung durch das Board fest. In diesen Unterlagen steht nicht, wie viele Haushalte danach tatsächlich /56 erhielten oder welche Adressmenge eingespart wurde. Belegt ist die neue Arbeitsteilung: Der ISP bestimmt den Kundenblock; ARIN bestimmt das Maß für die Auslastung des ISP.

Narten nahm das starre Maß von der Haustür des Kunden. Auf dem Schreibtisch des Registers blieb ein Lineal liegen. Dort entscheidet es mit darüber, wie der nächste Antrag des Anbieters gelesen wird.

Quellen: ARIN-Vorschlag von 2005; Policy 2005-8 und Verlauf; Notizen zu ARIN XVII; Bericht zu ARIN XVIII.