Zusammenfassung

  • Ein unabhängiger Gutachter bewertet die zweite Glasfaserphase mit 49,858 Billionen Rupiah. Als Gegenleistung erhält Telkom neue, von ihr selbst gezeichnete InfraNexia-Aktien – kein Geld eines externen Käufers.
  • Nach der Kapitalerhöhung soll Telkom 99,9999999% an PT Telkom Infrastruktur Indonesia halten. In Telkoms Pro-forma-Konzernabschluss verändert die Übertragung weder Vermögen, Schulden, Eigenkapital noch die ausgewiesenen Ergebnisgrößen.
  • Ob der Wert wirtschaftlich realisiert wird, muss sich erst im Betrieb zeigen: durch transparente Renditen, nachvollziehbare externe Nachfrage und gegebenenfalls Kapital von Dritten, ohne die Dienstekontinuität zu gefährden.

Bei der zweiten Glasfaser-Abspaltung von Telkom ist die auffälligste Zahl kein Scheck, sondern ein Bewertungsansatz. In einer am 7. August eingereichten Offenlegung bezifferte Telkom die zweite Phase ihres Wholesale-Glasfasergeschäfts auf 49,858 Billionen Rupiah. Das entspricht 33% des geprüften Eigenkapitals zum Jahresende 2025. Die Gegenleistung besteht jedoch aus neu ausgegebenen Aktien der PT Telkom Infrastruktur Indonesia (TIF), die unter der Marke InfraNexia tätig ist – und Telkom zeichnet diese Aktien selbst.

Damit ist klarer, was die Zahl aussagt und was nicht. Ein Gutachten kann die Kapitalisierung eines Geschäftssegments stützen und den Aktionären eine Grundlage für die Prüfung eines Geschäfts mit nahestehenden Unternehmen geben. Es belegt aber weder, dass ein Käufer diesen Preis akzeptiert hat, noch dass ein externer Investor die Anlagen finanziert oder der Markt InfraNexia bereits separat bewertet. Telkom verkauft die zweite Phase nicht an einen unabhängigen Infrastrukturfonds. Das Unternehmen überträgt einen Geschäftsbereich auf eine kontrollierte Tochter und erhöht seine Beteiligung an ihr.

Bewertung und Gegenleistung beantworten verschiedene Fragen

Der unabhängige Gutachter kombinierte zwei Verfahren: eine Discounted-Cashflow-Bewertung mit 70% Gewicht und eine bereinigte Nettovermögensmethode mit 30%. Laut Unterlage schätzt das erste Verfahren die künftige Ertragskraft, das zweite bildet den hohen Kapitaleinsatz von Glasfaserinfrastruktur ab. Bewertungsstichtag ist der 31. Dezember 2025. Die Unterlage weist außerdem darauf hin, dass die Anlagen über Vereinbarungen zur Umsatzteilung zwischen Telkomsel und Telkom Erträge erzielen.

Diese Verfahren können unter festgelegten Annahmen den Wert einer Betriebseinheit schätzen. Sie machen aus einem konzerninternen Vorgang aber keinen Verkauf zwischen unabhängigen Parteien. Übertragende und übernehmende Gesellschaft gehören weiterhin zum selben Konzern. Nach der Kapitalerhöhung soll Telkom 99,9999999% der TIF halten und damit fast alle als Gegenleistung ausgegebenen Aktien zeichnen. Es entsteht eine buchhalterische und operative Grenze, aber keine neue Eigentümerstruktur außerhalb des Konzerns.

Auch der Schätzwert von 49,858 Billionen Rupiah ist von den Buchwerten zu unterscheiden. Im Pro-forma-Abschluss zum 31. Dezember 2025 bleiben Telkoms konsolidierte Vermögenswerte von Rp 287,759 Billionen, Schulden von Rp 137,222 Billionen und Eigenkapital von Rp 150,537 Billionen durch die Übertragung unverändert. Auch die ausgewiesenen Ergebnisgrößen ändern sich nicht. Im Einzelabschluss der TIF steigen die Vermögenswerte von Rp 3,944 Billionen auf Rp 33,097 Billionen, die Schulden von Rp 1,323 Billionen auf Rp 1,639 Billionen und das Eigenkapital von Rp 2,621 Billionen auf Rp 31,458 Billionen.

Diese Buchwerte messen nicht dasselbe wie das unabhängige Gutachten. Eine einfache Überleitung zwischen den Größen enthält die Offenlegung nicht. Es wäre falsch, einen der Beträge als vereinnahmtes Geld darzustellen oder sie direkt gleichzusetzen.

Die Netzinfrastruktur wechselt die Gesellschaft, die wirtschaftliche Kontrolle bleibt beim Konzern

Die außerordentliche Hauptversammlung vom 30. September stimmte dem Plan für Phase 2 zu; noch am selben Tag unterzeichnete Telkom die Abspaltungsurkunde. Laut Protokoll entfielen 86.213.186.452 Stimmen – 99,189% der auf der Versammlung ausgegebenen Stimmen – auf Zustimmung; 277.808.090 Stimmen waren dagegen, 426.783.977 enthielten sich. Zu diesem Tagesordnungspunkt wurden laut Dokument keine Fragen gestellt. Der Beschluss genehmigt die gesellschaftsrechtliche Maßnahme, belegt aber keine Neubewertung der Anlagen durch einen externen Markt.

Die Transaktionsunterlagen knüpfen die rechtliche Wirksamkeit an die Genehmigung oder den Eingang der Mitteilung über die TIF-Kapitalerhöhung beim indonesischen Rechtsministerium. Eine Offenlegung vom 30. September erwartete den Wirksamkeitstermin nach Abschluss dieses Verfahrens für den 1. Oktober. Telkoms Mitteilung bezeichnete die Übertragung als abgeschlossen. Unterzeichnung, geplanter Termin und rechtliche Registrierung sind getrennte Schritte und dürfen nicht als einheitlich bestätigter Sachverhalt behandelt werden.

Operativ ist die interne Übertragung dennoch bedeutsam. Der Plan überträgt die zugehörigen Vermögenswerte und Schulden, Betriebsverantwortung, Kunden- und Partnerverträge sowie Beschäftigten auf TIF. Telkom erklärt, Kunden könnten ihre bisherigen Produkte ohne unmittelbare Unterbrechung oder zusätzliche, durch die Abspaltung verursachte Gebühr weiter nutzen. InfraNexia soll als Wholesale-Plattform sowohl Konzerngesellschaften als auch andere Betreiber bedienen. Eine separate Gesellschaft kann Investitionen und Netzentscheidungen leichter messbar machen. Sie beseitigt aber nicht automatisch den Einfluss von Telkom auf Nachfrage und Kontrolle.

Telkom zufolge umfasst das übertragene Netz mehr als 90% der Konzerninfrastruktur, rund 112.000 Kilometer Glasfaser und 26.000 Kilometer nationale Unterseekabel. Das beschreibt den Umfang der Anlagen, nicht die freie Kapazität einzelner Routen, die Servicequalität für externe Kunden oder vergleichbare Zugangsbedingungen. Die behauptete Offenheit des Wholesale-Angebots muss sich in Verträgen und Betriebsdaten zeigen.

Der Betrieb ist vorhanden; externe Preisfindung steht noch aus

Telkoms Zahlen für das erste Halbjahr 2026 liefern einen operativen Ausgangspunkt: InfraNexia erzielte Rp 7,7 Billionen Umsatz und eine EBITDA-Marge von 54,5%. Der Umsatz mit Kunden außerhalb der TelkomGroup betrug Rp 939 Milliarden und lag 31% über dem Vorjahreszeitraum. Zugleich erklärte Telkom, dass die Konzerngesellschaften weiterhin den größten Teil des Gesamtumsatzes ausmachten. Die Angaben belegen externe Kunden, aber nicht, was ein Dritter für die übertragenen Anlagen zahlen würde oder welche eigenständige Rendite diese Anlagen erwirtschaften.

„Wertrealisierung“ braucht daher einen beobachtbaren Test. Eine kontrollierte Tochter kann Verantwortlichkeiten und Kosten transparenter machen und die Grundlage für externe Verträge, Partnerschaften oder eine spätere Kapitalaufnahme schaffen. Solange jedoch kein unabhängiger Dritter Kapital einbringt, einen Anteil kauft oder Kapazität zu einem veröffentlichten, vergleichbaren Wholesale-Preis abnimmt, bleibt der Betrag von 49,858 Billionen Rupiah ein Bewertungsansatz innerhalb des Konzerns.

Für den Nachweis eines neutralen Angebots wären verfügbare Routen, vergleichbare Konditionen, externe Umsätze und Margen sowie klare Servicepflichten relevant.

Für Aktionäre ist entscheidend, welche Hinweise als Nächstes erscheinen. Gewinnt InfraNexia später einen Partner zu einem veröffentlichten Preis, entsteht ein neuer Vergleichswert für die heutige Bewertung und Telkoms verbleibende Beteiligung. Wachsen externe Kunden, während Telkom der größte Abnehmer bleibt, zeigt das eine breitere Kundenbasis, aber nicht zwangsläufig einen Marktpreis für das Netz. Werden Verträge verschoben, während Preise, gemeinsame Kosten und Investitionen intransparent bleiben, ändert sich möglicherweise die Unternehmensstruktur stärker als die wirtschaftliche Verantwortlichkeit.

Die von Telkom genannte Summe von rund Rp 85,7 Billionen für beide Phasen addiert die Bewertungen der ersten und zweiten Phase. Sie ist kein Betrag an aufgenommenem Kapital. Die zweite Phase ist am ehesten als konzerninterne Kapitalneuordnung mit bewerteter Vermögensbasis zu lesen. Aussagekräftig werden die nächsten Schritte durch externe Transaktionen und Betriebsdaten, die den Schätzwert mit Umsatz, Kosten, Auslastung und Renditen verbinden. Bis dahin gibt es eine Bewertungsmethode und eine konzerninterne Empfängerin, aber keinen externen Preis.

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