Zusammenfassung
- Aus 1.000 zum verbesserten Angebot eingereichten TIM-Aktien wurden 1.970 Euro und 218 neue Poste-Aktien. Der Verkauf beendete die Beteiligung an TIM, nicht das Aktienrisiko.
- Poste erreichte die Kontrolle, aber keine vollständige Übernahme. Bei den verbleibenden TIM-Aktionären zählt weiterhin, was der Betreiber verdient und wofür er sein Geld einsetzt.
Nach einer Übernahme kann die alte Aktie aus dem Depot verschwinden, ohne dass das Geld vollständig auf dem Konto landet. So war das Angebot von Poste Italiane für Telecom Italia aufgebaut: 1,97 Euro in bar und 0,218 neue Poste-Aktien je eingereichter TIM-Aktie. Wer verkaufte, wechselte mit einem Teil seiner Anlage auf die Käuferseite.
Das verändert, worauf es beim nächsten Geschäftsbericht ankommt. Für einen neuen Poste-Aktionär muss sich der Kauf im größeren Geschäft des Käufers bewähren. Wer TIM behielt, hat dagegen kein Erwerbsgeld für diese Aktien erhalten. Seine Beteiligung hängt weiter unmittelbar an den Erträgen des Telekomunternehmens und daran, wie unter dem neuen Mehrheitsaktionär investiert und Geld verwendet wird. Die Machtfrage ist weitgehend entschieden; der wirtschaftliche Erfolg beider Anlagen nicht.
Ein Ergebnis ist noch kein Endstand
Die endgültigen Ergebnisse vom 29. September 2026 bezifferten Postes Beteiligung nach dem Angebot auf 85,823 Prozent. Für Aktien, die in der zusätzlichen Annahmephase eingereicht wurden, war der 2. Oktober als Zahlungstag vorgesehen.
Die Mitteilung zog zugleich eine wichtige Grenze. Die Voraussetzungen für das Squeeze-out-Recht beziehungsweise das gemeinsame Verfahren waren nicht erfüllt. Bei diesen Verfahren geht es um den Erwerb der noch ausstehenden Aktien. Das Angebot hatte die Voraussetzungen dafür also nicht geschaffen: Wer seine TIM-Aktien behielt, wurde dadurch nicht automatisch ausbezahlt und aus der Gesellschaft gedrängt. Ob und auf welchem Weg später weitere Aktien erworben werden, ist eine andere Frage.
Am 1. Oktober kamen Börsenkäufe hinzu. Zusammen mit dem bisherigen Bestand und den angedienten Aktien ergab sich laut Mitteilung eine Beteiligung von 86,952 Prozent. Die oft genannte Restgröße von 14,18 Prozent war damit keine unveränderliche Beschreibung des Aktionärskreises mehr. Ohnehin verrät die Beteiligungsquote allein nicht, wie leicht sich die übrigen Aktien tatsächlich verkaufen lassen.
Für die Unternehmensführung wurde der Wechsel am 30. September greifbar: Der TIM-Verwaltungsrat stellte die Leitung und Koordinierung durch Poste fest und beschloss Regeln für Beziehungen und Informationsflüsse. Daraus folgt keine unbegrenzte Macht über Minderheitsrechte, Verträge oder Aufsichtsbehörden.
Der Käufer hat ebenfalls mehr Aktionäre
Die Aktienkomponente war ein Teil des Kaufpreises, keine kostenlose Finanzierungsquelle. Für die wiedereröffnete Annahmefrist allein gab Poste am 2. Oktober 89.375.988 neue Aktien aus. Die Zahl ihrer Stammaktien stieg dadurch auf 1.612.089.986.
Die bisherigen Poste-Aktionäre teilen das Unternehmen nun mit weiteren Eigentümern. Für den Wert ihrer einzelnen Aktie zählt aber nicht nur der größere Nenner. Auch das erworbene Geschäft gehört in die Rechnung. Mehr Aktien bedeuten daher nicht automatisch einen wirtschaftlichen Verlust. Wer TIM-Aktien behielt, erhielt für diese dagegen weder das Bargeld noch die neuen Poste-Titel und bleibt unmittelbar vom Betreiber abhängig.
Auch das Management nahm am Angebot teil. TIM meldete am 7. September, dass CEO Pietro Labriola und wichtige Führungskräfte ihre gehaltenen Aktien andienten. Ihre privaten Erwartungen lassen sich daraus nicht ablesen. Der Verwaltungsrat hatte die damalige Gegenleistung von 1,67 Euro plus 0,218 Aktie bereits am 18. Juli als finanziell angemessen beurteilt. Die zugrunde liegenden Beratermeinungen richteten sich an das Gremium, galten unter Vorbehalten und waren keine Empfehlung an sämtliche Aktionäre. Im September wurde der Barbetrag angehoben; eine Garantie für spätere Börsenkurse entstand aus der Beurteilung nicht.
Was nach dem Netzverkauf weiterläuft
Poste übernimmt einen Betreiber, dessen Geschäftsgrundlage sich zuvor bereits verändert hatte. Mit dem Abschluss des NetCo-Verkaufs im Juli 2024 gingen die Festnetzinfrastruktur und das Vorleistungsgeschäft an FiberCop. Käuferin von FiberCop war die KKR-Tochter Optics BidCo. TIM wurde dadurch weder zu einem Unternehmen ohne jedes eigene Netz noch hörte das Unternehmen auf, Telekommunikationsdienste anzubieten.
Der damalige Höchstwert der Transaktion betrug einschließlich bedingter Zusatzleistungen 22 Milliarden Euro. Als Verringerung der Nettofinanzverschuldung nach Anpassungen und Trennungskosten wurden 13,8 Milliarden Euro angekündigt. Wer den Transaktionswert mit dem Schuldenabbau gleichsetzt, macht die Bilanzentlastung größer, als sie in der Abschlussmitteilung beschrieben wurde.
Für die weitere Zusammenarbeit schlossen TIM und NetCo einen Dienstleistungsrahmenvertrag: 15 Jahre Laufzeit, verlängerbar um weitere 15 Jahre, Leistungen zu Marktpreisen, keine Mindestabnahme. Das Geschäft mit den Kunden blieb auf Netzdienste angewiesen. Geändert hatte sich das Verhältnis zwischen eigenem Anlagevermögen und zugekauften Leistungen. Ein solcher Vertrag ist wichtig für die Kostenplanung, aber ohne Mindestabnahme lässt er sich nicht einfach als erfundene feste Zahlungspflicht modellieren.
Eine Milliarde mit anderem Ursprung
Wie sich das Geschäft nach der Trennung entwickelt, lässt sich an veröffentlichten Zahlen prüfen. Für das erste Halbjahr 2026 meldete TIM 6,83 Milliarden Euro Umsatz. Die bereinigte Nettofinanzverschuldung nach der unternehmenseigenen Kennzahl „after lease“ lag zum 30. Juni bei 7,285 Milliarden Euro.
Der freie Cashflow für die Eigenkapitalgeber nach Leasingzahlungen betrug positive 650 Millionen Euro. In diesen Zeitraum fiel allerdings die Erstattung früherer Konzessionsgebühren mit einem positiven finanziellen Nettoeffekt von rund einer Milliarde Euro. Ein alter Anspruch kann frisches Geld bringen. Er ersetzt keine wiederkehrenden Einnahmen von Kunden.
Hinzu kommt eine Stolperfalle bei historischen Vergleichen. Die im Januar beschlossene Umwandlung der Sparaktien wurde erst im Mai umgesetzt. Laut Ergebnismitteilung entfielen 93,5 Prozent auf die freiwillige Variante: eine Stammaktie plus 0,12 Euro brutto je Sparaktie, statt 0,04 Euro brutto bei der obligatorischen Umwandlung. Im Juni folgte eine Zusammenlegung von zehn alten Aktien zu einer neuen. Ein Centbetrag aus dem Frühjahr und der Angebotspreis im Herbst beziehen sich also nicht auf gleich große Einheiten.
Für die Aktionäre geht es nun weniger um die nächste Nachkommastelle der Beteiligung als um die nächste Ergebnisrechnung. Bei Poste muss sich zeigen, was TIM im Verhältnis zum gezahlten Kaufpreis beiträgt. Bei TIM selbst zählt, was das laufende Geschäft verdient und wie dieses Geld eingesetzt wird. Die gesicherte Mehrheit nimmt keinem der beiden Aktionärskreise diese Prüfung ab.
Aktualisiert und berichtigt am 22. Oktober 2026: Ergänzt wurden spätere Aktienkäufe und verfügbare Finanzberichte; berichtigt wurden der Umwandlungszeitpunkt und die Verwechslung von NetCo-Bewertung und Schuldenabbau. Die Darstellung der Gegenleistung und des Netzvertrags wurde präzisiert. Das ursprüngliche Veröffentlichungsdatum bleibt erhalten.
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