Zusammenfassung

  • Die W3C-Empfehlung SVG 1.0 vom 4. September 2001 beschrieb zweidimensionale Grafiken in XML: Vektorpfade und Formen, Bilder und Text.
  • Koordinatensysteme und Ansichtsfenster erlaubten es, dieselbe Geometrie in unterschiedlich große sichtbare Bereiche zu übertragen. Eine vergrößerte Karte konnte ihre Straßen neu zeichnen, statt nur die Bildpunkte einer festen Vorlage aufzublasen.

Wer eine kleine Karte vergrößert, möchte meistens mehr Straße sehen, nicht größere Kästchen. Ein Bild aus festen Farbpunkten kann allerdings nur vorzeigen, welche Farbpunkte es besitzt. Die SVG-1.0-Empfehlung machte dem Web 2001 einen anderen Vorschlag. Ein Autor konnte Linien, Kurven, Formen, Bilder und Text in XML beschreiben. Der Weg durch die Stadt blieb ein Pfad mit Koordinaten, auch wenn der Leser sein Sichtfenster veränderte.

In der Einleitung der Spezifikation stehen Vektorformen aus geraden und gebogenen Pfaden neben Bildern und Text. Objekte lassen sich gruppieren, gestalten, transformieren und zusammensetzen. Bei einer Karte bekommen Fluss, Straßennamen und Stadtviertel eigene Aufgaben. Ein Viertel kann als Gruppe verschoben werden; eine falsche Kurve lässt sich berichtigen, ohne die ganze Stadt erneut als fertiges Bild zu malen. Die Zeichnung trägt ihre Einzelteile mit sich.

Entscheidend ist die Frage, wie diese Einzelteile ins Blickfeld gelangen. Das Koordinatenkapitel trennt die Zeichenfläche vom endlichen Viewport, in dem das Ergebnis sichtbar wird. Außerdem unterscheidet es die Koordinaten des Viewports von den Benutzerkoordinaten der Zeichnung. viewBox wählt ein Rechteck aus diesem Benutzerraum und bildet es auf das Fenster ab. preserveAspectRatio bestimmt mit, wie es hineinpassen soll. Ein und dasselbe Straßennetz kann in einem kleinen Kasten stehen oder eine große Fläche füllen.

Transformationen bewegen, skalieren, drehen und neigen grafische Objekte. Gruppen können gemeinsam wandern; verschachtelte SVG-Elemente eröffnen weitere Viewports. Der Kartenzeichner legt also zunächst die räumlichen Beziehungen fest und entscheidet dann, welcher Ausschnitt wo gezeigt wird. Auf dem Bildschirm entstehen am Ende Bildpunkte. Die Quelle enthält aber weiterhin die Anweisungen, aus denen beim nächsten Fenster ein neues Bild entstehen kann.

SVG 1.0 kann mehr als ruhige Linien: Die Einleitung nennt auch Text, eingebettete Bilder, Masken, Filter, Animation und Skripte. Für diese Geschichte genügt eine leise Veränderung. Das Web bekam eine standardisierte Beschreibung für die Geometrie einer Zeichnung und für die Beziehung zwischen dieser Geometrie und ihrem Rahmen. Die eine fertige Ansicht verlor ihr Monopol auf das Werk.

Das W3C stellte SVG 1.0 in seiner Mitteilung vom 5. September 2001 als XML-Sprache für zweidimensionale Vektorgrafiken vor; die Empfehlung selbst trägt das Datum des Vortags. Ein Webautor konnte nun den Bauplan einer Zeichnung übermitteln, nicht bloß ihren Abzug in einer Größe. Wer der Karte näherkam, bekam wieder Straßen zu sehen. Der Pixelbrei durfte in der Küche bleiben.