Zusammenfassung

  • Stefan Wahl zufolge beschreiben die von ihm behandelten Verzeichnisse ein IXP noch immer als ein Peering-LAN mit einer Beziehung zwischen Mitglieds-ASN und Port, obwohl an einem Standort mehrere Dienste zusammenlaufen.
  • Ohne eigene Identität pro Dienst bleiben auch Filter, Präfixgrenzen und Vertrauensquellen in der Schwebe.

Im Verzeichnis passt ein IXP in eine Zeile. Im Rack verteilt es sich über mehrere Ebenen. Auf der RIPE 92 stellte Stefan Wahl das traditionelle Bild eines einzelnen Peering-LANs dem heutigen Betrieb gegenüber: Remote Peering, Cloud-Anbindungen, gehostete Caches, mehrere ASNs und Dienste, die Layer 2 und Layer 3 verbinden.

Der CTO von Route128 und Euro-IX-Vorstandsmitglied führte ein Beispiel aus San Francisco an. Dort liefen Layer-3-Dienste neben dem Layer-2-Peering-Fabric. Zwei VRFs ermöglichten Übergänge zwischen den Ebenen; Wahl nannte die Konstruktion ein „Layer 2.5“-IXP. Im Verzeichnismodell gab es keinen passenden Ort, um den Dienst zu beschreiben. Laut Wahl transportierte die Konstruktion bereits Verkehr.

Sobald mehrere Dienste vorhanden sind, beantwortet ein einziges Label für das gesamte IXP keine Betriebsfrage mehr. Welche Präfixe darf welcher Dienst annehmen? An welchen Route Server oder Point of Presence ist er gebunden? Welche IRR-Quellen oder RPKI-Vertrauensregeln gelten? Wenn ein Eintrag nur sagt, dass ein Mitglied am IXP hängt, muss die Automatisierung Grenzen erraten, die das Verzeichnis nie festgehalten hat.

Wahl schlug ein Service-Vokabular mit stabiler Kennung vor, das Verzeichnisse und APIs gemeinsam nutzen könnten. Filter und Vertrauensbeziehungen sollten dem jeweiligen Dienst folgen. Auch IPv6-only-Fabrics, Link-Local-Adressen und VLAN-spezifische Präfixlimits passten nach seiner Darstellung schlecht in die heutigen gemeinsamen Felder.

Er wollte weder Verzeichnisse zusammenlegen noch bestehende Betriebspraktiken ersetzen oder einen Echtzeit-Validator bauen. Provisionierungszustand und Mitgliederabsicht bleiben Sache der Betreiberwerkzeuge. Die Arbeitsgruppe erhielt eine engere Frage: Bekommt jeder Dienst eine stabile öffentliche Beschreibung, oder raten nachgelagerte Clients weiter, welche Ebene der Eintrag meint? Das RIPE-92-Protokoll hält den Vorschlag fest, aber weder eine Annahme noch einen Umsetzungstermin.

Quellen