Zusammenfassung
- Der X.400-Maildienst des Instituts Jožef Stefan bestand vor Sloweniens erster direkter IP-Internetverbindung. Während des Kriegs 1991 wurde er auf leistungsfähigere Hardware und in einen Keller mit unabhängiger Stromversorgung verlegt.
- Der dauerhaft eingesetzte VAX namens Stenar war ein späteres, anderes Gerät. Sloweniens erste IP-Verbindung in die Niederlande entstand Ende November; die früheren Nachrichten waren deshalb kein IP-Verkehr.
In einer Krise hängt Kontinuität manchmal von unscheinbaren Entscheidungen ab: Geräte verlegen, einen geschützteren Raum finden und die Stromversorgung sichern. Eine Rückschau des slowenischen Computermuseums beschreibt eine solche Maßnahme am Institut Jožef Stefan (IJS) im Jahr 1991. Der Maildienst wechselte von einem DEC MicroVAX II auf einen leistungsfähigeren VAX. Außerdem kam der Dienst in einen Keller und erhielt eine unabhängige Stromversorgung. Die Quelle behauptet weder, dass damit jede Gefahr gebannt war, noch, dass der Dienst nie ausfiel.
Sie dokumentiert den Versuch, eine bestehende Kommunikationsmöglichkeit unter Kriegsbedingungen zu erhalten.
Dieser Dienst war nicht dasselbe wie Sloweniens spätere direkte Internetverbindung. Das IJS war am jugoslawischen Wissenschaftsnetz SLON beteiligt; slowenische Forschende nutzten X.400-Mail und weitere international angebundene Dienste bereits seit den späten 1980er-Jahren. X.400 ist ein Nachrichtenübertragungsstandard aus der OSI-Familie. Gateways konnten E-Mail auch über Netze transportieren, die nicht das Internetprotokoll verwendeten. Internationale E-Mail bedeutete also noch keine direkte IP-Verbindung des Landes mit dem globalen Internet.
Auch die Abfolge der Rechner muss getrennt bleiben. Das Computermuseum zufolge wurde der Kriegsdienst vorübergehend auf einen leistungsfähigeren DEC VAX 4000/200 verlagert. Kurz darauf stellte das Ministerium für Wissenschaft und Technologie einen dauerhaften Hauptserver bereit: einen DEC VAX 4000/300 namens Stenar. Ein Ich-Bericht von 2011 nennt genauere Daten und leicht abweichende Modellbezeichnungen: Am 3. Juli sei ein microVAX 4000-200 ausgeliehen und am 10. Juli der neue Stenar übernommen worden. Die Rückblicke stützen die Abfolge einer vorübergehenden Verstärkung und eines anschließend separaten dauerhaften Rechners.
Sie belegen nicht, dass beide Geräte identisch waren oder Stenar während der Kämpfe in Sicherheit gebracht wurde.
Die institutionelle Chronologie ordnet den Vorgang neben der Ankunft des Internets ein, ohne die Schritte gleichzusetzen. Der Zehn-Tage-Krieg begann nach der Unabhängigkeitserklärung vom 25. Juni 1991; die Vereinbarungen von Brioni legten am 7. Juli einen Waffenstillstand fest. Im Juni hatte das IJS zudem eine öffentliche X.25-Verbindung zum europäischen IXI-Netz erwirkt. Die direkte IP-Verbindung vom IJS zum niederländischen NIKHEF wurde technisch erst Ende November eingerichtet.
X.25-Transport, X.400-Mail und IP-Konnektivität gehörten zu einer sich wandelnden Netzinfrastruktur, waren aber keine austauschbaren Bezeichnungen für denselben Dienst.
ARNES erinnerte später daran, dass das IJS Stenar zur Verbreitung von Nachrichten während des Kriegs und der Isolation nutzte. Andere Quellen behandeln lokale Mailinglisten und Gateways; die Inhalte erhaltener Nachrichten sind jedoch ein eigenes Thema. Die Belege tragen hier eine engere Schlussfolgerung: Bestehende akademische Infrastruktur und ihre Betreiber ermöglichten weiteren Nachrichtenaustausch, während Hardware und Standort angepasst wurden. Sie verraten weder Nachrichtenmengen noch Empfänger, durchgehende Verfügbarkeit oder die Reichweite für die Bevölkerung. Die Netzgeschichte des Computermuseums und Jerman Blažičs Rückblick auf Sloweniens erste Internetverbindung helfen, Protokolle und Gerätefolge auseinanderzuhalten, statt einen funktionierenden Maildienst mit allgemeinem Internetzugang gleichzusetzen.
Quellen
- https://www.racunalniski-muzej.si/racunalniska-omrezja-prve-internetne-povezave/
- https://www.ijs.si/ijsw/Arhiv%20Novic?action=AttachFile&do=get&target=Novice158.pdf
- https://www.e5.ijs.si/how-internet-arrived-in-slovenia/
- https://www.arnes.eu/en/the-president-decorates-arnes/
- https://www.racunalniski-muzej.si/en/exhibition-arnes-30-years/
- https://www.isoc.si/prihod-interneta/
- https://www.gov.si/en/topics/history-of-slovenia/
- https://hrcak.srce.hr/en/289727
- https://is.ijs.si/wp-content/uploads/zborniki/zborniki/2011/IS2011_Volume_A.pdf
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