Zusammenfassung

  • LACNIC bestätigte Sergio Rojas 2026 erneut als Mitvorsitzenden seines Politikverfahrens. Er erhielt 51 von 115 Stimmen gegen drei weitere Kandidaten. Zwei Jahre zuvor war er der einzige gültige Bewerber gewesen, weshalb es keine Wahl gab.
  • Der gewählte Vorsitzende moderiert die Debatte und bewertet, ob wesentliche technische Einwände ausgeräumt wurden. Über die endgültige Ratifizierung einer Richtlinie entscheidet der Vorstand von LACNIC.

Diesmal lag ein Wahlzettel auf dem Tisch

Das LACNIC-Ergebnis von 2024 kam ohne Stimmenzahlen aus: Sergio Rojas war der einzige gültige Kandidat, also entfiel die Abstimmung. Beim offiziellen Ergebnis vom April 2026 sind Zahlen der Kern der Nachricht. Rojas erhielt 51 Stimmen, Celsa Sánchez 33, Marcela Alejandra Orbiscay 23 und Oscar Danilo González Navarrete acht. Zusammen sind das 115, genau die gemeldete Zahl der Wählenden. Rojas hatte die meisten Stimmen, aber keine absolute Mehrheit. Seine neue zweijährige Amtszeit beginnt nach dem öffentlichen Politikforum.

Die beiden Wahlgänge erzählen nichts über geheime Motive. Sie zeigen, dass ein bisher konkurrenzlos besetzter Posten nun zwischen vier Kandidaten entschieden wurde und das Ergebnis nach einer Prüfphase offiziell feststand. Die Auswahl ist dadurch gut nachvollziehbar. Die eigentliche Zumutung für den Gewählten kommt erst, wenn eine überzeugende technische Kritik an einer beliebten Vorlage auf dem Tisch liegt.

Laut LACNICs Policy Development Process haben die beiden Vorsitzenden dieselben Aufgaben. Sie führen durch das Forum und die öffentliche Mailingliste, arbeiten mit Antragstellern und beurteilen, ob sich Konsens gebildet hat. Kritische technische Einwände müssen bearbeitet werden. Eine Summe von Ja-, Nein- und Enthaltungsstimmen ersetzt diese Beurteilung nicht. Wer durch Zählen ins Amt kommt, muss im Amt argumentieren können.

Auch der Ablauf lässt wenig Raum für einen einsamen Federstrich. Nach Ende einer Diskussion müssen die Vorsitzenden binnen zwei Wochen bekanntgeben, ob Konsens besteht. Danach folgt für erfolgreiche Vorschläge eine vierwöchige letzte Kommentarrunde. Hält der Konsens, geht die Vorlage zur Ratifizierung an den Vorstand. Rojas kann eine Diskussion lenken und eine Bewertung begründen. Die endgültige Freigabe liegt nicht bei ihm allein.

Eine von LACNIC veröffentlichte Biografie nennt ihn als Leiter der Registrierungsdienste von 2009 bis 2020. Erfahrung mit Internetnummern ist ein guter Ausgangspunkt für präzise Nachfragen. Sie ist kein Ersatz für die Antwort auf einen künftigen konkreten Einwand. Der Maßstab für diese Amtszeit ist deshalb die öffentlich nachvollziehbare Begründung, nicht die Erinnerung an 51 Kreuze.