Zusammenfassung

  • RFC 981 beschrieb einen experimentellen AX.25-Paketfunkalgorithmus, der Quellenrouten anderer Stationen passiv beobachtete und einen Hauptweg sowie Ersatzwege berechnete.
  • Der Prototyp unterschied tatsächlich gehörte Links von vermuteten Abschnitten, bestrafte ungeprüfte Verbindungen in seiner Gewichtung und arbeitete mit kleinen Tabellen.

Ein Paket funkt durch mehrere Relais. Eine andere Station hört mit und liest die Rufzeichen des ganzen Weges im Header. Kann sie denselben Weg nehmen? D.L. Mills beantwortete die Frage im Wiretap-Algorithmus vom März 1986 wie ein Ermittler mit Antenne: Spuren sammeln, die nicht gehörten Strecken kennzeichnen und mehr als einen Ausgang bereithalten.

Das Versuchsfeld war der AX.25-Paketfunk rund um Washington, DC. Manche Stationen waren voreinander verborgen. Ein Quellenrouten-Header nannte Absender, Ziel und mögliche Digipeater dazwischen. Die Strecke, über die der Rahmen bis zum Beobachter gelangte, lieferte direkte Hinweise. Der weitere Verlauf zum Ziel war zunächst eine Vermutung. I- oder S-Rahmen konnten die Annahme einer bestehenden Verbindung stützen; U-Rahmen lieferten diese Stütze nicht. Der Prototyp hielt die Markierungen gehört, in Gegenrichtung gehört und synchronisiert auseinander.

Auch die Richtung war kein Detail. Ein Link konnte vorwärts gut und rückwärts wegen verdeckter Stationen oder Stau schlecht sein. Wiretap führte Knoten und Verbindungen in Tabellen, baute daraus einen Graphen und berechnete gewichtete Distanzen. Das Ergebnis war eine erste Route mit geordneten Ausweichwegen für Ausfälle oder neue Entdeckungen. Optimal bedeutete optimal nach den örtlichen Beobachtungen und den ausgewählten Schätzwerten.

Für seine Notizen hatte der LSI-11-Prototyp Platz für höchstens 75 Knoten und 150 Links. Ein Knoteneintrag brauchte 26 Byte, ein Link vier. Ein gewichteter Cache räumte ältere Spuren weg. Im Beispiel aus 24 Stunden Funkempfang blieben nach Stabilisierung gewöhnlich ungefähr 60 Knoten und 100 Links. Diese Zahlen beschreiben den Versuch. Sie zeigen, wie eine Speicherentscheidung zur Routingentscheidung werden konnte.

Die Preisliste war deutlich: ein Hop kostete 30 Punkte, ein ungeprüfter Link weitere 50. Fehlende Gegenrichtung und fehlender Synchronisierungsbeleg kosteten je fünf. Faktoren für Knoten kamen dazu. Eine dynamische Stauzahl war im Papier noch geplant und im beschriebenen Prototyp nicht eingebaut. Mills nannte die Gewichte erste experimentelle Schätzungen. Ihr Zweck war klar: Für eine aus Funkgesprächen erratene Verbindung sollte nicht derselbe Preis gelten wie für eine bestätigte.

Der RFC-Editor-Eintrag datiert den Bericht auf März 1986. Ein lokaler Prototyp bestand seine ersten Versuche auf einem harten Kanal. Der Router durfte lauschen und raten. Er musste nur wissen, welcher Teil seiner Karte aus dem Ohr und welcher aus dem Bleistift kam.