Zusammenfassung
- Ondřej Filip stellte im März 2008 den CZ.NIC-Entwurf zur Einführung von DNSSEC für .cz und ENUM öffentlich zur Diskussion.
- Ende 2009 waren weniger als 1.500 .cz-Domains geschützt. Zwei Registrare signierten 2010 geeignete Kundendomains in großen Blöcken; im März lag die Zahl über 87.000, am Jahresende über 110.000.
Der unscheinbare Hebel im Kundensystem
Über 70.000 Domains in einer Woche: So beschrieb CZ.NIC im März 2010 den plötzlichen Zuwachs bei DNSSEC. Insgesamt waren nun mehr als 87.000 .cz-Namen geschützt. WEB4U und ACTIVE 24 hatten Domains ihrer Kunden signiert, sofern sie diese auch auf eigenen DNS-Servern betrieben. Für neue, von ihnen registrierte und verwaltete Domains kündigten sie eine automatische Aktivierung an. Eine Sicherheitsfunktion erreichte damit den Ort, an dem viele Nutzer nie nach einer Sicherheitsfunktion suchen: den Standardablauf.
Ondřej Filip hatte zuvor die Bühne gebaut. Als Geschäftsführer von CZ.NIC veröffentlichte er im März 2008 den Implementierungsentwurf für .cz und ENUM und bat um Rückmeldungen. Seine Originalfolien für ICANN zeigen die Reihenfolge: Ankündigung, fertiges Papier, Tests der Registrare, Signierung der .cz-Zone und schließlich die Registrierung durch Endnutzer. Schon der Plan gab den Registraren eine eigene Etappe. Dort musste die Technik den Weg in den Kundenbetrieb finden.
Zunächst verlief dieser Weg gemächlich. Im August 2009 meldete CZ.NIC die ersten tausend geschützten .cz-Domains. Filip sprach von schrittweiser Einführung und nannte Banken, Medien und Behörden als Stellen mit offensichtlichem Interesse an unverfälschten DNS-Antworten. Laut dem später veröffentlichten Jahresbericht waren es Ende 2009 noch keine 1.500. Der technische Eingang war offen; die meisten gingen daran vorbei.
Der Schub von 2010 lässt sich auf eine konkrete Handlung zurückführen. Die beiden Registrare signierten in einem Arbeitsgang die geeigneten Domains ihres bestehenden Kundenbestands. Ihr angekündigter Automatismus für Neuanmeldungen machte daraus einen dauerhaften Zulauf. Filip verantwortete nach den öffentlichen Unterlagen die Vorstellung des Plans und erklärte die Technik. Den großen Kundenschritt gingen die Registrare. Gerade diese Arbeitsteilung macht die Episode interessant.
Ende 2010 zählte CZ.NIC mehr als 110.000 geschützte .cz-Domains. Die Zahl erfasst signierte Namen. Sie zeigt zugleich, wie aus einer verfügbaren Funktion eine verbreitete Praxis wurde: Die Registry stellt sie bereit, der Registrar baut sie in den Dienst ein, der Inhaber erhält sie über den vertrauten Weg. Ein Kästchen im Ablauf kann viel lauter wirken als eine weitere Bühne.
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