Zusammenfassung
- RFC 871 rekonstruierte die Prinzipien, nach denen die ARPANET Network Working Group bereits Protokolle für Zusammenarbeit zwischen ungleichen Rechnern gebaut hatte.
- Ein entscheidendes Prinzip war Fairness gegenüber den beteiligten Hosts: Ein entbehrlicher Login-Schritt auf dem einen System konnte auf dem anderen Authentifizierung und Abrechnung tragen.
Die Idee klang freundlich. Wer eine E-Mail empfängt, sollte für den Eingang nicht bezahlen; also könne man beim FTP-Transport die Anmeldung fortlassen. Michael A. Padlipsky schilderte in RFC 871 vom September 1982, warum andere Entwickler die Hand hoben. Ihre Betriebssysteme nutzten die Login-Befehle auch zur Authentifizierung. Ein Rechner sparte eine Buchung, ein anderer verlor seine Eingangskontrolle. Die beschriebene Lösung ließ die Möglichkeit einer vorgeschriebenen Anmeldung bestehen und bot für eingehende Post ein gemeinsames, kostenloses Konto an. Der saubere Strich auf dem Papier musste einem vorhandenen Schutzmechanismus Platz machen.
Padlipsky nannte diese Rücksicht Fairness oder Equity. Wenn ein Mechanismus auf dem eigenen System selbstverständlich wirkte, auf dem System eines Kollegen aber ernsthafte Störungen verursachte, mussten die Leute mit Implementierungserfahrung sprechen können. Das Netz verband unterschiedliche Betriebssysteme. Ein Diagramm konnte ihre Besonderheiten übermalen; der laufende Code brachte sie zurück, samt Buchhaltung, Rechten und Prozessen.
Der Text entstand, als das ISO-Referenzmodell zur vertrauten Schablone für Vergleiche zwischen Netzarchitekturen geworden war. Padlipsky erklärte, die ARPANET Network Working Group habe schon zuvor einen meist unausgesprochenen Bezugsrahmen verwendet. RFC 871 formulierte ihn aus Entscheidungen heraus, die in Protokollen und Systemen bereits Gestalt angenommen hatten. Es war die Rekonstruktion eines Beteiligten aus dem Jahr 1982, keine Behauptung über ein fertiges offizielles Diagramm am ersten Arbeitstag.
Das erste Ziel war die gemeinsame Nutzung von Ressourcen. Ein Benutzer konnte sich bei einem entfernten Host anmelden; darüber hinaus sollten Programme und Daten auf verschiedenen Rechnern zusammenarbeiten. Dafür brauchte es Kommunikation zwischen laufenden Prozessen. Logische Verbindungen gaben diesen Gesprächen erkennbare Adressen. Eine bekannte Socket-Nummer zeigte, wo ein Dienst zu finden war; freie Nummern ließen Experimente zu. Die Nummer trug eine Bedeutung für den Dienst, jenseits der bloßen Sortierung von Datenströmen.
Die vielen Terminaltypen erzeugten ein Multiplikationsproblem. Müsste jede Sorte Host jede Sorte Terminal direkt verstehen, wüchse der Anpassungsaufwand mit beiden Listen. Das Network Virtual Terminal setzte eine gemeinsame Zwischenform dazwischen. Jeder Host übersetzte zwischen seinen lokalen Eigenheiten und dieser Form. Auch die Dateiübertragung konnte solche Zwischenrepräsentationen nutzen. Statt allen Maschinen sämtliche Dialekte beizubringen, einigten sich die Beteiligten auf eine Sprache am Übergang.
Padlipsky ordnete die Aufgaben in drei breite Gruppen: Netzschnittstelle, Host-Host-Kommunikation und Anwendungen beziehungsweise Prozesse. Innerhalb einer Gruppe konnten mehrere Protokolle arbeiten. Die Trennung sollte Änderungen an einer Implementierung eindämmen, ohne dass alle anderen ihre Interna kennen mussten. Er wandte sich gegen das Lesen jeder Schicht im Referenzbild als Pflichtstation eines jeden Datenpakets. Wer den Nachbarn auf demselben Stockwerk besuchen will, sollte nicht zuerst das Treppenhaus bis ins Erdgeschoss benutzen müssen. Das Bild vom Gebäude kann erklären; es muss dem Prozessor keinen Turnunterricht verordnen.
Zur Effizienz gehörten Rechenzeit, Speicher und vermeidbare Übersetzungen. Zur Fairness gehörte, Protokollprogramme in die tatsächlich vorhandenen Betriebssysteme einzufügen. Padlipsky kritisierte eine aus seiner Sicht zu starre Lesart des ISO-Modells; das war seine Position in einer damaligen Kontroverse. Der Fall der eingehenden E-Mail zeigte den überprüfbaren Kern. Bevor man einen Schritt streicht, fragt man, welche Aufgaben eine andere Maschine damit erfüllt. Das kostenlose Konto verschob die Gebühr und ließ die Anmeldung erhalten, wo sie gebraucht wurde.
RFC 871 hinterließ drei große Funktionsgruppen und eine anspruchsvollere Liste: Ressourcenteilung, Prozesskommunikation, sinnvolle logische Verbindungen, gemeinsame Darstellungen, Effizienz und Fairness zwischen Hosts. Drei Kästen sind schnell gezeichnet. Unterschiedliche Rechner darunter arbeitsfähig zu halten, ist die eigentliche Architekturarbeit.
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