Summary
- Die Veröffentlichung im März 1998 ermöglichte externen Entwicklern Änderungen am Communicator. Die erste Revision mit externen Beiträgen blieb jedoch Quellcode für Entwickler und war kein fertiger Browser.
- Lizenzen, Integration, Produktversionen und institutionelle Trägerschaft änderten sich zu unterschiedlichen Zeiten. Die Mozilla Foundation übernahm 2003 bestimmte Vermögenswerte und eine Förderzusage von AOL; daraus folgt keine finanzielle Unabhängigkeit.
Am 31. März 1998 veröffentlichte Netscape die erste Entwicklerfassung des Communicator-Quellcodes. Zehn Tage später stellte mozilla.org eine von externen Entwicklern geänderte Revision bereit. WIRED beschrieb sie damals ausdrücklich als Quellcode für Entwickler. Der Build konnte scheitern; Funktionen waren unvollständig und Fehler vorhanden. Wer einen Browser zum Herunterladen und sofortigen Einsatz suchte, war noch nicht beim fertigen Produkt angekommen.
Schon in der Ankündigung vom Januar lagen zwei Entscheidungen nebeneinander: Netscape machte das bestehende Communicator-Produkt kostenlos und versprach den Quellcode einer späteren Version. Kostenlose Nutzung und Quellcodeöffnung waren weder dieselbe Ausgabe noch derselbe Schritt. Im April erklärte mozilla.org, Netscape wolle ausgewählte öffentliche Änderungen in die gebrandete Communicator-Ausführungsdatei übernehmen. Diese konnte Komponenten enthalten, die von anderen Unternehmen lizenziert worden waren und nicht im öffentlichen Quellbaum lagen. Quellzugang bedeutete keinen Zugang zum vollständigen Produkt.
Auch die Lizenz ließ Netscape eine Sonderstellung. Die Netscape Public License erlaubte breite Nutzung, Änderung und Weitergabe des erfassten Codes. Ihre Ergänzungen gewährten Netscape zusätzliche Rechte für Produkte unter der eigenen Marke und für weitere Produkte. Markenrechte wurden nicht mitlizenziert; außerdem berücksichtigte die Lizenz Drittkomponenten, die Netscape nicht veröffentlichen konnte. In der FAQ begründete Netscape die Konstruktion mit bestehenden Verträgen und Produktlinien und erklärte zugleich, Änderungen sollten in die gemeinsame Codebasis zurückfließen.
Das ist die Begründung des Unternehmens, keine unabhängige Rechtsbewertung.
Für verstreute Beiträge brauchte das Projekt eine Integrationsstelle. Die archivierte Mission von mozilla.org weist ihr technische Leitung, das Sammeln und Synchronisieren von Änderungen, Quellveröffentlichungen, Foren, Fehlerlisten und Roadmaps zu. Sie hält auch fest, dass die Gruppe nicht der Hauptautor des Codes war. Verteilte Mitarbeit beseitigte die Integrationsarbeit also nicht: Eine Stelle musste entscheiden, was in die nächste gemeinsame Ausgabe kam.
Auch die Rechte mussten weiterentwickelt werden. Ab 2001 begann Mozilla, große Teile des Codes unter eine MPL/GPL/LGPL-Dreifachlizenz zu stellen, unter anderem wegen Kompatibilitätsfragen. Die FAQ zum Relizenzieren sagt, dass dafür Genehmigungen von Mitwirkenden nötig waren; „Mozilla Classic“, der ursprüngliche Communicator-Code von 1998, blieb damals ausdrücklich ausgenommen. Die pauschale Aussage, Mozilla sei vollständig auf einmal relizenziert worden, wäre falsch. Es hing von Dateien, Urhebern und verfügbaren Rechten ab.
Am 5. Juni 2002 erschien Mozilla 1.0 als erste große Version einer Browser-Suite und Entwicklungsplattform. Die offizielle Downloadseite bezeichnete die Binärversionen als Test-Builds und erklärte, dass es keinen Endbenutzer-Support gebe. Das misst nicht die Zahl der tatsächlichen Nutzer, zeigt aber: Die Versionsnummer 1.0 legte weder Zielgruppe noch Supportzusage automatisch fest.
Eine andere Grenze verschob sich am 15. Juli 2003. mozilla.org kündigte eine Stiftung an, die den laufenden Projektbetrieb fortführen sollte. Laut Mitteilung versprach AOL zwei Millionen Dollar über zwei Jahre sowie Ausrüstung, Domains, Marken und weiteres geistiges Eigentum und half beim Übergang wichtiger Beschäftigter. Der spätere Steuerantrag der Stiftung nennt die Mozilla-Marken, die Mozilla Public License, Computer und Website-Rechte als von AOL übertragene Werte. Der rechtliche Träger wechselte; die Unterstützung durch den Sponsor blieb Teil des Starts.
Die praktische Frage lautet für jede Etappe: Was konnten die Beteiligten tatsächlich bauen, ausführen, veröffentlichen und warten? Die Quellfreigabe öffnete die Mitarbeit, schuf aber weder sofort einen unterstützten Verbraucherbrowser noch eine unabhängige Institution für Name und Zukunft des Projekts. Erst durch Jahre der Integration, Lizenzarbeit und Produktentwicklung und schließlich durch die Übertragung institutioneller Trägerschaft wurde Mozilla mehr als der von Netscape veröffentlichte Code. Offenheit bestand aus mehreren funktionierenden Vereinbarungen.
Quellen und Grenzen
Herangezogen wurden die NPL 1.0, die Netscape-Lizenz-FAQ, die Mission von mozilla.org, der zeitgenössische WIRED-Bericht vom 10. April 1998, die Relizenzierungs-FAQ, die Mozilla-1.0-Seite, die Stiftungsmitteilung von 2003 und der Steuerantrag der Stiftung. Die ursprünglichen Netscape-Mitteilungen von Januar und Februar 1998 lassen sich über das Mozilla-Archiv derzeit nicht laden; Mozilla, WIRED und spätere Berichte Beteiligter bestätigen die Daten. Die Quellen belegen Rechte, Veröffentlichungen und erklärte Aufgaben, aber keine Nutzungszahlen oder dauerhafte finanzielle Eigenständigkeit.
Netscapes Ankündigung im Januar, Ankündigung von mozilla.org, NPL 1.0, Netscapes Lizenz-FAQ, Mission von mozilla.org, WIRED-Bericht vom April 1998, Relizenzierungs-FAQ, Mozilla-1.0-Seite, Mozilla-1.0-Mitteilung, Rückblick von Mitchell Baker, historischer Lizenzindex, Stiftungsmitteilung von 2003, Steuerantrag der Stiftung.
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