Zusammenfassung

  • Die frühe Verbindung der University of Namibia war ein E-Mail-Dienst aus lokalem Netz, einem Server, Modem und einem Host in Südafrika. William Wresch erinnerte sich an 20 Computer und zwei Mailübertragungen am Tag.
  • Dieselbe Verbindung erfüllte verschiedene Zwecke: Journalisten tauschten regionale Nachrichten aus, das Radio hatte bereits einen lokalen Rückkanal, und Forschende an der Küste blieben durch Telefonleitungen eingeschränkt.

Eine Verbindung nach Fahrplan

Als William Wresch im September 1993 an die University of Namibia kam, um Informatik zu unterrichten, gab es dort bereits ein lokales Netz. Eberhard Lisse hatte es aufgebaut; für die Verbindung zu einem Host in Pretoria fehlte jedoch noch ein Modem. Wreschs Bericht zufolge brachte er eines mit. Innerhalb weniger Wochen tauschte der Campus zweimal täglich E-Mail über eine Einwahlverbindung mit Zwischenspeicherung und Weiterleitung aus. Der Server bewegte die Nachrichten um 6 Uhr morgens und 18 Uhr. Das war eine nützliche internationale Kommunikationsmöglichkeit, aber kein dauerhafter Zugang für alle Menschen im Land.

Die Beschränkung zeigte sich schon innerhalb der Universität. Wresch zählte 20 PCs, die an einem Server hingen. Erst musste man ein Konto anlegen und dann zum Computerraum gehen. Häufig belegten Informatikkurse das Labor; andere Lehrkräfte nutzten einen Rechner, wenn gerade einer frei war. Die scheinbare Reichweite des Internets hing von einem Raum, einem gemeinsam genutzten Gerät, dem Stundenplan und den Mitarbeitenden ab, die das Gateway am Laufen hielten.

In den folgenden Monaten verlegte die Universität Kabel zu den Büros der Lehrkräfte und bereitete einen Modempool für Einwahlverbindungen außerhalb des Campus vor. Das waren laut Wresch laufende Vorhaben, kein Nachweis dafür, dass jedes Büro oder jeder Haushalt angeschlossen war. Ein Lehrplan vom Juni 1994 beschreibt den Dienst zeitnah: Studierende erreichten das Internet über die Informatikabteilung der UNAM und ein Gateway in Südafrika. Der Kurs behandelte E-Mail, Dateiübertragung, Gopher, Veronica, Archie und Mosaic. Er warnte auch, dass Geräte, Fachkenntnis und ungleicher Zugang darüber entscheiden würden, wer davon profitierte.

Dieselbe Verbindung, andere Bedürfnisse

An der Universität half E-Mail einigen Lehrkräften, nach Jahren beruflicher Isolation wieder Kolleginnen, Kollegen und Familienangehörige im Ausland zu erreichen. Studierende begannen in Informatikkursen. Wresch zufolge blieben die ersten Austausche mit US-amerikanischen Hochschulen bei Begrüßungen stehen, bis sie sich mit konkreten Fragen zu Hochschulnetzen befassten. Eine Leitung konnte Nachrichten über den Ozean transportieren; sie konnte weder eine nützliche Frage liefern noch selbst einen lokalen Anwendungsgrund schaffen.

Außerhalb des Campus gehörten Zeitungsjournalisten zu den frühen Nutzern. Wresch beschreibt, wie David Lush und das Media Institute for Southern Africa MISAnet aufbauten, zunächst eine E-Mail-Kontaktliste für Journalisten in Nachbarländern. Sie wollten Nachrichten direkt in der Region austauschen, statt internationalen Agenturen zu überlassen, welche afrikanischen Geschichten weiterverbreitet würden. Wresch zufolge bot das Radio bereits einen günstigen lokalen Weg für Beschwerden aus der Bevölkerung und Antworten der Regierung; deshalb hatte es weniger Anlass, die Universitätsleitung zu nutzen.

Fernsehmacher nutzten sie ebenfalls nicht, allerdings aus anderen Gründen, die mit importierter Unterhaltung und Regierungsmitteilungen zusammenhingen. Das sind Wreschs Beobachtungen, keine Erhebung in allen Redaktionen.

Die Forschenden an der Küste machen deutlich, warum nationale Verfügbarkeit als Beschreibung nicht genügte. Sie hatten das technische Wissen, doch der Datentransfer nach Windhoek lief über das heimische Telefonnetz. Wresch berichtete, dass kleine Dateien mit 9.600 Bit pro Sekunde hinreichend zuverlässig ankamen; bei höheren Geschwindigkeiten wurden Daten beschädigt, und lange Telefonate brachen oft vor Abschluss großer Übertragungen ab. Einige Forschende speicherten ihre Daten auf Disketten und nahmen sie im Flugzeug mit. Das Campus-Gateway reparierte nicht die lokale Leitung zwischen Nutzern und Windhoek.

Die Archive zeigen verschiedene Meilensteine. In einer NSRC-Kopie ist eine Nachricht von 1990 erhalten, nach der Lisse über die Systeme von Rhodes E-Mail austauschte. Eine Knotenliste von 1993 bezeichnet einen namibischen UUCP-Standort als „off UNINET-ZA“. Beides belegt keinen allgemeinen Internetzugang. Der Lehrplan von 1994 beschreibt das Gateway der UNAM als Internetzugang; erst im September 1995 zeigen archivierte Traceroutes einen erreichbaren namibischen Host über UNINET-ZA. Diese Daten lassen sich nicht zu einem einzigen Zeitpunkt zusammenziehen, an dem ganz Namibia „online ging“.

Wreschs Bericht ist dort am stärksten, wo er den Raum, den Zeitplan und die Institutionen beschreibt, die er selbst erlebte. Als Rückblick kann er keine landesweite Nutzerzahl belegen. Vorsichtig gelesen zeigt er, dass der Wert einer gemeinsam genutzten internationalen Verbindung von lokalen Geräten, Telefonwegen, Arbeitsweisen und Informationsbedarf abhing. Namibia hatte einen Internetanschluss; was er ermöglichte, unterschied sich von Institution zu Institution und von Nutzer zu Nutzer.

Quellen

Heng Lus Note 64 ist ein redaktioneller Blick auf lokale Entscheidungen in gemeinsam genutzten Systemen, keine historische Quelle zu Namibia: https://heng.lu/minimum-initial-specification-localized-future-decision-voluntary-adoption-internet-coordination-system/