Zusammenfassung
- MFS schloss die Aktientransaktion mit UUNET am 12. August 1996 ab. Internetzugang und -dienste kamen damit unter die Kontrolle eines Unternehmens, das Glasfasernetze in Städten aufbaute.
- Ein im Dezember angekündigter Dienst zeigt, wie sich beide Anlagen verbinden ließen. Weder die Fusionsunterlagen noch die Ankündigung beziffern Einsparungen, Nutzung oder Änderungen beim Routing.
Der teure letzte Abschnitt
UUNET gilt oft als Backbone-Betreiber, doch das Unternehmen bot mehr an. Der SEC-Meldung beigefügte geprüfte Jahresabschluss für 1995 weist 71,5 Millionen Dollar Umsatz mit Internetdiensten und 22,94 Millionen Dollar mit Software aus. Hinzu kamen Webhosting, Sicherheit, Schulungen, Beratung und Netzwerkintegration. Kunden benötigten trotzdem einen lokalen Anschluss, um diese Angebote zu erreichen.
Im Mai 1996 berichtete die Washington Post, Gebühren lokaler Telefongesellschaften hätten etwa 40 Prozent der Kosten von UUNET ausgemacht. Der Bericht erklärte auch, dass UUNET Kapital für den Ausbau der Glasfaser brauchte und MFS’ Stadtnetz als Möglichkeit sah, weniger von bestehenden Ortsleitungen abhängig zu sein. Die 40 Prozent stammen aus zeitgenössischer Berichterstattung; sie sind kein separat geprüfter Kostenposten in der SEC-Meldung. Sie beschreiben das berichtete Problem, nicht die genaue Einsparung, die der Kauf bringen sollte.
MFS brachte eine andere Ebene ein. Das Unternehmen betrieb Glasfasernetze und Internet-Knoten in großen Städten und wollte lokalen Kommunikationsdienst an Unternehmen verkaufen. In der August-Mitteilung hieß es, Glasfasernetze seien in 52 Metropolregionen in Betrieb oder im Aufbau. „Im Aufbau“ bedeutet nicht, dass die Netze dort bereits fertiggestellt waren. Die Ergänzung bestand damit darin, lokalen Zugang mit Internetdiensten zu verbinden, nicht lediglich ein Backbone in ein anderes einzugliedern.
Vertrag, Ankündigung und Abschluss lagen auseinander
Der Fusionsvertrag trägt das Datum 29. April. Am folgenden Tag wurde die Transaktion angekündigt und mit rund zwei Milliarden Dollar bewertet. Der Abschluss erfolgte erst später: MFS Global Internet Services, eine hundertprozentige Tochter, ging am 12. August in UUNET auf. Die UUNET-Aktionäre stimmten am 9. August zu, die MFS-Aktionäre am 10. August der Ausgabe neuer Aktien. Jede UUNET-Stammaktie wurde in einen Anspruch auf 1,777776 MFS-Stammaktien umgewandelt.
Die SEC-Meldung grenzt den Kontrollwechsel ein. Sie beschreibt UUNETs Vermögenswerte als Grundlage für Internetzugang, Anwendungen, Hosting, Software, Sicherheit, Schulungen und Beratung. MFS erklärte, die Vermögenswerte des UUNET-Geschäfts im Wesentlichen wie zuvor nutzen zu wollen. Das ist eine erklärte Absicht und kein Beleg dafür, dass Routen, Kunden oder Betriebsabläufe nach dem Abschluss unverändert blieben.
Ein gemeinsames Angebot, dessen Wirtschaftlichkeit offenblieb
Im Dezember kündigte UUNET einen Geschäftsdienst an, der Kundenverkehr über MFS-Glasfaser zu UUNET und von dort ins Internet führen sollte. Die Washington Post beschrieb ihn als Alternative mit 128 Kilobit pro Sekunde zum ISDN der lokalen Telefongesellschaften. Das ist ein konkretes Beispiel dafür, wie beide Netze als gemeinsamer Zugangsweg angeboten werden konnten. Im selben Bericht hieß es jedoch, MFS habe noch keinen Preis festgelegt. Eine Dienstankündigung beweist weder Kundennutzung noch niedrigere Rechnungen, Zuverlässigkeit oder gemessene Einsparungen.
Die Eigentumsphase von MFS war kurz. WorldCom kündigte später im August die geplante Übernahme von MFS an und schloss sie im Dezember ab. Der schnelle erneute Kontrollwechsel erklärt die Unternehmenslinie, belegt aber nicht, dass sich UUNETs Routing-Identität oder Routen durch eine der beiden Transaktionen änderten.
Heng Lus spätere Notiz 68 zu Netzwerkidentität und Zustellungsanbietern bietet eine nützliche Rückschau: Der Anbieter kann wechseln, während die Netzwerkidentität eine eigene Frage bleibt. Vorsichtig angewandt belegen die Unterlagen von 1996 einen Eigentümerwechsel und einen geplanten Ausbau des lokalen Zustellwegs. Sie zeigen nicht, was mit UUNETs öffentlicher Routing-Identität geschah. Die Notiz ist ein späterer Analysemaßstab, keine historische Quelle zur Transaktion.
Quellen
- MFS Communications, Form 8-K und Anlagen, 12. August 1996
- Kara Swisher, „UUNET Technologies Agrees to Merger with Neb. Firm“, The Washington Post, 30. April 1996
- Kara Swisher, „Anticipating the Internet“, The Washington Post, 5. Mai 1996
- „UUNET’s New Link to the Net“, The Washington Post, 15. Dezember 1996
- US-Justizministerium, historische Darstellung der Übernahme von MFS durch WorldCom
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