Zusammenfassung

  • Am 26. Juni 1997 kündigte National Library of Medicine kostenlose MEDLINE-Recherchen über PubMed und Internet Grateful Med an. Für ältere Zugangswege wurden weiter Gebühren berechnet.
  • Patienten und Angehörige suchten nach Gesundheitsinformationen. NLM erfasste mehr Veröffentlichungen für Laien, stellte Kursunterlagen bereit und griff Vorschläge aus Bibliotheken auf.

Ein medizinisches Suchangebot bekommt eine andere Aufgabe, wenn auch Patienten und Angehörige selbst darin nachlesen. Genau diese Nutzung beschrieb National Library of Medicine (NLM) 1998, im Jahr nach dem Start ihrer kostenlosen Websuche. Als Antwort erweiterte sie die Erfassung von Veröffentlichungen, die sich an Laien richteten. Die neuen Leser wirkten damit bis in die Auswahl der Literatur hinein.

Für jemanden auf der Suche nach Gesundheitsinformationen entfielen bei PubMed die Suchgebühr und die vorherige Benutzeranmeldung. Die nächste Schwierigkeit wartete im Suchfeld: Welche Begriffe führen zur passenden Literatur, und wie kommt man anschließend an den Text? Hier begann die Arbeit der Vermittlung. Das bequeme Angebot brauchte Menschen, die seinen Gebrauch erklären konnten.

Am 26. Juni 1997 hatte NLM die kostenlose MEDLINE-Suche im Web angekündigt. Albert Gore führte PubMed bei einer Pressekonferenz in einem Bürogebäude des US-Senats vor. Auf Seite eins des damaligen Originalbulletins steht neben dem politischen Termin das, was für die nächsten Suchenden zählte: PubMed ließ sich ohne Benutzerkennung durchsuchen.

Internet Grateful Med verlangte zunächst noch Kennung und Passwort, berechnete aber vom 26. Juni an keine Suchgebühren mehr. Eine Fassung ohne Kennung war für Juli vorgesehen. Wer Dokumente über Loansome Doc bestellen wollte, brauchte weiterhin ein Konto. Die einzelnen Arbeitsschritte bekamen unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen.

Auch die Gebühren folgten dem gewählten Weg. NLM erklärte die Gratisrecherche mit Einsparungen bei Telekommunikation und Software. Die Webfassung derselben Mitteilung führte zugleich ältere Verfahren auf, die kostenpflichtig blieben: darunter ELHILL und die Grateful-Med-Versionen für DOS, Macintosh und Windows, selbst bei einer Verbindung über das Internet. Ein Browser konnte also die Rechnung verändern, obwohl der Rechner weiterhin am selben Netz hing.

PubMed bot eine einfache Suche und fortgeschrittene Werkzeuge. Dazu gehörten das medizinische Schlagwortsystem MeSH, boolesche Verknüpfungen und die Beschränkung auf bestimmte Felder. Verweise auf verwandte Artikel halfen beim Weiterrecherchieren. Die ersten Links zu Volltexten bei Verlagen umfassten 24 Zeitschriften, von denen einige ein Abonnement verlangten. Vom gefundenen Nachweis zum vollständigen Text führte ein weiterer, konkret geregelter Schritt.

Was hinter dem Suchfeld arbeitete, beschrieb Sheldon Kotzin, Leiter der bibliografischen Dienste, in seinem Bericht von 1998: Dateneingabe, Vergabe von MeSH-Begriffen und Publikationstypen, Qualitätskontrolle. Aus diesem Bericht stammt auch die Beobachtung zu Patienten und Angehörigen. Im vorangegangenen Jahr waren 512.000 Literaturnachweise hinzugekommen. Mehr Literatur für Laien zu erfassen, gab dieser laufenden Arbeit eine zusätzliche Richtung.

Sie wurde genutzt. Kotzin nannte 320.000 tägliche Suchvorgänge von 46.000 unterschiedlichen IP-Adressen an jedem Werktag. Gleichzeitig benötigten neue wie erfahrene Suchende Schulung. NLM stellte Kursunterlagen ins Web und erlaubte ihre Verwendung und Bearbeitung. Bibliotheken konnten das Material damit an die Menschen anpassen, die bei ihnen Rat suchten.

Diese Erfahrung kam auch zurück zur Zentrale. Am 16. April 1998 besprachen Bibliotheksfachleute mit NLM Suchfunktionen und Telekommunikationsprobleme. Kotzin führte bereits umgesetzte Anregungen an: Bei der MeSH-Erweiterung wurden zugehörige Unterbegriffe angezeigt; bei abgeschnittenen Suchwörtern stieg die Zahl berücksichtigter Varianten von 100 auf 150, ergänzt um einen Hinweis bei Überschreitung. Solche Änderungen waren klein genug, um einer Festrede zu entgehen, und konkret genug, um eine Recherche zu erleichtern.

Für die alten Programme wurde der Platz kleiner. Im April 1998 beendete NLM nach zwölf Jahren den Vertrieb von Grateful Med für DOS, Macintosh und Windows. Drei Versionen mit neuen Vokabularen und Funktionen aktuell zu halten, war nach ihrer Darstellung unmöglich geworden. Zuletzt wurden von jeder Version weniger als fünf neue Disketten pro Monat verkauft. Die Wartung hatte den Absatz deutlich überlebt.

Auch ein Pauschaltarifprogramm für Verbände lief aus. Laut Kotzin war dessen Nutzerschaft überwiegend zum Web gewechselt. Während alte Vertriebsprodukte verschwanden, fanden Patienten und Angehörige einen kostenlosen Weg in die Literatur. Ihre Nachfrage veränderte den Bestand; die Rückmeldungen aus Bibliotheken verbesserten die Suche. Hinter den bequemen Treffern stand weiterhin ein sorgfältig gepflegter Katalog, samt Menschen, die seinen Gebrauch vermittelten.