Zusammenfassung
- Laut der späteren Darstellung von Software Tool & Die begann The World als Einwahldienst für E-Mail und Usenet, der Daten regelmäßig über UUCP austauschte. Der Zugang zum weiteren Internet entstand schrittweise.
- Das Unternehmen datiert den öffentlichen Internetzugang auf Oktober 1989; Gründer Barry Shein nennt November. Spätere Belege stützen ein vermitteltes Zugangsmodell für Privatkunden, klären aber nicht unabhängig, ob The World weltweit der „erste ISP“ war.
Die Datei nahm einen Umweg
Ein Kunde wollte eine Datei aus dem weiteren Internet. Nach der Darstellung von Software Tool & Die wählte ein Mitarbeiter sich in ein anderes Konto ein, holte die Datei und legte sie anschließend an einem für The-World-Kunden erreichbaren Ort ab. Dieser manuelle Umweg macht sichtbar, was der Begriff „Internetzugang“ verdecken kann: Der Kunde hatte ein Konto bei einem Dienst, der mit anderen Systemen verbunden war; der eigene Rechner war damit noch nicht zwingend ein allgemeiner Internetendpunkt.
Das Unternehmen berichtet, dass es im März 1989 als Softwareberatung gegründet wurde. Im Sommer kaufte es einen Sun4/280-Server, sechs Modems mit 2400 bit/s und Telefonleitungen und verband sich anschließend mit benachbarten UUCP-Systemen. The World bot zunächst E-Mail und Usenet. Die Rechner tauschten ein paar Mal pro Stunde Daten aus, statt eine dauerhafte IP-Verbindung zu halten. Das ist eine spätere Erinnerung des Unternehmens, beschreibt aber ein konkretes Betriebsmodell und überträgt nicht die Nutzung des späteren Webs auf 1989.
Auch der Preis prägte den Zugang. Die Gründer erinnern sich an einige Dutzend Kunden, die etwa 20 US-Dollar pro Monat zahlten; je nach Tageszeit galten unterschiedliche Tarife. Nach Unternehmensangaben riefen manche Kunden aus dem Ausland an und zahlten zusätzlich internationale Telefongebühren. Der Preis verschaffte ihnen ein lokales Konto und nützliche Netzdienste. Er sagte für sich genommen nicht, welche entfernten Rechner oder Protokolle erreichbar waren.
Eine Upstream-Route hob die Regeln nicht auf
Die Geschichte von The World berichtet, UUNET habe Geräte im Brookliner Büro von Software Tool & Die aufstellen wollen, um Kunden im Großraum Boston zu versorgen. Die Unternehmen hätten eine direkte Internetverbindung vereinbart, die The World weiterverkaufen konnte. Die Firmenwebseite nennt Oktober 1989 als Beginn des öffentlichen Internetangebots; Barry Sheins persönliche Seite nennt November. Beide Angaben stammen aus späteren Erinnerungen. Ein datierter Leitungsnachweis, Kundenbestand oder eine Startmeldung, die den Monat klärt, wird nicht vorgelegt.
Die Unternehmensgeschichte schildert außerdem einen Streit über den Verkehr. Demnach begrenzte NSFNET zunächst die Reichweite des Dienstes; später habe die National Science Foundation dem Transport von Verkehr zugestimmt, der ihre Richtlinie zur akzeptablen Nutzung einhielt. Die Seite gibt eine an Shein gerichtete Nachricht wieder, die Software Tool & Die als Mehrwert-Wiederverkäufer bezeichnet und dem Unternehmen die Aufgabe zuweist, Kunden über die Regeln zu informieren und Verstöße zu behandeln. Namen und Kopfzeilen fehlen, ebenso ein sichtbares Datum.
Die Wiedergabe zeigt, wie der Betreiber den Vorgang heute erzählt; sie authentifiziert keine Genehmigung aus dem Jahr 1989 unabhängig.
RFC 1192 vom November 1990 liefert den zeitgenössischen Rahmen. Der Bericht führt UUNET und PSI als kommerzielle TCP/IP-Anbieter auf, die bereits Internetdienste vermarkteten. Zugleich blieb der Verkehr über das NSFNET-Backbone grundsätzlich an den von der NSF festgelegten Zweck gebunden. Die von 1988 bis Mitte 1990 geltende Entwurfsrichtlinie unterstützte wissenschaftliche Forschung und akademische Aktivitäten; die Übergangsrichtlinie vom Juni 1990 beschrieb den Zweck als Förderung von Forschung und Lehre zwischen US-amerikanischen Hochschulen.
Das war eine Regel für das subventionierte Backbone und kein pauschales Verbot jedes kommerziellen Dienstes oder Netzwerks.
RFC 1359 aus dem Jahr 1992 stellt ausdrücklich klar, dass die NSFNET-Richtlinie nur für das Backbone galt, während angeschlossene Netze ihre eigenen Regeln festlegen konnten. Eine Internetroute konnte damit eine politische Grenze überschreiten, ohne dass Einzelanbieter, ihre Kunden und das subventionierte Backbone zu einem Akteur wurden. Route, Dienstvertrag und zulässiger Backbone-Verkehr waren verschiedene Ebenen.
Was heißt hier „der erste“?
Eine MIT-Studie von 1995 zum privaten Internetzugang nennt The World als einen der frühen und meistgenutzten kommerziellen Proxy-Dienste im Raum Boston. Sie unterscheidet den Zugriff über einen entfernten Internet-Host vom vollständigen beziehungsweise clientseitigen Zugang, bei dem der Heimcomputer selbst IP-Pakete sendet und empfängt. Eine Telefon-Einwahl beweist für sich genommen nicht, dass der Heimcomputer IP-Pakete austauschte. Die spätere Einordnung spricht für eine vorsichtige Chronologie, belegt aber nicht die genaue technische Konfiguration von 1989.
Am besten belegt ist daher eine engere Aussage als das bekannte Schlagwort: The World war ein früher kostenpflichtiger Einwahlzugang für gewöhnliche Kunden zu Internetdiensten. Zugleich erprobte der kleine Anbieter, wie sich Kunden an ein Netz anschließen ließen, dessen Backbone eigenen Nutzungsregeln unterlag. Die vorhandenen Quellen beweisen nicht, dass es weltweit der erste öffentliche Dienst war; zudem unterscheiden sich die Datierungen des Unternehmens und seines Gründers um einen Monat.
Der Fall trennt drei Dinge, die spätere Darstellungen oft zusammenziehen: den Login eines Kunden, die Upstream-Route des Anbieters und die Erlaubnis, bestimmten Verkehr über ein öffentlich mitfinanziertes Backbone zu leiten. Diese Ebenen konnten zusammenkommen, wurden aber nicht allein dadurch identisch, dass ein Modem antwortete.
Quellen
- The World, „History of the World — Our Version“ — Rückblick des Unternehmens und wiedergegebene NSF-Nachricht.
- Barry Sheins persönliche Seite — der Gründer nennt November 1989.
- Sharon Eisner Gillett, Connecting Homes to the Internet: An Engineering Cost Model of Cable vs. ISDN (MIT, 1995) — Unterschied zwischen Proxy- und vollständigem IP-Zugang.
- RFC 1192, Commercialization of the Internet summary report (November 1990) — zeitgenössischer Kontext zu Kommerzialisierung und Nutzungsregeln.
- RFC 1359, Connecting to the Internet (August 1992) — spätere Erläuterung der backbone-spezifischen Regel.
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