Zusammenfassung

  • Journey North ließ Schulen dieselbe Tulpensorte nach gemeinsamen Vorgaben pflanzen. So konnten sie die jahreszeitliche Entwicklung an verschiedenen Orten vergleichen.
  • Eine Tabelle vom Februar 1999 brachte lokale Beobachtungen mit Datum und Ort ins Web. Dafür mussten die Beteiligten ihre Gärten vorbereiten, wieder aufsuchen und die Veränderungen melden.

Eine Mauer konnte den Frühling beschleunigen. Jedenfalls im kleinen Maßstab eines Schulbeets: Der Boden am Gebäude erwärmte sich früher, die Tulpen konnten entsprechend eher erscheinen. Wer solche Meldungen aus verschiedenen Orten vergleichen wollte, musste deshalb schon beim Pflanzen aufpassen. Der Frühling sollte schließlich eine ganze Gegend vertreten, nicht die Heizwirkung der Schulwand.

Die heute offiziell wiedergegebene Pflanzanleitung von 1998 zog klare Grenzen. Journey North verlangte Abstand zu Gebäudefundamenten, dichtem Schatten und steilen Hängen. Der Zwiebelboden sollte genau sieben Zoll unter der Erde liegen, die Zwiebeln vier Zoll auseinander. Auch die Sorte war gemeinsam festgelegt: Red Emperor.

Das war Vorarbeit für eine vergleichbare Beobachtung. Unterschiedliche Sorten und Pflanztiefen konnten andere Termine hervorbringen. Je ähnlicher die Ausgangsbedingungen, desto sinnvoller ließ sich darüber sprechen, warum sich an einem Ort schon etwas zeigte und an einem anderen noch nichts.

Zur Vorbereitung gehörte außerdem Draht. Die Anleitung empfahl, frisch gepflanzte Zwiebeln gegen Eichhörnchen zu schützen, etwa mit Maschendraht, den zurechtgebogene Stücke eines Drahtkleiderbügels festhielten. Für das Projekt war die Zwiebel ein künftiger Messpunkt. Für einen Besucher mit buschigem Schwanz lag dort eine Mahlzeit. Gemeinsame Interessen waren nicht zu erwarten.

Die Einladung im Herbst 1998 forderte Schulen auf, Gärten anzulegen und im folgenden Frühjahr dessen Verlauf durch Nordamerika zu verfolgen. Die Seite führte zur Meldung von Beobachtungen und zu Unterrichtsmaterial. Auf die Arbeit draußen wartete bereits ein gemeinsamer Ort im Web.

Am 12. Februar 1999 veröffentlichte das Projekt eine Tabelle der ersten 28 Gärten mit gemeldetem Austrieb. Für Orlando in Florida stand dort der 12. Januar, für Delta in British Columbia der 1. Februar, für Newport-on-Tay im Vereinigten Königreich der 8. Februar. Die Liste reichte also auch über den Atlantik.

Datum, Ort, Bundesstaat oder Provinz, Koordinaten und Kontaktadresse machten aus dem grünen Zipfel im Beet eine lesbare Meldung. Eine Klasse konnte ihren eigenen Garten beobachten und anschließend nachsehen, was anderswo bereits passiert war. Die Übertragung ging schnell. Die Tulpen behielten ihr eigenes Tempo.

Wie daraus eine Frage entstand, beschreibt Elizabeth Donnelly auf den Seiten 347–348 der 1999 erschienenen Beiträge einer Konferenz von 1997. Im Jahr 1997 wurden Monarchfalter an der US-Ostküste fünf bis sechs Wochen früher beobachtet als auf vergleichbaren Breitengraden im Mittleren Westen. Eine dritte Grundschulklasse erkannte ein entsprechendes regionales Muster in den Tulpengärten und dachte über die Abhängigkeit der Falter von Seidenpflanzen nach.

Donnelly nennt mehrere hundert Gärten in den USA und Kanada sowie Wetterinformationen aus dem Web, die sich mit den Feldbeobachtungen verbinden ließen. Die Schulen lieferten Daten, mit denen sie anschließend selbst weiterarbeiten konnten. Das eigene Beet bekam eine größere Nachbarschaft.

Im nächsten Jahr wurde wieder gepflanzt. Für die offiziellen Meldungen verlangte die Anleitung frische Zwiebeln, weil im zweiten Wachstumsjahr zu viele zusätzliche Einflüsse auftraten. Die alten durften anderen Versuchen dienen. Der gemeinsame Vergleich hatte damit einen wiederkehrenden Material- und Arbeitsbedarf.

Diese frühe Form der Zusammenarbeit hinterließ wenig Spektakuläres auf dem Bildschirm: eine Reihe von Orten und Tagen. Draußen steckten darin eingekaufte Zwiebeln, abgemessene Löcher, geschützte Beete und Menschen, die immer wieder nachsahen. Das Netz gab ihrer Aufmerksamkeit einen Ort, an dem andere etwas mit ihr anfangen konnten.