Summary

  • Europäische Verwaltungen schlagen vor, ITU-Resolution 182 um Lebenszyklusdaten zu Strom, Wasser, Rohstoffen, Biodiversität und Elektroschrott zu erweitern.
  • Die ITU soll gemeinsame Methoden und jährliche Berichte liefern; Staaten werden eingeladen, die Kennzahlen in Telekommunikationspolitik, Regulierung und Vergaberegeln aufzunehmen.

Die Cloud schwebt nur im Marketing. Der europäische Zusatz 34 zu Beitrag 75 holt sie an den Stromzähler und an die Wasserleitung. Die ITU stellte den Entwurf am 23. Oktober online. Er will Resolution 182 zu Telekommunikation und Klima ändern und nennt neben Treibhausgasen den Stromverbrauch, den Abbau von Rohstoffen, Flächen und Wasser, die Artenvielfalt und Elektroschrott. Auch der Rebound-Effekt steht darin: Effizientere Technik kann insgesamt mehr Verbrauch begleiten.

Die geltende Fassung von 2022 sprach bereits über Energie, Materialien und Entsorgung. Jetzt soll eine wissenschaftlich begründete Lebenszyklusanalyse mehr Ordnung in die Zahlen bringen. Von der Herstellung bis zum Ende der Nutzung wären CO₂, Wasserfußabdruck, Rohstoffe, Giftigkeit und Folgen für die Artenvielfalt zu erfassen. Nach Darstellung des Entwurfs fehlen in den meisten Ländern ausreichende Daten zu Energie und Emissionen des Sektors; seine Klimabilanz beruht deshalb stark auf Schätzungen.

Das ist mehr als eine akademische Fußnote. Wenn ein digitaler Dienst Einsparungen in einer anderen Branche reklamiert, will der Entwurf vereinbarte Methoden und Vergleichswerte. Die direkten Emissionen und jene des gesamten Lebenszyklus sollen dazugehören. Eine hübsche Einsparung beim Kunden rechnet den Server im Hintergrund nicht weg. Der Generalsekretär soll zudem dem ITU-Rat jedes Jahr anhand standardisierter Leistungsindikatoren berichten. So wird aus einer einmaligen Behauptung eine wiederkehrende Rechenschaftsfrage.

KI bekommt einen eigenen Absatz. Der Ausbau der dafür genutzten Rechenzentren erhöhe Energieverbrauch und Emissionen erheblich, sagt die Vorlage; zugleich könne KI bei Klimaschutz und Anpassung helfen. Die ITU-Sektoren sollen unter anderem die Effizienz von Geräten, Netzen und Rechenzentren verbessern und ihre Energie-, Kohlenstoff- und Abfallbilanz messen.

Politisch brisant wird es bei der Einladung an die Mitgliedstaaten: Umweltkennzahlen, Klimaresilienz und Nachhaltigkeitskriterien sollen in nationale Telekommunikationsstrategien, Regulierung und Vergaberegeln eingehen, gestützt auf eine harmonisierte ITU-Methode für nationale Berichte. Die Organisation würde das Maßband entwerfen. Ob es über einen Auftrag entscheidet, legen die Staaten fest. Zunächst muss die Konferenz im November über den Vorschlag beraten.

Sources