Zusammenfassung

  • RFC 1365 schlug eine Klasse F vor: Quelle und Ziel blieben an den festen Stellen des IP-Headers, ein weiterer Adressteil lag in den Optionen.
  • Der Text benannte die Sollbruchstelle selbst. Ein Host ohne Unterstützung für Klasse F würde das Datagramm ignorieren; mit bestehenden Hosts wäre keine Kommunikation möglich.

Der Entwurf sah wie ein geschickter Umbau bei laufendem Betrieb aus. Wenn die bisherige Adresse zu kurz wurde, sollte ein Teil in die schon vorhandenen Header-Optionen wandern. Karanjit Siyan veröffentlichte diese Idee im September 1992, als die Zahl verfügbarer Netznummern unter dem Klassensystem zum Thema wurde. Das RFC war informativ und bat um Diskussion. Es dokumentierte keinen Rollout.

Auch die vermeintliche Reserve hatte einen festen Rand. Das vier Bit breite Feld für die Headerlänge erlaubte höchstens fünfzehn Wörter zu je vier Oktetten. Der minimale Header belegte fünf Wörter. Von den verbleibenden zehn wollte Siyan sechs für gewöhnliche Optionen und vier für die neue Adressoption vorsehen. Er verteilte einen knappen Platz neu, statt eine unbegrenzte Erweiterung zu schaffen.

In den festen Quell- und Zielfeldern sollte das Präfix 111110 die Klasse F markieren. Ein Offset gab in Wörtern an, wo der zweite Adressteil in den Optionen lag. Der Empfänger hätte ihn direkt finden können, ohne alle Optionen abzusuchen. Dieser zweite Teil folgte einer Typ-Länge-Wert-Struktur. Das Dokument erläuterte Varianten F-4 und F-8 und wollte die bisher reservierte Klasse E auf das Präfix 11110 eingrenzen.

Die entscheidende Änderung saß im Empfänger. Er musste das neue Präfix erkennen, dem Offset folgen und die Teile als eine Adresse behandeln. Im Abschnitt über Interoperabilität steht, dass ein Host ohne diese Fähigkeit das Datagramm ignoriert. Siyan skizzierte sogar den nötigen Empfangscode. Sein Kostenvergleich war eng gefasst: weniger Änderungen als bei einem völlig anderen IP-Header oder Protokoll. Ein unveränderter Host erhielt dadurch keine neue Fähigkeit.

Noch eine Falle steckt im Buchstaben F. Das ebenfalls 1992 erschienene RFC 1375 gebrauchte ihn für kleine Netzklassen. RFC 1365 behandelte dagegen die Verlängerung einer Adresse über die Optionen. Wer beide Entwürfe nur wegen ihres Namens zusammenzieht, übersieht die jeweilige technische Rechnung.

Die Originalquelle belegt den Aufbau und den ausdrücklich eingeräumten Bruch am Empfänger. Sie nennt keine Zahl späterer Implementierungen. Der interessante Befund ist bereits vollständig: Die alte Verpackung konnte bleiben, während die alte Leseregel am Ziel die Sendung verwarf.