Zusammenfassung

  • Die Kundenaufträge stiegen im ersten Halbjahr von 11,7 auf 34,2 MWh, während der Umsatz 1,097 Mio. £ und der getrennt ausgewiesene Projektertrag aus Fördermitteln 0,600 Mio. £ betrugen.
  • Entscheidend ist nicht die Größe der kommerziellen Pipeline, sondern ob fertige Systeme rechtzeitig angeschlossen, abgenommen, fakturiert und bezahlt werden und dabei eine tragfähige Marge erzielen.

Der Auftragsbestand ist noch kein Geldbestand

Megawattstunden und Pfund beantworten verschiedene Fragen. 34,2 MWh zeigen, wie viel Kapazität Kunden im Halbjahr bestellten. Der Umsatz zeigt, welche Waren und Leistungen die Bedingungen für die Erfassung bereits erfüllten. Dazwischen finanziert Invinity Material, Fertigungsarbeit und Projektabwicklung.

Von den 1,097 Mio. £ Umsatz entfielen 0,131 Mio. £ auf Batteriesysteme, 0,461 Mio. £ auf Integrationshardware, 0,330 Mio. £ auf Logistik, 0,115 Mio. £ auf Integration und Inbetriebnahme sowie 0,060 Mio. £ auf sonstige Dienstleistungen. Weitere 0,600 Mio. £ waren Projekterträge aus Fördermitteln, nicht Kundenumsatz. Die häufig genannte Summe von rund 1,7 Mio. £ darf deshalb nicht als reiner Verkaufserlös gelesen werden.

Zu den H1-Aufträgen gehörten 32 MWh für ein US-Stahlwerk und 2 MWh für einen US-Gewerbekunden. Beide Ankündigungen nannten spätere Lieferungen. Sie schaffen Sichtbarkeit, belegen aber keinen Umsatz oder Zahlungseingang bis Juni.

Copwood zeigt die Lücke nach der Lieferung

Im Mai beendete Invinity die Lieferung des 20,7-MWh-Systems für den Copwood VFB Energy Hub in East Sussex. Für den industriellen Reifegrad ist das bedeutsam. Im Septemberbericht hieß es dennoch, der Netzanschluss werde in Kürze erwartet; erst danach sollten die vollständige Inbetriebnahme und die erste Umsatzgenerierung möglich sein.

Das Projekt war also geliefert, aber noch nicht als angeschlossen, vollständig in Betrieb oder umsatzwirksam beschrieben. Netzbetreiber, Baupartner und Kunde bestimmen Teile des verbleibenden Zeitplans. Eine Anlage kann physisch am Ort stehen und trotzdem weiter Kapital binden.

Genau das macht die Bilanz sichtbar. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Forderungen lagen bei 2,507 Mio. £. Vorräte einschließlich vorausbezahlter Vorräte stiegen von rund 4,0 Mio. £ zum Jahresende auf 14,2 Mio. £. Das Management erwartet eine Umwandlung durch Lieferungen und Zahlungen in den folgenden sechs Monaten. Die Erwartung wird erst durch freigesetztes Working Capital bestätigt.

Kostensenkung und Konzernmarge sind noch nicht dasselbe

Der Bruttoverlust sank von 1,897 Mio. £ auf 0,727 Mio. £. Niedrigere Produkt- und Garantiekosten sowie eine bessere Auslastung der Fabrikgemeinkosten trugen dazu bei. Die Produktmarge wurde mit positiven 1,8 % angegeben.

Trotzdem blieb die Bruttomarge des Konzerns negativ. Das bereinigte EBITDA betrug minus 10,609 Mio. £, der Periodenverlust 12,054 Mio. £. Forschung für Endurium soll spätere Kosten senken, erhöht aber zunächst den Finanzierungsbedarf.

Operativ flossen netto 12,872 Mio. £ ab, weitere 5,045 Mio. £ für Investitionen. Der Kassenbestand sank von 28,789 Mio. £ Ende 2025 auf 10,510 Mio. £. Damit wird die Geschwindigkeit der Inbetriebnahmen und Forderungseingänge zu einem Teil der Unternehmensfinanzierung.

Invinity zielt auf mindestens 66 % niedrigere Kosten für 2027 gelieferte Endurium-Produkte gegenüber der Vorgängergeneration. Mehr als fünfzig Arbeitspakete sollen dazu beitragen. Das ist eine überprüfbare Zukunftsgröße, nicht die bereits vollständig realisierte Kostenbasis des ersten Halbjahres.

Drei Größen, drei Verbindlichkeitsstufen

Der nach dem Stichtag bekannt gegebene Dairyland-Auftrag über 43 MWh ist ein verbindlicher Auftrag. Er erhöhte die 2026 gesicherten Kundenaufträge auf 77,2 MWh. Die Auslieferung soll Ende 2027 aus einem geplanten US-Werk beginnen. Damit liegt der Auftrag außerhalb der H1-Rechnung und hängt zugleich von neuer Fertigungskapazität ab.

Die 1,5 GWh von FlexBase sind ein Designauftrag. Invinity erbringt 2026 und 2027 Ingenieurleistungen für das Technologiezentrum Laufenburg und kann bei Meilensteinen Ingenieurumsatz erzielen. Equans Switzerland arbeitet an Mechanik, Elektrik und Rohrleitungen der Planungsphase. Erst nach erfolgreichem Design wird eine Bestellung der Batterien erwartet. 1,5 GWh sind daher kein heutiger Batterieauftrag.

Die kommerzielle Pipeline von mehr als 12,5 GWh liegt nochmals früher. Sie umfasst Interesse aus Erneuerbaren- und Rechenzentrumsprojekten in Nordamerika und Europa. Rund 0,8 GWh befinden sich in Rahmen- oder Liefervereinbarungen auf dem Weg zu festen Bestellungen. Beide Zahlen helfen bei der Planung, dürfen aber weder als Umsatz noch als fester Auftragsbestand gerechnet werden.

Die Fortführungsannahme hat Bedingungen

Die Planung des Vorstands sieht bis zum 30. Juni 2027 einen positiven Kassenbestand ohne zusätzliche Kapitalaufnahme vor. Sie beruht auf Pipeline-Einnahmen, Lieferkosten und der Möglichkeit, Investitionen oder Betriebsausgaben zu verschieben oder zu kürzen. Im Negativszenario wurden nicht unterzeichnete Geschäfte ausgeschlossen und Kostenmaßnahmen angesetzt. Für die Zeit danach und für weiteres Wachstum stellt das Unternehmen zusätzlichen Finanzierungsbedarf in Aussicht.

Diese Aussagen sind weder Krisenprognose noch Garantie. Sie benennen die Stellschrauben. Invinity kann Projekte priorisieren, Zahlungspläne aushandeln und Ausgaben steuern. Netzanschluss und Kundenabnahme kann das Unternehmen nicht einseitig terminieren.

Quellen