Zusammenfassung

  • Eine Präsentation der LACNIC 46 weist 9,39 Prozent der Organisationen mit Legacy-Ressourcen als kontaktiert aus. Ihnen sind 24,67 Prozent der alten IPv4-Ressourcen zugeordnet; absolute Zahlen und ein genauer Stichtag fehlen.
  • Bis zum 16. Dezember sollen betroffene Organisationen Kontakt aufnehmen. Nach Prüfung des Nutzungsrechts stehen kostenlose WHOIS-Kontaktpflege, ab 2027 kostenpflichtige Verwaltungsdienste oder eine Mitgliedschaft zur Wahl; die dritte Option beendet den Legacy-Status.

Zwei Balken, zwei sehr verschiedene Fortschrittsmeldungen: In der Präsentation von LACNIC auf seiner 46. Tagung sind 9,39 Prozent der Legacy-Organisationen als kontaktiert markiert. Auf diese Gruppe entfallen 24,67 Prozent der alten IPv4-Ressourcen. Wer nur den Adressraum betrachtet, sieht fast ein Viertel. Wer die einzelnen Organisationen zählt, sieht einen Anfang.

Auf der Gegenseite stehen laut Folie 90,6 Prozent der Organisationen und 75,3 Prozent der IPv4-Ressourcen ohne Kontakt. Der erste Balken zählt juristische Gegenüber, der zweite ordnet Adressen nach dem Kontaktstatus ihrer Halter. Aus „kontaktiert“ wird weder „hat geantwortet“ noch „hat sein Nutzungsrecht belegt“. Die Präsentation nennt keine Grundgesamtheiten, keinen exakten Messzeitpunkt und keine Reihenfolge der Kontaktaufnahme. Eine datierte Tabelle mit Rohzahlen würde zeigen, ob der zunächst erreichte Adressraum vor allem bei großen Haltern liegt und wie schnell die übrigen Organisationen nachziehen.

Die offizielle Aufforderung erschien am 16. Juni. Sie setzt sechs Monate bis zum 16. Dezember: Inhaber oder Nutzer alter IPv4-Ressourcen sollen sich beim Register melden, ihre Blöcke benennen und angeforderte Unterlagen vorlegen. LACNIC untersucht den jeweiligen Fall. Ein großer Block kann eine Adressstatistik nach oben ziehen. Er erledigt keinen einzigen Vorgang für einen anderen Halter, dessen Kontaktdaten womöglich alt sind.

Wer die Frist versäumt oder nach Prüfung sein Nutzungsrecht nicht rechtfertigt, verliert nach der veröffentlichten Aufforderung die Registrierungsdienste von LACNIC. Die Tagungsfolien nennen dazu keine Zahl eingegangener Antworten, abgeschlossener Prüfungen oder tatsächlich eingestellter Dienste. Zwischen Anschreiben, Antwort, Beweiswürdigung und Dienstentscheidung liegen eigenständige Schritte. Ohne diese Trennung lässt sich die Tragweite der Frist schlecht kontrollieren.

Nach erfolgreicher Prüfung kommt eine weitere Wahl hinzu. Nur die WHOIS-Kontaktdaten pflegen: keine Jahresgebühr. Zusätzliche Ressourcenverwaltung nutzen: Jahresgebühr. Vollwertiges Mitglied werden: ebenfalls eine Gebühr, dazu Mitgliedschaftsrechte. Bei den ersten beiden Wegen bleiben die IPv4-Ressourcen Legacy-Bestände; mit der Mitgliedschaft verlieren sie diesen Status. Zu den zusätzlichen Werkzeugen gehören RPKI, Reverse DNS, Geofeeds, IRR und Unterzuweisungen. Ein genauer Registereintrag und der Zugang zu operativen Werkzeugen sind verschiedene Leistungen.

Für die kostenpflichtige Verwaltung nennt LACNIC ab 2027 zwei Beträge. Bei insgesamt weniger als einem /22 an altem IPv4-Bestand werden jährlich 633 US-Dollar fällig, ab einem /22 1.055 US-Dollar; die Beträge sollen jährlich an die Inflation angepasst werden. Der reine WHOIS-Weg bleibt ohne diese Gebühr. Entscheidend für eine spätere Rechnung sind daher die dokumentierte Wahl und die Summe der zugrunde gelegten Ressourcen, nicht das Etikett „Legacy“ allein.

Daneben läuft ein politisches Verfahren. Im LACNIC-Politikregister ist der frühere Entwurf zur Verwaltung alter Ressourcen als ohne Konsens vermerkt; ein neuer Entwurf zur Rückgewinnung nicht gerechtfertigter Ressourcen befindet sich noch in der Diskussion. Die vom Vorstand gestartete Kontaktkampagne hat ihre eigene Frist und ihre erklärte Folge für Registrierungsdienste. Ein Politikstatus entscheidet keinen einzelnen Adressfall.

Vor dem 16. Dezember braucht die Öffentlichkeit mehr als zwei Prozentbalken: Gesamtzahlen der Organisationen und Adressen, Datum der Erhebung, verschickte Kontakte, Antworten, abgeschlossene Prüfungen, gewählte Dienstmodelle und Dienstentscheidungen. 24,67 Prozent beschreiben die Größe des bereits erreichten Bestands. 9,39 Prozent beschreiben, wie viele unterschiedliche Halter bisher im Kontaktkreis stehen. Für das Ende der Frist ist die zweite Zahl die unbequemere.

Quellen: LACNIC-46-Präsentation, institutionelle Aufforderung und LACNIC-Politikregister.