Zusammenfassung

  • Ein am 6. August unterzeichneter Beschluss ersetzt die auf das Seekabel konzentrierte ressortübergreifende Cybergruppe durch das CICDE, dessen Auftrag auch Datenschutz, Regulierung des Cyberraums, Cyberkriminalität und digitale Staatsdienste umfasst.
  • Das CICDE koordiniert und beaufsichtigt, doch Ministerien, Abteilungen und andere öffentliche Stellen bleiben für die Umsetzung zuständig. Seine monatlichen Berichte werden zeigen, ob der breitere Auftrag im Betrieb ankommt.

Timor-Leste erweitert die staatliche Koordination der Cybersicherheit. Das Interministerielle Komitee für Cybersicherheit und die Digitalisierung staatlicher Dienste (CICDE, nach dem portugiesischen Akronym) folgt auf die im Oktober 2025 eingerichtete interministerielle Cybergruppe. Diese sollte den Schutz kritischer Systeme und Infrastrukturen koordinieren, besonders mit Blick auf das Timor-Leste South Submarine Cable, und die internationale Zusammenarbeit erleichtern. Das neue Gremium nimmt Datenschutz, Regulierung des Cyberraums, die Verhütung und Verfolgung von Cyberkriminalität sowie die Digitalisierung staatlicher Dienste hinzu.

Die Besetzung ist entsprechend breit. Den Vorsitz führt der Minister für die Präsidentschaft des Ministerrats; der Minister für Verkehr und Kommunikation ist Stellvertreter. Auch die Ressorts Justiz, Inneres und Staatsverwaltung sind vertreten, ebenso der Nationale Strategische Nachrichtendienst, TIC Timor, die Kriminal- und Forensikpolizei, die Finanzermittlungseinheit der Zentralbank, die Nationalpolizei und die Nationale Kommunikationsbehörde. Der Generaldirektor des Nachrichtendienstes soll die technische Koordination mit Unterstützung des Geschäftsführers von TIC Timor übernehmen.

Diese Architektur überträgt dem Komitee nicht automatisch die operative Verantwortung. Laut der Regierungsmitteilung vom 6. August koordiniert, leitet, vermittelt, überwacht und beaufsichtigt das CICDE die Arbeit, ohne die Ministerien, Abteilungen und öffentlichen Stellen zu ersetzen, die Projekte umsetzen. Das Gremium soll grundsätzlich monatlich tagen und dem Premierminister monatlich berichten. Politische Vorschläge, Gesetzesinitiativen, Entwürfe und Umsetzungsberichte kann es dem Ministerrat vorlegen.

Der Auftrag reicht über die Reaktion auf Vorfälle hinaus. Er umfasst gemeinsame Standards für staatliche Systeme, Interoperabilität, sicheren Informationsaustausch, digitale Identität und Signaturen, Datenverwaltung und digitale Verwaltungsverfahren. Das CICDE soll außerdem Kriterien für die Risiken privater Anbieter und für Unterstützung durch Entwicklungspartner abstimmen. Berücksichtigt werden sollen Souveränität, Nachhaltigkeit sowie technische, finanzielle und politische Abhängigkeiten. Damit geht es auch um Beschaffung und die Verbindung staatlicher Systeme.

Die Gesetzgebung ist eine getrennte Baustelle. Am 31. Juli beantragte die Regierung beim Parlament eine Ermächtigung für ein Gesetzespaket zu nationaler Cybersicherheitsstrategie, Sicherheit des Cyberraums, digitalen Diensten, Cyberkriminalität und elektronischen Beweismitteln. Das Ministerium für Verkehr und Kommunikation erklärte am 3. September, die Zustimmung stehe noch aus. Eine Regierungsmitteilung vom 24. September bestätigte die Einreichung, nannte aber kein parlamentarisches Ergebnis. Der Stand am 17. Oktober lässt sich aus diesen Quellen daher nicht ableiten. APNICs Lagebild vom 16.

Oktober berichtet, ein nationales CSIRT werde entwickelt; es belegt keinen operativen Start.

Der Beschluss schafft einen Koordinierungsmechanismus, keinen Nachweis für dessen Umsetzung. Ein breites Gremium kann Prioritäten zusammenführen. Die Stellen, die öffentliche Dienste betreiben, müssen Standards jedoch in Ausschreibungen, Systemänderungen, Abläufe für Sicherheitsvorfälle und klare Zuständigkeiten übersetzen. Die ersten Monatsberichte werden zeigen, ob das CICDE diese Lücke schließt oder lediglich dokumentiert.

Quellen: Regierungsbeschluss zur Einrichtung des CICDE; dem Parlament vorgelegtes Gesetzespaket; Ministeriumsangabe zur Zustimmung, 3. September; Regierungsmitteilung vom 24. September; APNICs Profil des Internet-Ökosystems in Timor-Leste.