Zusammenfassung
- AFRINIC nimmt bis 21. August 2026, 23:59 UTC, Kommentare zum zweiten Verfassungsentwurf an; der Entwurf ist nicht geltendes Recht.
- Der heutige Artikel 17.4 erlaubt dem CEO, Vergütung und Beschäftigungsbedingungen unterhalb der Executive-Ebene festzulegen, ohne in diesem Artikel eine Board-genehmigte Vergütungspolitik oder ein Budget ausdrücklich vorzuschreiben.
- Der Entwurf ergänzt beide Schranken und verlangt für andere an den CEO delegierte Befugnisse die Schriftform.
- Die Begründung spricht zusätzlich von Personalpolitik, einem Jahresbudget und weitergehenden Vorbehalten des Boards; der operative Text übernimmt diese Zusagen nicht vollständig.
- Es fehlen Mindestinhalt, Veröffentlichung, Ausnahmeverfahren, Konfliktregeln, Überwachungsberichte und ein ausdrücklicher Überprüfungsweg für Beschäftigte.
Drei Bauteile, aber noch kein geschlossenes Kontrollsystem
Der neue Artikel 17.4 lässt sich als kleine Kontrollarchitektur lesen. Eine Politik definiert Regeln. Ein Budget setzt eine finanzielle Grenze. Ein schriftliches Delegationsinstrument beschreibt die übertragene Macht. Gegenüber der geltenden Fassung sind alle drei Bauteile ein Fortschritt.
Heute führt der Chief Executive Officer das Tagesgeschäft und bestimmt Vergütung sowie sonstige Beschäftigungsbedingungen aller Mitarbeiter, die nicht der Executive-Ebene angehören. Weitere Befugnisse kann das Board von Zeit zu Zeit delegieren. Artikel 17.4 bindet die erste Macht nicht ausdrücklich an Politik und Budget und verlangt für die zweite keine Schriftform.
Der Entwurf ändert das. Vergütungsentscheidungen sollen jeder vom Board genehmigten Vergütungspolitik und jedem genehmigten Budget unterliegen. Sonstige delegierte Befugnisse müssen schriftlich übertragen werden. Damit wird aus einer weit formulierten Managementkompetenz zumindest textlich eine gebundene Kompetenz.
Ein Kontrollsystem besteht jedoch nicht nur aus Regel und Obergrenze. Es braucht einen Soll-Ist-Vergleich, eine Stelle für Ausnahmen, Konfliktregeln, Berichte, Revision und Korrektur. Nichts davon schreibt Artikel 17.4 vor. Er sagt weder, wer eine Entscheidung vor Auszahlung prüft, noch, was das Board danach erhält. Die Architektur endet vor der Prüfschleife.
Die Begründung verspricht mehr als der Wortlaut
Die Erläuterung zu Artikel 17 beschreibt Beschäftigtenmanagement, Vergütung, Leistungen und Arbeitsbedingungen als Exekutivfunktion. Diese Macht soll zugleich den vom Board genehmigten Vergütungs- und Personalpolitiken sowie dem genehmigten Jahresbudget unterliegen. Das Board behalte die Verantwortung für die Vergütung des CEO, der Executive-Beschäftigten und weiterer Positionen, die es bestimme.
Artikel 17.4(b) selbst nennt nur eine vom Board genehmigte Vergütungspolitik und ein Budget. Eine Personalpolitik steht dort nicht; das Budget wird nicht als jährlich bezeichnet. Artikel 15.3(g) weist die Beschäftigungsbedingungen der Executive-Ebene einem eigenen Ausschuss zu, während Artikel 17.4 diese Ebene aus der CEO-Kompetenz ausnimmt. Der Vorbehalt für weitere Positionen wird im operativen Artikel nicht gleichlautend wiederholt.
Die Erläuterung belegt, wie AFRINIC den Zweck des Entwurfs darstellt. Sie ist nicht identisch mit der später ausführbaren Norm. Sollen Personalpolitik, Jahresrhythmus und zusätzliche Vorbehaltspositionen verbindliche Sicherungen sein, gehören sie in den Wortlaut oder in einen präzisen Verweis auf ein benanntes, versioniertes Instrument.
Auch der Begriff Vergütungspolitik bleibt konstruktiv leer. Der Entwurf fordert keine Gehaltsbänder, Marktvergleiche, Regeln für Anpassungen, Boni und Leistungen, Schwellen für Abweichungen, Gleichbehandlungsprüfung oder festen Revisionszyklus. Eine Politik kann Ermessen binden. Eine undefinierte und unveröffentlichte Politik kann aber auch erst nach einer Entscheidung als Rechtfertigung dienen.
Das Board behält nach Section 131 Verantwortung
Die Erläuterung verweist auf Section 131 des mauritischen Companies Act. Danach kann ein Board, vorbehaltlich verfassungsrechtlicher Beschränkungen, zulässige Befugnisse an Ausschüsse, Directors, Beschäftigte oder andere Personen übertragen. Zugleich bleibt es für die Ausübung durch den Delegierten grundsätzlich so verantwortlich, als hätte es selbst gehandelt. Die im Gesetz genannten Voraussetzungen vernünftiger Annahme und einer mit angemessenen Methoden ordnungsgemäß ausgeübten Überwachung sind dabei entscheidend.
Schriftform dokumentiert den behaupteten Umfang einer Delegation. Sie dokumentiert nicht automatisch die Überwachung. Dazu wären Berichte, Vergleiche mit Politik und Budget, Abweichungsentscheidungen, festgestellte Konflikte, Korrekturen und ein Datum für erneute Prüfung nötig.
Section 143 verlangt von Directors außerdem, innerhalb von Gesetz und Verfassung, ehrlich, in gutem Glauben, im besten Interesse des Unternehmens und mit der vorgeschriebenen Sorgfalt, Umsicht und Fähigkeit zu handeln. Diese Pflichten sind keine automatische Publikations- oder Beschwerdeordnung.
Die Machtkette ist deshalb genau zu benennen. Das Board genehmigt Politik und Budget, setzt Finanzbudget und Ausgabenobergrenze und lässt Bedingungen der Executive-Ebene von einem speziellen Ausschuss bestimmen. Der CEO entscheidet innerhalb der Grenzen für andere Beschäftigte. Das Board überwacht delegierte Macht. Beschäftigte tragen die unmittelbare Folge. Mitglieder erhalten durch Artikel 17.4 aber kein ausdrückliches Recht, die Kontrollunterlagen einzusehen.
Eine Prüfschleife kann Privatsphäre wahren
Der National Code of Corporate Governance for Mauritius empfiehlt transparente, faire und konsistente Vergütungspolitik für Directors und Senior Executives. Er nennt eine jährliche Darstellung der Politik und ihrer Änderungen sowie die Überprüfung durch Board oder benannten Ausschuss. Ein Muster für einen Vergütungsausschuss behandelt unabhängige Besetzung, Protokolle, unternehmensweite Beschäftigungsbedingungen, regelmäßige Politikprüfung und Jahresbericht.
Diese Quelle ist begrenzt zu verwenden. Das Comply-and-explain-System wird für Public-Interest-Entities und den öffentlichen Sektor beschrieben; andere Unternehmen sollen es anwenden, soweit passend. Das feste Material belegt nicht, dass AFRINIC rechtlich eine Public-Interest-Entity ist. Der Code ist daher ein unverbindlicher Gestaltungsmaßstab, kein Beweis einer Rechtsverpflichtung oder eines Verstoßes.
Als Gestaltungsmaßstab zeigt er, dass Transparenz nicht die Veröffentlichung einzelner Gehälter verlangt. AFRINIC könnte Mindeststruktur, Genehmigungs- und Änderungsdaten, aggregierten Budgetrahmen, Anzahl und Kategorie von Ausnahmen, Befangenheiten und Prüftermine offenlegen. Namen und Beträge könnten geschützt bleiben.
Der Entwurf nennt außerdem kein Verfahren für betroffene Beschäftigte. Er garantiert weder Mitteilung der angewandten Kriterien noch Beschwerde, interne Neubewertung, Berufung oder Abhilfe. Arbeitsrecht und Verträge können eigene Rechte enthalten; das Material ordnet sie keinem konkreten Fall zu. Dieser Bericht behauptet keinen bestehenden Gehaltsstreit.
Wer prüft die von der Spitze erzeugten Informationen?
Heng Lus Agency-Analyse beginnt dort, wo ein Organigramm endet. Sie fragt, wer die Regel schreibt, Informationen kontrolliert, entscheidet, überwacht, korrigiert und den Schaden trägt. „Vom Board genehmigt“ bezeichnet eine Hierarchie, aber noch keine Rechenschaft.
Wer entwirft die Politik? Wer schlägt das Budget vor? Wer erklärt Befangenheit? Wer prüft eine Anpassung? Wer genehmigt die Ausnahme? Was erhält der Ausschuss? Was sehen Mitglieder? Wer prüft die Beschwerde eines Beschäftigten? Wer trägt die Folge, wenn eine interne Kontrolle versagt?
Die Unterscheidung zwischen realer und symbolischer Ebene verhindert außerdem, dass Konsultation und Begründung mit geltender Verfassung verwechselt werden. Entwurf, spätere externe Rechtsprüfung, Board-Empfehlung und mögliche SGM-Abstimmung sind verschiedene Stufen. Auch der Begriff „Community“ verleiht niemandem automatisch ein Mandat, für alle Betreiber oder einen Kontinent zu sprechen.
NRS bestreitet die Autorität der Personen, die AFRINIC als Board darstellt, und verlangt transaktionsbezogene Unterlagen. Das bleibt eine zugeschriebene Position, keine gerichtliche Feststellung dieses Berichts. AFRINICs Seiten zu Board, Dokumenten, Beschlüssen und Verfahren belegen Veröffentlichungen zum Stichtag, nicht die Wirksamkeit jeder bestrittenen Handlung. LARUS analysiert das Strukturproblem, wenn Registrierungskoordination zur Kontrolle über Ressourcenhalter wächst, ohne Verantwortung und Verlusttragung entsprechend auszubauen.
Eine künftige Kontrolle heilt keine alte Autoritätslücke
Der Entwurf ist nicht in Kraft. Selbst nach Rechtsprüfung, Empfehlung und Mitgliederbeschluss könnte die neue Kontrollarchitektur nur künftige Entscheidungen regeln. Sie validiert nicht rückwirkend das behauptete Board, den Receiver, deren Unterstützer, Lock-in-Positionen zu Ressourcen, historische Ausgaben oder andere bestrittene Vorgänge.
BTW berichtete über eine historische Anwaltsvergütung von 1.000 US-Dollar pro Stunde. Das feste Quellenpaket enthält kein rechtskräftiges Urteil, das diese Kondition für illegal erklärt, und keine Grundlage für neue Behauptungen über Betrug, Korruption, Verschwörung, Vergeltung, Gehaltsmissbrauch oder persönliches Fehlverhalten. Die Angabe bleibt zugeschriebene Recherche und macht nachvollziehbare Autorisierung, Rechnungen, Stunden, Freigabe und Überwachung relevant. Ein neuer Artikel 17.4 kann keine frühere Befugnis erzeugen.
Der Entwurf sollte deshalb nicht verworfen, sondern geschlossen werden: Mindestinhalt und Revisionsrhythmus der Politik, Register schriftlicher Delegationen, Laufzeit und Grenzen, Interessenkonflikte und Enthaltung, Ausnahmebefugnis, regelmäßiger Soll-Ist-Bericht, aggregierte Mitgliederinformation und fairer Überprüfungsweg für Beschäftigte. Erst dann bilden Regel, Budget und Schriftstück eine vollständige Prüfschleife.
Quellen
- AFRINIC — Zweite Konsultation zum Entwurf der geänderten Verfassung
- AFRINIC — Entwurf der geänderten Verfassung
- AFRINIC — Geltende Verfassung
- Finanzministerium Mauritius — Companies Act 2001
- National Committee on Corporate Governance — National Code Mauritius
- AFRINIC — Gerichtsverfahren
- AFRINIC — Board-Dokumente
- AFRINIC — Sitzungen und Beschlüsse
- AFRINIC — Board
- NRS — Mitgliederaktion zur AGMM 2026
- NRS — NRS Shield
- Heng Lu — AFRINIC und der Mythos des Community-Eigentums
- Heng Lu — Realitätsebenen und symbolische Macht
- Heng Lu — Das Agency-Problem der Internet-Governance
- Heng Lu — Macht, Legitimität und AFRINIC-Lock-in
- Heng Lu — Wenn Registermacht sich von Haftung löst
- Heng Lu — Wer für einen Kontinent oder eine Community spricht
- LARUS — Die Registerebene als strukturelles Risiko
- LARUS — Wie Mandatswäsche Koordination in Governance-Macht verwandelt
- BTW — Recherche zu AFRINICs Anwaltskosten
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