Zusammenfassung

  • Im August 2005 ließ Google Talk mehrere fremde XMPP-Programme an seinen Dienst. Die Föderation zwischen Servern bezeichnete Google damals noch als laufende Arbeit.
  • Im Januar 2006 meldete Google die offene Föderation; im Februar wurde Gmail zu einem weiteren XMPP-Client des Netzes.

Am Eingang gab es Auswahl

Am 24. August 2005 startete Google Talk als Beta für Gmail-Nutzer. Der Dienst sprach XMPP. Wer wollte, meldete sich mit iChat, GAIM, Trillian, Adium oder Psi anstatt mit Googles Programm an. Das war eine echte Öffnung für Entwickler und Nutzer, betraf aber die Oberfläche vor einem Google-Konto. Der Dienst, der dieses Konto führte, blieb Google.

Google nannte diese Offenheit gegenüber Clients ausdrücklich einen Anfang. Mit EarthLink und Sipphone arbeite man an der Föderation der jeweiligen Kommunikationsdienste, hieß es im selben Beitrag. Ein fremdes Programm am eigenen Server zuzulassen und Nachrichten an den Server eines anderen Betreibers zu liefern sind getrennte Entscheidungen. Für die zweite beschrieb der Beitrag ein Vorhaben, keinen bereits vollständig betriebenen Dienst.

Im Januar wurde aus dem Vorhaben eine Meldung

Der Produktmanager Mike Jazayeri gab am 17. Januar 2006 die offene Föderation für Google Talk bekannt. Er verglich sie mit E-Mail und Telefonie: Anbieterwahl sollte Kontakte über Unternehmensgrenzen hinweg nicht abschneiden. Unternehmen, Universitäten und weitere Einrichtungen seien beteiligt; Millionen Nutzer seien erreichbar, schrieb Google. Die Reichweite ist eine Behauptung der damaligen Mitteilung, keine unabhängige Zählung erfolgreicher Gespräche.

Der Unterschied liegt in der Kontrolle. XMPP stellt eine gemeinsame Sprache bereit. Die Verbindung zwischen Diensten betreiben deren Eigentümer. Im August konnte ein Nutzer den Client wählen; seit der Januarmeldung sollte er auch den Kontenanbieter wählen können, ohne die Erreichbarkeit eines Google-Talk-Kontakts zu verlieren. Das verschiebt die Grenze der Abhängigkeit vom Programm auf den Provider.

Gmail bekam ein eigenes Fenster zum Netz

Am 7. Februar 2006 beschrieb Gmail-Ingenieur Jon Perlow Kontakte und Chat im Postfach sowie speicher- und durchsuchbare Gesprächsverläufe. Gmail sei nun ein weiterer XMPP-Client im Google-Talk-Netz, dessen Nutzer mit Talk- und Jabber-Nutzern sprechen könnten. Das Postfach wurde zur neuen Oberfläche. Der Schritt setzte die zuvor angekündigte Föderation voraus; er ist nicht deren Startdatum.

Wer diese Geschichte auf die Formel „Google setzte auf offene Standards“ reduziert, verliert die Reihenfolge. Erst wurde die Software austauschbar, dann die Grenze zwischen Diensten passierbar, danach kam der Chat ins Postfach.