Zusammenfassung
- Doreen Bogdan-Martin setzte sich als Leiterin des ITU-Entwicklungsbereichs für Partner2Connect ein und wurde 2023 Generalsekretärin; die Zusagensumme belegt Mobilisierung, aber nicht die Zahl tatsächlich geschalteter Anschlüsse.
- ITUs eigene Berichte zeigen, warum Zusagen, von den Beteiligten gemeldete Fortschritte und der nutzbare Dienst für Menschen getrennt geprüft werden müssen.
Eine hohe Zahl auf einer Konferenzfolie kann wie ein abgeschlossenes Ergebnis wirken. Eine registrierte Zusage belegt jedoch weder eine Auszahlung noch ein betriebsbereites Netz oder einen Haushalt, der sich einen verlässlichen Anschluss leisten kann. Das Partner2Connect-Portal führt derzeit 1.101 Zusagen von 508 Organisationen aus 149 Ländern mit einem geschätzten Wert von 122 Milliarden US-Dollar. Das ist ein beachtlicher Nachweis dafür, dass viele Organisationen sich auf ein gemeinsames Ziel festlegen. Es ist aber keine Ausgabenstatistik und keine Zählung der Menschen, die den Dienst tatsächlich nutzen.
Doreen Bogdan-Martins Laufbahn ist in diesem Zusammenhang relevant. Sie trat am 1. Januar 2023 das Amt der Generalsekretärin der ITU an. Zuvor leitete sie ab 2018 das Büro für Telekommunikationsentwicklung der ITU und warb aktiv für Partner2Connect. Die Koalition wurde 2021 von der ITU gemeinsam mit UN-Partnern ins Leben gerufen; sie ist kein persönliches Einzelprojekt. Bogdan-Martins Einfluss liegt in der politischen Agenda, der Einbindung von Partnern und der institutionellen Berichterstattung. Die jeweilige Organisation bleibt für ihr eigenes Budget und die Umsetzung ihrer Zusage verantwortlich.
Größe und Belegqualität sind zwei verschiedene Dinge. Der Partner2Connect-Jahresbericht 2024 erfasste 956 Zusagen von 452 Organisationen. Für 363 Zusagen lagen Fortschrittsberichte von 182 Organisationen vor: 38 Prozent der Zusagen und 40 Prozent der Organisationen. Diese Quoten beziehen sich auf die Kohorte des Berichts. Fehlende Meldungen beweisen keinen Fehlschlag, denn einige Zusagen waren möglicherweise noch neu. Ein eingereichter Bericht beweist umgekehrt nicht, dass der Dienst die vorgesehenen Nutzer erreicht hat.
Laut Bericht können Zusagende das Online-Formular aktualisieren und sollen mindestens einmal jährlich über den Stand berichten.
Das aktuelle Berichts-Dashboard grenzt seine aggregierten Daten auf Zusagen ein, die bis zu einem Jahr zuvor eingegangen sind. So wird eine frisch eingereichte Zusage nicht sofort als verspätet behandelt. Zugleich bedeutet es, dass die heute angezeigte Gesamtzahl und die Fortschrittsgrafik nicht zwingend dieselbe Gruppe zum selben Zeitpunkt abbilden. Ein späterer ITU-Bericht zum Strategieplan nennt Fortschrittsberichte von der Hälfte der teilnehmenden Organisationen. Diese Quote hat Organisationen als Nenner und ist daher keine direkte Fortschreibung der zusagenbezogenen 38 Prozent aus 2024.
Prozentzahlen brauchen Zeitraum und Bezugsgröße, sonst werden sie vorschnell verglichen.
Ob Konnektivität wirklich nutzbar ist, verlangt eine weitere Messung. ITUs Rahmen für Universal and Meaningful Connectivity umfasst sechs miteinander verbundene Bedingungen: Qualität, Verfügbarkeit, Bezahlbarkeit, Geräte, Kompetenzen und Sicherheit. Eine Abdeckungskarte sagt nichts über die monatlichen Kosten; eine schnelle Verbindung zeigt nicht, ob geeignete Geräte und sichere Nutzung möglich sind. Der Rahmen ordnet die notwendigen Bedingungen, macht aus einer Zusage aber keinen Nachweis für bessere Bildung, Gesundheit oder Einkommen. Solche Wirkungen brauchen eigene Kennzahlen und eine nachvollziehbare Verbindung zum Projekt.
Im Juli 2026 stellte die ITU klar, dass die Zusagenden für die Umsetzung verantwortlich sind, während die Organisation eine Plattform zur Fortschrittsverfolgung und zum Erfahrungsaustausch bereitstellt. Dieselbe Mitteilung setzte die Marke von 100 Milliarden US-Dollar neben eine Schätzung von 2,6 bis 2,8 Billionen US-Dollar, die bis 2030 für universelle und sinnvolle Konnektivität benötigt werden könnten. Das beschreibt eine Aufgabe zur Mobilisierung und Beobachtung, aber keine Garantie, dass der angekündigte Betrag den verbleibenden Bedarf bereits deckt.
Bogdan-Martins Prüfstein ist deshalb nicht, jedes lokale Projekt persönlich zu verantworten. Sie kontrolliert dessen Budget und Betrieb nicht. Entscheidend ist, ob die ITU öffentlich auseinanderhält, was zugesagt, finanziert, in Betrieb genommen und von Menschen dauerhaft genutzt wird. Ein Register, das diese Übergänge sichtbar macht, würde Partner2Connect glaubwürdiger machen und zeigen, ob als Nächstes Geld, Geräte, Kompetenzen, erschwingliche Preise oder passende Regeln fehlen.
Quellen
- Offizielle ITU-Biografie von Doreen Bogdan-Martin
- Partner2Connect-Zusagenportal und aktuelle Summen
- Dashboard der Fortschrittsberichte und Datenzeitraum
- Partner2Connect-Jahresbericht 2024
- ITU-Vierjahresbericht 2026 zum Strategischen Plan
- ITU-Mitteilung vom Juli 2026 zum Partner2Connect-Meilenstein
- ITU-Rahmen für Universal and Meaningful Connectivity
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