Summary
- Dmytro Shypovalov zeigte bei NANOG 98 einen Sampler, der Zähler für Segment-Routing-Policies aus Routern liest und die errechnete Verkehrsrate an einen Pfadcontroller meldet.
- Seine Folien zeigen zwölf aktive Policies in einer Demonstration. Eine umfassendere Produktionsversion verortet er selbst erst im Jahr 2027.
39,924 Gbit/s sieht nach einer Zahl aus, mit der man sofort arbeiten kann. Auf Shypovalovs Bildschirm stammt sie aus sechs Stichproben innerhalb von 50,4 Sekunden. Für eine Vorführung ist das anschaulich. Für einen Netzbetreiber ist es zunächst eine Frage: Was wurde zwischen diesen Stichproben übersehen, und wer kann den Vorgang später rekonstruieren?
Shypovalov stellte seinen Ansatz am 20. Oktober bei NANOG 98 in Miami vor. Segment Routing hält auf den Transitroutern keinen Zustand für jeden einzelnen Tunnel. Das vereinfacht die Weiterleitung, entzieht der klassischen automatischen Bandbreitenanpassung aber ihren gewohnten Beobachtungspunkt. Eine Reservierung lässt sich nur sinnvoll ändern, wenn der Controller erfährt, wie viel Verkehr die Policy tatsächlich trägt.
Der Prototyp legt diese Beobachtung in einen eigenen Sampler. Er holt LSP-Zähler über gNMI ab, berechnet daraus eine Rate und kündigt sie per BGP-LS-SR-Policy-Route gegenüber einem Path Computation Element an. Der PCE kann daraufhin Reservierung und Segmentliste neu berechnen. Der Router zählt und leitet weiter; der Sampler verdichtet; der Controller entscheidet. Diese Aufteilung ist der eigentliche technische Vorschlag, nicht die hübsche Dezimalzahl auf der Folie.
Eine weitere Ansicht in der Präsentation zeigt zwölf aktive Sampling-Policies. Drei automatische Reservierungen liegen bei 31,015, 29,849 und 30,326 Gbit/s. Das sind Werte einer Demonstration, kein Beleg für dauerhaften Betrieb in einem Kundennetz. Gerade deshalb lohnt der Blick auf Shypovalovs eigene Liste der Lücken: Es gibt keine Rohdatenhistorie für Trends und Vorhersagen, der PCE bestimmt die Stichprobenmethode nicht selbst, und Zähler für Segment-IDs und Interfaces fehlen in derselben Entscheidung.
Sein nächster Entwurf soll Rohtelemetrie speichern und dem PCE Zugriff auf mehr Zähler geben. Die Folien beschreiben zudem mehrere PCEs und einen Rückfall auf kürzeste Pfade, falls alle Controller ausfallen. Eine dokumentierte Störung samt Wiederherstellung liefern sie nicht. Das letzte Blatt nennt 2027 als Hoffnung für eine umfassendere Produktionsumsetzung. Wer schon heute Reservierungen automatisch verschiebt, muss also die fehlende Betriebserfahrung selbst nachweisen.
Die sechs Stichproben sind ein guter Anfang für ein Gespräch über Steuerung. Ein Betreiber braucht zusätzlich die Rohzähler, die genaue Rechenregel, übereinstimmende Controller-Sichten und einen Schalter, der eine falsche Anpassung stoppt. Sonst tauscht er den Zustand im Transitrouter gegen einen schwerer sichtbaren Zustand außerhalb des Routers ein.
Quellen: NANOG-98-Sitzung · Originalfolien von Shypovalov · RFC 8733 · RFC 9857.
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