Zusammenfassung

  • Debian nutzte 2004 Popcon-Meldungen für die Paketordnung auf CDs; Teile der ersten beiden Discs wurden nach anderen Kriterien ausgewählt.
  • Das Verfahren las Nutzungsspuren aus Dateizeitstempeln. Installationen, Aktualisierungen und fehlende Messdaten mussten getrennt behandelt werden.

Bei dreizehn Installations-CDs bekommt die Reihenfolge eine gewisse Bedeutung. So viele Binär-Discs mit ungefähr 13.500 Paketen beschrieb Petter Reinholdtsen im März 2004 für die damals vorbereitete Debian-Version. Irgendwer musste dieser Softwareversammlung Plätze zuweisen.

Im Aufruf zur Teilnahme erklärte er das Verfahren: Ein Teil der Pakete auf den ersten beiden CDs wurde nach verschiedenen Kriterien ausgewählt, der Rest nach den Nutzungsmeldungen von popularity-contest, kurz Popcon. Rechner lieferten über das Netz Hinweise für die nächste Verteilung auf physischen Medien. Die Festplatte half gewissermaßen beim Packen.

Sonntag, 6.47 Uhr: Zeit für die Wochenmeldung

Die Unterlagen zur Version 1.28 vom Mai 2005 beschreiben eine wöchentliche E-Mail. Nach dem dort genannten Standardplan lief der Auftrag sonntags um 6.47 Uhr. Während der Mensch noch schlief, konnte sein Rechner bereits an der Produktforschung teilnehmen.

Das Programm suchte für jedes Paket eine passende, möglichst kürzlich benutzte Datei und erfasste Zugriffs- und Änderungszeit. Eine bloße Installation bekam damit zusätzliche Bedeutung. Auf der Platte lag womöglich seit Monaten ein Programm, das niemand mehr anfasste, während ein anderes ständig gebraucht wurde.

Auch der Zeitstempel hatte Erklärungsbedarf. Installation oder Aktualisierung konnten Zugriffs- und Änderungszeit dicht zusammenrücken lassen; dafür gab es eine eigene Kennzeichnung. Pakete ohne geeignete Programmdateien landeten ebenfalls in einer gesonderten Gruppe. War für /usr die Erfassung der Zugriffszeit abgeschaltet, lieferte der Bericht laut FAQ eine Installationsliste ohne Nutzungsinformation. Eine schweigende Uhr war mitunter einfach so eingestellt.

Ein erhaltenes Ergebnisblatt vom 20. Januar 2004 bot getrennte Ansichten für Installationen, regelmäßige Nutzung, ältere Nutzung, jüngste Aktualisierungen und unzureichende Dateidaten. In diese Ansicht gingen 1.707 Meldungen ein. Die Spalten hielten Sachverhalte auseinander, die eine einzige Beliebtheitszahl elegant verschluckt hätte.

Zudem warnte die README von 2005 vor vorschnellen Aufräumarbeiten: Ein alt aussehendes Paket konnte von einem aktiv verwendeten Programm benötigt werden. Gemeinsam genutzte Bibliotheken waren besonders schwer einzuschätzen. Der unscheinbare Helfer im Keller wurde schließlich selten persönlich zum Applaus nach oben gebeten.

Popcon machte Erfahrungen teilnehmender Rechner für die CD-Hersteller sichtbar. Erfolgreich zugestellte Meldungen und brauchbare Dateispuren bestimmten den Ausschnitt. Die Reihenfolge musste daraus weiterhin jemand ableiten. Automatisch kam die Post; die Verantwortung für die Platzvergabe blieb beim Projekt.