Summary

  • Lancheng Qin, Dan Li, Li Chen und Libin Liu veröffentlichten am 17. August 2026 den individuellen Internet-Draft Bicone SAV. Er behandelt Quelladressfilter an Schnittstellen zu Kunden-AS oder seitlichen Peers.
  • Bei unvollständiger Zulassungsliste lässt der Entwurf bekannte Quellen durch, verwirft positiv als unzulässig erkannte Quellen auf einer zweiten Liste und leitet ungeklärte Pakete mit Protokollierung oder Überwachung weiter.

Die Lücke im Verzeichnis steht am Router

Eine aus dem Kundenkegel abgeleitete Zulassungsliste lässt sich gut automatisieren. Sie enthält jedoch nur, was die verfügbaren Ankündigungen und Autorisierungen hergeben. Wird ein legitimes Präfix nicht weit genug verbreitet, fehlt es in der Sicht des Filterbauers. Bei Direct Server Return kann eine Antwort mit einer Dienstadresse als Quelle eintreffen, ohne dass diese Adresse auf dem beobachteten Pfad als Route auftaucht. Der Originalentwurf in Version 01 beschreibt beide Lücken. Wer „fehlt“ mit „gefälscht“ gleichsetzt, schaltet echte Kunden ab.

Das Team um Dan Li behält das klare Ja der ersten Liste. Für ein Nein baut es eine Blockliste aus positiv belegten Fällen, vor allem aus Präfixen, die ausschließlich dem Providerkegel zugeordnet werden können. Von einem Kunden- oder Peer-Port wären sie als Quelle fehl am Platz. ASPA-Beziehungen und AS_PATHs dienen zur Bestimmung des Kegels; ROAs und vorgeschlagene TOAs verbinden ihn mit Präfixen. Mögliche legitime Zuordnungen außerhalb des Kegels werden aus der Kandidatenmenge entfernt.

Was auf keiner Liste steht, ist ungeklärt. Das Paket passiert den Port, der Betreiber protokolliert oder beobachtet es. In dieser Zwischenklasse kann auch gefälschter Verkehr passieren. Die Alternative wäre, gültigen Verkehr wegen einer unvollständigen Datenbasis zu sperren. Der Draft liefert einen Entscheidungsablauf, aber keine Messung aus einem produktiven Netz.

Zwei Listen, ein Widerspruch

Trifft eine Adresse zugleich auf Zulassung und Block, sollen Betreiber den Konflikt sehen und untersuchen. Der Text rät davon ab, allein aufgrund der widersprüchlichen Daten automatisch zu verwerfen. Die Maschine darf schnell sein; ihre Quellen müssen sich erklären lassen.

Fehlen ASPA-, ROA- oder TOA-Einträge, bleibt die nachweisbar blockierbare Menge kleiner. Das ist eine begrenzte Filterwirkung, kein Freibrief für zusätzliche Sperren. RFC 8704 liefert den Hintergrund zu Feasible-Path-uRPF; Bicone ist weiterhin ein individueller Vorschlag. Für ein Urteil über seine Wirkung fehlen Zählungen falscher Sperren, falscher Durchlässe und ungeklärter Pakete je Port und Listenversion.

Laut Tsinghuas offizieller Seite ist Dan Li Professor und Leiter des NASP-Labors. Sein Entwurf mit den Mitautoren zwingt den Betreiber zu einem unpopulären, ehrlichen Status: noch nicht gewusst.

Quellen: Bicone SAV und Status; Version 01; RFC 8704; Tsinghua-Profil.