Zusammenfassung

  • Am 27. Oktober berichtete Thomas Holterbach von drei IXP-Route-Servern mit BMP-Anbindung und 60 BMP-Sitzungen von Teilnehmern.
  • In der Fragerunde machte ein Beispiel mit 1.500 BGP-Sitzungen und 50.000 Routen die Skalierungsarbeit hinter zusätzlicher Sichtbarkeit greifbar.

Analyse

Ein Messsystem wächst erst dann über die Demo hinaus, wenn Netzbetreiber ihm Daten anvertrauen und die Auswertung mit dem Datenstrom Schritt hält. Thomas Holterbach stellte sich dieser doppelten Aufgabe bei RIPE 93. Der Informatiknetzforscher baut bgproutes.io und zeigte am 27. Oktober den IXP Explorer, der Beobachtungen mit dem BGP Monitoring Protocol (BMP) von Route-Servern und Teilnehmer-Routern zusammenführt. An einem IXP verbinden sich Netze über ein gemeinsames Layer-2-Netz und tauschen Routen über einen Route-Server oder direkte BGP-Sitzungen aus.

Sein damaliger Stand: Drei kleinere IXPs exportierten BMP von ihren Route-Servern. Weitere 60 BMP-Sitzungen kamen von Teilnehmern. Holterbach bezifferte die daraus sichtbaren BGP-Beziehungen auf rund 200 Sitzungen zwischen Teilnehmern und Route-Servern sowie mehr als 1.000 bilaterale Sitzungen. Damit wächst die Karte aus konkreten Beiträgen, nicht aus einer abstrakten Liste von Austauschpunkten.

Der Unterschied liegt in der Beobachtung. Eine BGP-Sammelsitzung erhält die Routen, die ein Router dorthin ankündigt. Eine Abfrage am Route-Server liefert Momentaufnahmen. BMP kann konfigurierte Route-Updates und Peer-Zustände fortlaufend weitergeben. Der IETF RFC 7854 beschreibt BMP als Protokoll zur Überwachung von BGP-Sitzungen und für Routing-Ansichten.

Maria Matejka brachte die Lastfrage in die Aussprache: ein hypothetischer IXP mit 1.500 BGP-Verbindungen und einem Peer, der 50.000 Routen importiert. Wenn eine Sitzung flappt, kann ein einzelnes Ereignis zahlreiche weitere Sessions berühren. Holterbach räumte ein, dass gerade die Skalierung der BMP-Verarbeitung schwierig ist. Daten müssen gespeichert und schnell abfragbar bleiben. Die zusätzliche Sicht kostet Rechen- und Speicherarbeit.

Die zweite Grenze verläuft beim Export. Betreiber können laut Holterbach bereits am Router einzelne Peers wählen; die Plattform kann ebenfalls Peers aus einer Session ausschließen. IXP und Teilnehmer müssen die Weitergabe wollen. Auf die Frage, welche Informationen ein Betreiber zurückhalten möchte, hatte Holterbach keine feste Liste. Er bat um Rückmeldungen aus dem Betrieb. Die Sammlung wächst daher nur, wenn ihre Teilnehmer die Spielregeln mitbestimmen.

Die Projektbeschreibung des IXP Explorers trennt Daten vom Route-Server und von Teilnehmern, darunter bilaterale Sitzungen. Die Präfixübersicht wird täglich aktualisiert; die API liefert jüngere Daten. Für Nutzer zählt daher neben der Routenkarte auch, wann und aus welchen Feeds sie entstand. Für Holterbach zählt, ob mehr Beiträge den zusätzlichen Speicher- und Abfrageaufwand rechtfertigen.

Auch den Sicherheitskonflikt sprach er offen an. Zusätzliche Routeninformationen können Angreifern Hinweise auf Richtlinien und den Erfolg eines Angriffs liefern. Holterbach hält den Nutzen für Verteidiger für größer, weil umfassendere Beobachtungen Hijacks schwerer vor Sammlern verbergen. Diese Einschätzung ist seine Position aus der Diskussion.

Öffentliche Quellen nennen weder Datenvolumen und Verarbeitungsaufwand je Feed noch, ob eingeladene Betreiber eine Teilnahme abgelehnt haben; ein Verlauf je Feed würde zeigen, ob Kapazität oder Exportbedingungen das Wachstum bremsen.

Quellen