Zusammenfassung

  • Dave Shea beschreibt den Start 2003 und die zentrale Bedingung: HTML durfte nicht verändert werden, die Gestaltung musste aus CSS, Bildern und Schriften kommen.
  • Die heutige Demonstration wechselt Stylesheets auf einer gemeinsamen Seite. Die Erneuerung von 2013 zeigt, dass auch diese feste Grundlage gepflegt werden musste.

Eine Empfehlung brauchte Anschauungsmaterial

Die CSS1-Empfehlung des W3C von 1996 bot bereits eine Sprache, um Schrift, Farbe und Abstände mit HTML-Dokumenten zu verbinden. In der Praxis hielten sich jedoch Tabellen als Layoutwerkzeug und Präsentationselemente im Markup. Sheas Rückblick beschreibt, wie CSS um 2003 vielen noch als Werkzeug für ein paar Schrift- und Farbänderungen erschien. Ein Verweis auf die Spezifikation beseitigte diese Vorstellung kaum. Ein sichtbares Gegenbeispiel konnte sie angreifen.

Die Bedingung des Gartens war deshalb ein Verbot. Niemand durfte das gemeinsame HTML umbauen. CSS und eigene visuelle Mittel waren frei. Wer auf der Website einen anderen Entwurf auswählt, sieht dieselbe Seite in anderer Gestalt. Die gemeinsame Ausgangsdatei machte den Vergleich fair: Wären auch die Strukturen verschieden gewesen, hätte ein beeindruckendes Ergebnis nichts darüber gesagt, was das Stylesheet leisten konnte. Die Beschränkung verwandelte die technische Behauptung in einen Versuch, den Leser selbst durchführen konnten.

Shea wollte laut Projektgeschichte von Anfang an eine Galerie der Gemeinschaft. Entwürfe anderer sollten mehr Möglichkeiten zeigen als seine eigenen. In der Sammlung veröffentlichter Designs tritt dieser Mechanismus offen hervor. Die Beteiligten gewinnen Sichtbarkeit; die Leser wechseln zwischen Interpretationen. Die identische Basis macht den Einfallsreichtum messbar, zumindest mit den Augen.

Das Schloss lag am Eingang, nicht am Ende

Die Regeln verteilten Zuständigkeiten. Der Betreiber schrieb das HTML, legte seine Elemente und Anknüpfungspunkte fest und wählte Beiträge aus. Die Gestalter bestimmten die sichtbare Erscheinung innerhalb dieses Rahmens. Ein Stylesheet kann eine fehlende semantische Beziehung im Dokument nicht nachträglich zu echter Struktur machen. Der Garten bewies also nicht, dass Markup egal wäre. Gerade weil das Markup feststand, wurde sichtbar, wie weit Gestaltung ohne seine Änderung reicht — und wo die Entscheidung des Betreibers eine Grenze setzt.

Auch die Rechte an den Beiträgen waren aufgeteilt. Die Teilnahmebedingungen verlangten eigene Grafiken; deren Urheberrechte blieben bei den Gestaltern. Das CSS sollte unter einer offenen Creative-Commons-Lizenz stehen, damit andere daraus lernen konnten. Ein Stylesheet zu studieren war eine andere Erlaubnis als fremde Bilder zu übernehmen. Der Lernwert des Gartens beruhte auf dieser Unterscheidung zwischen Technik und Kunstwerk.

Die feste HTML-Basis blieb nicht ewig dieselbe. 2013, zum zehnten Geburtstag, stellte Shea die Demonstration auf HTML5 und CSS3 um. Die älteren Wurzeln in XHTML und CSS2 drohten den Lehrwert zu schmälern. Wer einen gemeinsamen Maßstab vorgibt, muss ihn lange genug stabil halten, damit Vergleiche möglich sind, und rechtzeitig ändern, wenn er der gelebten Praxis hinterherläuft. Das ist die Wartungsrechnung des Experiments.

Die W3C-Regeln lieferten die Technik; CSS Zen Garden lieferte eine Bühne. Die Regel „HTML bleibt“ machte die Variationen glaubwürdig. Aus einer Spezifikation wurde eine anschauliche Wette: Zeig mit derselben Seite, dass der alte Gestaltungstrick nicht die einzige Wahl ist.