Zusammenfassung

  • BIRD übergab Routen an die Linux-FIB; Kernelmeldungen erreichten den LAN969x-Treiber und den ASIC. Banelli zufolge ließen sich 256 zusätzliche Routen sauber hinzufügen und zurückziehen.
  • Nicht geprüft wurden die vollständige Tabelle, L3-Weiterleitung an Kupferports, echte ECMP-Verteilung, BFD, ACLs und ein Kabelzug. Novarqs Repository nennt „mainline support“; auf der RIPE 93 beschrieb Banelli den getesteten Build als weiterhin auf dem firmeneigenen Kernel.

256 zusätzliche Routen hinein, 256 wieder heraus: Dieser Versuch funktionierte. Bruno Banelli zeigte ihn auf der RIPE 93 als konkreten Beleg dafür, dass BIRD direkt auf einem offenen Linux-Switch laufen kann. Die für einen Netzbetrieb entscheidende Zahl, die Kapazität einer vollständigen und im ASIC gehaltenen Routingtabelle, wurde nicht gemessen.

Banelli ist Mitgründer und CEO von Novarq. Sein Routingpfad: BIRD schreibt Routen in die Forwarding Information Base (FIB) von Linux. Kernelmeldungen geben die Änderungen an den LAN969x-Treiber weiter, der den Switch-ASIC programmiert. Laut Banelli liegt dazwischen weder SAI noch FPM oder ein separater proprietärer Routing-Agent. Linux beschreibt switchdev als Treibermodell, mit dem sich die Weiterleitung an Switch-Hardware auslagern lässt.

Der Aufbau bestand aus zwei gerouteten VLANs auf einer VLAN-fähigen Bridge. Vier Dual-Stack-eBGP-Sitzungen liefen; Import- und Exportfilter beschränkten den Versuch auf Testpräfixe. Standard- und Managementrouten blieben außerhalb von BGP. Eine Ankündigung oder ein Rückzug beim Peer änderte die Linux-FIB laut Banelli in weniger als einer halben Sekunde. Mitschnitte und Zähler bestätigten IPv4- und IPv6-Transit über den ASIC. In genau diesem Aufbau blieb die CPU-Auslastung unter zehn Prozent.

Die offenen Tests begrenzen die Aussage. Es gab keine vollständige Routingtabelle, keine L3-Prüfung an Kupferports und keinen Test aller Ports. ECMP war eingeschaltet, die tatsächliche Verteilung des Verkehrs wurde jedoch nicht geprüft. Next-Hop-Objekte gingen nicht in den ASIC. BFD, ACLs und Kabelzug fehlten ebenfalls. Als das Team den Peer administrativ abschaltete, hielt dessen Netzwerkkarte die optische Verbindung oben; der Switch sah keinen physischen Linkverlust und behielt Routen bis zum Ablauf eines Hold-Timers von neun Sekunden. Das misst den Timer, nicht die Wiederherstellung nach einem Kabelbruch.

IPv6 brauchte zusätzlich eine Ausweichlösung: Multicast-Nachbareinträge in jedem gerouteten VLAN wurden alle 60 Sekunden erneuert. Banelli ordnete das Problem dem Treiber zu und sagte, es sei gemeldet. Eine installierte Route und eine dauerhaft funktionierende Hardwareweiterleitung sind zwei getrennte Belege.

Auch der Kernelstatus braucht eine Versionsangabe. Novarqs öffentliches Repository wirbt mit „mainline support“ und vollständiger Kernelintegration. Auf der RIPE 93 sagte Banelli, der getestete Build nutze noch den eigenen Kernel des Unternehmens; L3-Patches würden upstream integriert, vollständige L3-Unterstützung in mainline sei für das zweite Quartal 2027 vorgesehen. Die öffentlichen Unterlagen nennen nicht, welche Kernelversionen und L3-Funktionen diese breite Aussage umfasst. Eine nach Versionen gegliederte Featureliste würde den Umfang klären.

Banelli demonstrierte einen echten Weg von BIRD über Linux bis zum ASIC und meldete konkrete bestandene Prüfungen. Als Nächstes braucht es eine reproduzierbare Tabelle mit Kernel-, Treiber- und BIRD-Versionen, installierten und ausgelagerten Routen, Porttypen, Nachbaralterung, ECMP-Verteilung und Fehlerprotokollen. 256 Routen sind ein gelungener Versuch; sie sind keine Kapazitätsangabe für den Produktionsbetrieb.

Quellen