Summary

  • Die erste BITNET-Verbindung zwischen CUNY und Yale machte IBM-Speicher-und-Weiterleitungsfunktionen für den Austausch zwischen Hochschulen nutzbar; erforderlich waren eine gemietete Leitung und lokale Rechner.
  • Rückblicke beschreiben geteilte Kosten, während Nutzer auf dem Campus nicht für jeden Netzaustausch einzeln zahlen mussten. „Kostenlos“ für den einzelnen Nutzer bedeutete, dass die Hochschulen die Infrastruktur finanzierten.
  • Das Netz wuchs, weil teilnehmende Einrichtungen Leitungen und Rechenleistung bereitstellten. Spätere zentrale Dienste wurden erst durch IBM-Förderung, danach durch Mitgliedsbeiträge finanziert; daraus folgt kein allgemeines Mandat.

Der erste BITNET-Dialog, an den man sich erinnert, war beinahe banal: „Hi, Hank.“ „Hi, Josh.“ Das CUNY-Magazin aus dem Winter 1995/96 datiert ihn auf den 5. Mai 1981 um 11.30 Uhr und bezeichnet ihn als erste Zustellung elektronischer Post. Das ist eine wichtige institutionelle Erinnerung, aber kein Beweis dafür, dass zuvor nirgendwo eine Computernachricht über ein anderes Netz lief. Historisch belastbarer ist die engere Aussage: Zwei Rechenzentren hatten eine Verbindung zum Laufen gebracht, und ihre Betreiber mussten nun entscheiden, wofür sie sich nutzen ließ.

Verbunden wurden die City University of New York und Yale. Ira Fuchs, CUNY-Vizekanzler für Universitätssysteme, und Greydon Freeman, Yales Leiter der Datenverarbeitung, wollten den Austausch unter Wissenschaftlern verschiedener Hochschulen ermöglichen. Beide Standorte verfügten bereits über IBM-Großrechner und Software für Fernkommunikation. BITNET nutzte Verfahren aus der RSCS/NJE-Familie: Ein Rechner übergab Nachrichten oder Dateien an einen benachbarten Knoten, der sie zwischenspeicherte und weiterleitete. Dafür brauchte es weder sofort ein zentrales weltweites Rückgrat noch eine direkte Standleitung für jedes Sender-Empfänger-Paar.

Nötig waren kompatible Systeme und Einrichtungen, die eine Verbindung tatsächlich betrieben.

Die Rechnung gehörte zur Architektur

Ein CUNY-Porträt von 2006, das auf Interviews mit Fuchs und Freeman beruht, berichtet: Yale bezahlte die gemietete Leitung von New Haven nach Manhattan; Fuchs erinnerte sich an etwa 200 US-Dollar im Monat. CUNY gab demnach rund 10.000 Dollar für zwei Modems aus. Der Artikel sagt auch, die Gründer hätten die Kosten geteilt. Ein IBM-Bericht über Bildungskooperationen hält fest, IBM habe die Kommunikationskosten zwischen CUNY und Yale unterstützt. Diese Aussagen können verschiedene Kostenposten oder Phasen betreffen; erhaltene Rechnungen, mit denen sich die Beträge abgleichen ließen, liegen nicht vor.

Sicher ist, dass die Verbindung Investitionen erforderte und möglicherweise mehrere Seiten dazu beitrugen.

Für Nutzer sah die Rechnung anders aus. Freeman erinnerte sich, dass Inhaber eines Campus-Mainframe-Kontos Nachrichten und Dateien ohne separate Gebühr je Austausch senden konnten; die reguläre Abrechnung der Rechenzeit blieb bestehen. Kommunikation war also nicht kostenlos. Die Ausgaben wanderten von der einzelnen Nachricht zu Campusgeräten, gemieteten Leitungen, Wartungsarbeit und Hochschulbudgets. Innerhalb des Campus erschien der Dienst dadurch offen, während die Entscheidung für einen Anschluss bei den Verantwortlichen der Hochschule blieb.

Das Modell ließ sich wiederholen. Laut dem CUNY-Bericht sprach Fuchs zunächst 34 Hochschulen im Nordosten der USA an. Eine Cornell-Computergeschichte, die auf der Erinnerung eines Beteiligten beruht, berichtet, Cornell sei über Penn State hinzugekommen und als sechste Universität angeschlossen worden. Sie nennt eine gemietete Leitung mit 9.600 Bit pro Sekunde und eine ungewöhnliche Tarifsituation: Eine Verbindung zwischen Bundesstaaten konnte günstiger sein als eine Leitung innerhalb eines Staates. Die praktische Topologie hing damit auch von Telefonpreisen ab; der günstigste Weg musste nicht der kürzeste auf der Karte sein.

Ein kooperatives Netz hatte weiterhin konkrete Betreiber

BITNET wuchs durch eine greifbare Gegenseitigkeit. Eine neue Hochschule verband sich mit einem bestehenden Knoten und stellte anschließend den eigenen Rechner und einen Teil ihrer Kommunikationskapazität anderen zur Verfügung. Nachrichten konnten Zwischenrechner durchlaufen; nicht jedes Nutzerpaar benötigte eine direkte Leitung. Lokale Beiträge erweiterten gemeinsam die Reichweite. Ob eine Route verfügbar war, ob Rechner liefen und wer Wartung leistete, blieb jedoch von den Institutionen abhängig, die die Knoten betrieben.

Spätere zentrale Dienste beseitigten diese verteilte Abhängigkeit nicht. Die eigene Rückschau von BITNET berichtet, dass eine IBM-Förderung von 1984 zentrale Netzwerkdienste mitfinanzierte, darunter das BITNET Network Information Center. Nach dem Ende der Förderung im Jahr 1987 trugen Mitgliedsbeiträge das Zentrum. Koordination konnte zentral organisiert sein, während Leitungen und Rechner bei den Hochschulen blieben. Die Quellen nennen Geldgeber und Beiträge, belegen aber nicht, dass alle Wissenschaftler, Hochschulen oder Nutzer denselben Bedingungen zugestimmt hatten.

Heng Lu Note 73 dient hier nur als Deutungsfrage, nicht als historische Quelle: Teilnahme und Beiträge zeigen, wer mitwirkte, begründen aber allein keine Befugnis, für alle Betroffenen zu sprechen. So lässt sich BITNETs kooperativer Charakter anerkennen, ohne daraus eine allgemeine Vertretung abzuleiten. Die Quellen belegen, dass Institutionen den Anschluss wählten und einen Teil der Kosten und Arbeit übernahmen. Sie belegen weder Zugang für alle Forschenden noch die Zahlungsfähigkeit jeder Hochschule oder den weltweiten Vorrang der Nachricht vom 5. Mai.

Was die Leitung veränderte

Für Menschen an angeschlossenen Hochschulen senkte BITNET die praktischen Hürden des Informationsaustauschs. E-Mail, Dateitransfer und später Mailinglisten machten wissenschaftliche Kontakte weniger abhängig von Reisen, Briefpost oder lokalem Zugang zu einem entfernten Rechner. Eine spätere Studie von Agrawal und Goldfarb verglich Anschlussdaten von Hochschulen mit Koautorenschaften und schätzte, dass die Zusammenarbeit zwischen zwei Einrichtungen wahrscheinlicher wurde, wenn beide BITNET nutzten. Das Ergebnis gilt für den untersuchten Datensatz; es misst nicht die Erfahrung jedes Nutzers und beweist nicht, dass das Netz allein jede Zusammenarbeit verursachte.

BITNET war auch nicht einfach „das Internet vor dem Internet“. Es war ein kooperatives Hochschulnetz mit eigenen Betriebsregeln, Speicher-und-Weiterleitungswegen und Übergängen zu anderen Netzen. Seine Bedeutung liegt auch im institutionellen Modell: vorhandene Rechner, eine gemietete Leitung, geteilte Kosten und der Beitrag der Teilnehmer machten den Austausch zwischen Hochschulen wiederholbar. Aus einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung wurde ein Netz, als weitere Einrichtungen einen gangbaren Anschlussweg erkannten und wussten, wo Rechnung, Arbeit und Verantwortung lagen.

Quellen und Grenzen

Das CUNY-Magazin von 1995/96 nennt Datum, Uhrzeit und Erinnerung an die erste Nachricht. Das Porträt von 2006 gibt spätere Aussagen der Gründer zu Kosten, erster Kontaktaufnahme und Campusgebühren wieder. Die Cornell-Computergeschichte enthält die Erinnerung eines Beteiligten an Leitungsgeschwindigkeit, Tarifen und Anschlussfolge. Ein IBM-Bericht schreibt dem Unternehmen ebenfalls Unterstützung früher Kommunikationskosten zu; die BITNET-Rückschau beschreibt die spätere Förderung und die Mitgliedsbeiträge für BITNIC. Die Quellen unterscheiden sich in zeitlicher Nähe und Zweck.

Die erste Nachricht wird daher als CUNY-Rückblick wiedergegeben, Beträge als Erinnerungen gekennzeichnet und die genaue Aufteilung der Anfangskosten bleibt offen.

Quellen: CUNY Matters, Winter 1995/96; CUNY Matters, September 2006; History of Computing at Cornell, Internet-First University Press; IBM Education and External Relationships, ERIC ED337592; A Brief History of BITNET.