Zusammenfassung
- RFC 782 entwarf das virtuelle Terminal als gemeinsam genutzte Ressource: Mehrere Menschen konnten von verschiedenen Arbeitsstationen aus dieselbe logische Anzeige lesen und beschreiben.
- Die Arbeitsstation bestimmte das eigene Fenster und das Ziel der Eingabe. Kooperierende virtuelle Terminals verwalteten den gemeinsamen Zustand; eine lokale Dateierweiterung konnte frühere Aktivität zugänglich machen. Im Januar 1981 wartete das Modell noch auf seine minimale Erprobung.
Bei einem gewöhnlichen Terminal war die Sitzordnung eindeutig. Ein Mensch tippte, ein ferner Rechner antwortete. Jose Nabielsky und Anita P. Skelton stellten zusätzliche Stühle dazu. Ihr im Januar 1981 veröffentlichtes RFC 782, A Virtual Terminal Management Model, beschrieb ein virtuelles Terminal mit mehreren Teilnehmern und einer gemeinsam nutzbaren logischen Anzeige. Sobald alle an der Tafel schreiben dürfen, stellt sich allerdings die Frage, wer den letzten Strich verschoben hat.
Den Anlass gab die leistungsfähiger werdende persönliche Arbeitsstation. Mikroprozessoren versprachen einem einzelnen Menschen eigene Rechenleistung. Die Arbeitsstation konnte mehrere Gespräche mit entfernten Programmen gleichzeitig führen. Ihr physischer Bildschirm zeigte verschiedene logische Bereiche nebeneinander oder nacheinander. Tastatur, Maus oder Zeigegerät wurden jeweils einer ausgewählten Unterhaltung zugewiesen. Die Autoren dachten auch an Zeichnungen und Bilder. Synchronisierte Gespräche mit Ton und Video sahen sie als künftige Möglichkeit; die Verwaltung solcher Medien war damals noch Forschung.
Das Kernstück war ein virtuelles Terminal mit vielen Seiten. Mehrere Benutzer konnten dieselbe logische Einrichtung als Empfänger ihrer Ausgabe und als Quellen für Eingaben verwenden. Virtuelle Tasten, Steuerung und Anzeige bildeten ihre gemeinsamen Teile. Es gab Klassen für Zeichenströme, Zeilen, Seiten und Grafik. An jeder echten Arbeitsstation übersetzte eine Anpassungseinheit die Befehle ihrer Geräte in die gemeinsame virtuelle Sprache. Die eine Person musste ihren Bildschirm nicht nach dem Tastaturmodell der anderen einrichten, um am selben Inhalt zu arbeiten.
Die gemeinsame Anzeige konnte größer sein als das, was eine Person gerade sah. Jede Arbeitsstation öffnete ein Fenster auf einen gewählten Ausschnitt. Eine lokale Ein- und Ausgabedatei mit Hintergrundspeicher konnte frühere Vorgänge erhalten. Ein Benutzer sah darin zurück, während die anderen die gemeinsame Anzeige weiter nutzten. Die Dateierweiterung gehörte zur lokalen Einrichtung der Anzeige. Wer einen Teil einer Besprechung verpasst hatte, konnte ihn nachlesen, ohne das laufende Gespräch anzuhalten.
Gleichzeitige Eingaben brachten die schwierigere Arbeit. Die kooperierenden virtuellen Terminals hielten Ansichten eines gemeinsamen Zustands und mussten Änderungen aufeinander abstimmen. Nabielsky und Skelton verglichen sie mit Verwaltern lokaler Kopien einer verteilten Datenbank. Neben der Synchronisierung sahen sie Nebenläufigkeitskontrolle vor, damit bei Bedarf eine einheitliche Benutzersicht entstand. Die Anpassungseinheiten kümmerten sich um unterschiedliche Geräte; die virtuellen Terminals um den Inhalt, über den mehrere Hände verfügten. Für jeden Streit gab es damit die richtige Stelle.
Der RFC-Text erklärte auch den Stand der Arbeit. Datenstrukturen und Adressierung waren detailliert entworfen, Operationen und Steuermechanismen weniger weit ausgearbeitet. Eine minimale Implementierung sollte das Modell prüfen. Mit dem Papier beteiligten sich die Autoren an der internationalen Diskussion über virtuelle Terminalprotokolle. Sie wollten künftigen Standards Raum für diese Fähigkeiten lassen. Die Architektur war ein Entwurf, dessen offene Werkstatt man beim Lesen noch sieht.
Gerade das macht sie zu einem schönen Dokument der frühen persönlichen Vernetzung. Wenn auf jedem Schreibtisch ein kräftiger Rechner stand, konnte die Netzverbindung mehr leisten als die alte Rolle eines entfernten Tastenanschlags. RFC 782 stellte eine gemeinsame Arbeitsfläche in Aussicht: mehrere Verfasser, eigene Fenster und ein Gedächtnis, in dem jeder selbst blättern konnte. Aus einem Platz vor dem Host wurde ein Tisch für mehrere.
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