Zusammenfassung

  • Applied Digital meldete am 2. Oktober, dass eine zweite 75-MW-Phase in Polaris Forge 1 betriebsbereit ist. Die ausgewiesene operative kritische IT-Last des Campus beträgt damit 250 MW; bei vollständigem Ausbau sind 400 MW vertraglich gebunden.
  • Das ist ein Bau- und Inbetriebnahmeschritt, aber keine neue Umsatzangabe. Im Geschäftsjahresquartal bis zum 31. Mai entfielen von 203 Mio. US-Dollar HPC-Umsatz 44,1 Mio. auf Grundmieten und 152,4 Mio. auf Ausbauleistungen für Kunden.
  • Entscheidend sind nun der Mietbeitrag der neuen Hallen, der Zeitpunkt von Besitz oder physischer Kontrolle durch den Kunden und die zugehörigen Kosten. Die Oktober-Mitteilung beziffert nichts davon.

Analyse

Mehr Kapazität, eine andere Frage

Die drei neuen Hallen mit je 25 MW vervollständigen nach Unternehmensangaben Building 2 mit insgesamt 150 MW. Für Polaris Forge 1 steigt die gemeldete operative Last von 175 MW nach der Übergabe am 30. Juni auf 250 MW. Der Zuwachs von 75 MW entspricht rechnerisch rund 43 Prozent der vorherigen Betriebskapazität. Für den vollständigen Campus sind 400 MW vertraglich vereinbart; 150 MW liegen damit noch außerhalb der gemeldeten operativen Gesamtlast. Diese Vergleiche beziehen sich auf kritische IT-Last, nicht auf die tatsächliche Nutzung durch den Kunden.

Es handelt sich nicht um einen neuen Mietvertrag. Applied Digitals Geschäftsbericht für 2026 beschreibt CoreWeave-Verträge über 400 MW am Standort Ellendale. Weitere 150 MW in Building 4 sollten nach dem damaligen Zeitplan des Berichts 2027 betriebsbereit werden. Die Mitteilung vom 2. Oktober aktualisiert weder diesen Zeitplan noch den Vertragswert. Neu ist der zusätzliche physische Fortschritt innerhalb eines bestehenden Vertragsrahmens.

Die relevante Umsatzzeile

Megawatt lassen sich leichter zählen als ihre Rendite. Das vierte Geschäftsquartal endete am 31. Mai – vor den Phasen vom 30. Juni und 2. Oktober – und brachte 203 Mio. US-Dollar Umsatz im HPC-Geschäft. Applied Digital gliederte diesen in 44,1 Mio. Grundmiete, 152,4 Mio. Ausbauleistungen für Kunden und 6,5 Mio. weiterbelastete Kosten auf. Die Miete war nicht der größte Posten. Zu den Ausbauleistungen zählen Beschaffung und Installation kundeneigener Ausrüstung; laut Geschäftsbericht werden sie entsprechend der ausgeführten Arbeiten und angefallenen Kosten erfasst. Die Kosten werden zuzüglich eines vertraglichen Aufschlags erstattet.

Diese historische Zusammensetzung sagt die Erlöse der neuen Hallen nicht voraus. Auch eine Division der 203 Mio. durch 100, 175 oder 250 MW wäre kein belastbarer Mieterlös je Megawatt: Der Berichtszeitraum liegt vor beiden 75-MW-Erweiterungen, und Ausbauleistungen sind keine wiederkehrende Miete. Künftige Ergebnisse sollten Grundmiete, Ausbauleistungen und Kosten trennen und den jeweiligen Betriebszeitraum ausweisen.

Der Geschäftsbericht beschreibt den Beginn der Mieterfassung, sobald die Immobilie für den vorgesehenen Gebrauch des Mieters bereit ist und der Mieter Besitz übernimmt oder die physische Nutzung kontrolliert. Betriebsbereitschaft ist daher ein wichtiger Meilenstein. Die Oktober-Mitteilung nennt jedoch weder den Zeitpunkt, zu dem diese Bedingung für die neue Phase erfüllt war, noch den dafür erfassten Mietbetrag. Das belegt nicht, dass der Kunde die Fläche noch nicht übernommen hat; die finanzielle Wirkung lässt sich aus dieser Mitteilung allein nicht beziffern.

Der Meilenstein verringert die Unsicherheit über die Bauausführung. Die wirtschaftliche Prüfung ist strenger: Kann jede fertiggestellte Phase dauerhafte Mieteinnahmen liefern, ohne dass Bau- und Ausbaukosten den Beitrag aufzehren? Die nächsten Geschäftszahlen können das besser zeigen als eine Kapazitätshochrechnung.

Quellen