Zusammenfassung

  • Anthropic hat Mietvertragsunterlagen für die erste Ausbaustufe des von Zerra DC geplanten Western Downs Digital Park nahe Dalby unterzeichnet
  • Das Projekt benötigt weiterhin die lokale Planungsgenehmigung und die Freigabe durch das Foreign Investment Review Board, bevor der geplante Campus umgesetzt werden kann

Die Fakten

Anthropic hat Mietvertragsunterlagen für die erste Ausbaustufe des geplanten Western Downs Digital Park unterzeichnet. Der Hyperscale-Rechenzentrumscampus wird von der in Singapur ansässigen Zerra DC rund 37 km nordwestlich von Dalby in Queensland entwickelt. Das 725,5 Hektar große Gelände wird derzeit als Rindermastanlage genutzt.

Der Gesamtcampus könnte eine Spitzenkapazität von 2,16 GW erreichen und soll ab 2027 über einen Zeitraum von vier bis sechs Jahren schrittweise realisiert werden. Diese Zahl beschreibt den möglichen Vollausbau und nicht die Kapazität, deren Abnahme Anthropic für die erste Ausbaustufe zugesagt hat; diese wurde nicht öffentlich bekannt gegeben.

Der Planungsantrag ging im August beim Western Downs Regional Council ein und muss noch genehmigt werden. Auch der Mietvertrag von Anthropic steht unter dem Vorbehalt der Freigabe durch das Foreign Investment Review Board.

Der Standort liegt nahe bestehender Stromerzeugungs- und Übertragungsinfrastruktur; neue Übertragungsleitungen werden für das Projekt voraussichtlich nicht benötigt.

Die Einschätzung

Die Kundenzusage liegt vor, bevor die für den Bau des Campus erforderlichen Genehmigungen erteilt sind. Damit hat Zerra DC einen namentlich benannten Nutzer für die erste Ausbaustufe, doch dadurch wird aus dem geplanten 2,16-GW-Projekt noch keine verbindlich zugesagte Betriebskapazität.

Beim Planungsverfahren, bei der Auslandsinvestitionsfreigabe und beim technischen Umsetzungsprogramm für die erste Ausbaustufe sind weitere Fortschritte erforderlich. Die Entwickler müssen außerdem festlegen, wie viel Kapazität Anthropic erhält, wann der Stromanschluss für Anthropic zugeschaltet werden kann und welche Teile des Gesamtcampus gebaut werden müssen, um diese erste Anmietung zu ermöglichen.

Solange diese Details nicht offengelegt sind, sagt die Zahl für den Gesamtcampus wenig darüber aus, was 2027 tatsächlich in Betrieb gehen kann.

Für die Leserschaft von BTW liegt der entscheidende Unterschied zwischen vertraglich gebundener Nachfrage und tatsächlich bereitstellbarer Kapazität. Anthropic hat die Nachfrage vertraglich gebunden; die Genehmigung durch den Western Downs Regional Council, die FIRB-Freigabe, ein definierter Leistungsbedarf für die erste Ausbaustufe und ein Bauprogramm sind jedoch weiterhin erforderlich, bevor aus dieser Zusage ein tatsächlich betriebenes Rechenzentrum werden kann.

Worauf zu achten ist

Zu beobachten sind die Entscheidung des Western Downs Regional Council und die FIRB-Freigabe sowie anschließend die Offenlegung der Kapazität und des Leistungsbedarfs von Anthropic für die erste Ausbaustufe. Ein bestätigter Netzanschlussplan, der Baubeginn und ein angestrebter Zuschalttermin würden zeigen, welcher Teil des geplanten Campus ab 2027 realistisch in Betrieb gehen kann, statt die Angabe von 2,16 GW lediglich als langfristiges Ausbauziel stehen zu lassen.