Zusammenfassung

  • Andrew Alston und vier Mitautoren wollten 2016 bei AFRINIC ein /13 für neue Netze zurücklegen. Der übrige IPv4-Bestand sollte weiter nach Bedarf ausgegeben werden, bis er erschöpft ist. Auf AFRINIC-25 fand der Entwurf keinen Konsens.
  • Alstons Gruppe zog ihren Vorschlag zurück, nachdem sie einen Neustart beider konkurrierender Entwürfe verlangt hatte. Soft Landing BIS blieb in der Diskussion; ein späterer Konsensbeschluss dazu wurde im Berufungsverfahren aufgehoben.

Wer bei einer Landung bremst, entscheidet auch, wer den letzten freien Sitz bekommt. Andrew Alston wollte diese Entscheidung im November 2016 auf eine Zahl herunterbrechen: /13. So viel IPv4 sollte AFRINIC für neue Teilnehmer reservieren. Den Rest, so sein Vorschlag, sollte die Organisation nach dem üblichen Bedarfsprinzip ausgeben.

Der Entwurf Soft Landing Overhaul trug neben Alstons Namen die von Kris Seeburn, Mark Elkins, Michele McCann und John Walubengo. Er sollte das bisherige Verfahren zur gestreckten Verteilung ablösen. Für neue Teilnehmer war nach Erschöpfung des übrigen Pools höchstens ein /22 pro Antrag vorgesehen, abgearbeitet in Eingangsreihenfolge. Die Autoren hielten eine verlängerte IPv4-Verteilung für eine Bremse beim Umstieg auf IPv6. Diese Annahme war der Motor ihres Vorschlags und zugleich sein angreifbarster Punkt.

Bei AFRINIC-25 auf Mauritius stellten Alston, Seeburn und Elkins ihn vor. Gegner warnten vor einer Bruchlandung: Für den Übergang zu IPv6 würden Betreiber weiterhin IPv4 benötigen. Ein Einwand zielte auf den Widerspruch zwischen schnellerem Verbrauch des regionalen Pools und einem anderen Vorstoß, zusätzliche IPv4-Adressen in die Region zu holen. Die Ko-Vorsitzenden stellten keinen Konsens fest. Das Protokoll hält die Gegenargumente ebenso fest wie Alstons klare Reservelinie.

Auch das Konkurrenzpapier hatte ein /13, doch dafür war eine andere Tür vorgesehen. Laut AFRINIC-24-Protokoll hielt die BIS-Fassung vom Juni 2016 an den Verteilungsphasen fest, senkte die Obergrenze der ersten Phase von /10 auf /15 und machte eine IPv6-Zuteilung zur Voraussetzung für IPv4 aus dem letzten /8. Ihr /13 galt unvorhergesehenen Fällen; Alstons /13 war für neue Teilnehmer bestimmt. Gleiche Ziffer, andere Warteschlange.

Dann boten die Autoren des konkurrierenden Entwurfs Soft Landing BIS gemeinsame Arbeit an einer neuen Problembeschreibung an. Alstons Seite verlangte, beide Entwürfe vorher zurückzuziehen, und zog Overhaul zurück. BIS ging zur weiteren Aussprache an die Mailingliste. Auf dem Papier wurden zwei Gruppen zur Zusammenarbeit eingeladen; im Verfahren standen danach zwei verschiedene Zustände. Gerade an solchen kleinen Verben hängen große Erwartungen.

Das AFRINIC-Archiv datiert die Rücknahme auf den 29. November 2016. Später focht Alston eine Konsensfeststellung zu BIS an. Im Protokoll von AFRINIC-28 steht, dass der Beschwerdeausschuss die Entscheidung der Ko-Vorsitzenden aufhob und BIS erneut zur Diskussion stellte. Aus dem Streit über Adressen war auch ein Streit darüber geworden, wann eine Versammlung als einig gelten darf.

Die BIS-Geschichte endet später als der Einspruch. Nach dem AFRINIC-29-Protokoll ließen die Autoren ihren Vorschlag am 1. Dezember 2018 auslaufen. Der aufgehobene Konsensbeschluss hatte die Debatte zurückgebracht, den Text aber nicht zur Regel gemacht. Overhaul war 2016 zurückgezogen worden; BIS lief zwei Jahre danach ab.

Alston war in der Institution kein Fremder. Der Jahresbericht 2016 nennt seine Amtszeit im Vorstand von 2014 bis 2017 und seine Arbeit im Prüfungsausschuss. 2026 berief AFRINIC ihn in ein Gremium zur Überarbeitung der Satzung. Ein Jahrzehnt nach dem /13-Vorschlag sitzt er wieder an einem Tisch, an dem die Spielregeln selbst verhandelt werden.