Zusammenfassung

  • RFC 1438 ist eine auf den 1. April 1993 datierte Informational-Satire von Lyman Chapin und Christian Huitema. Die erfundenen „Statements Of Boredom“ sollten groß klingende Papiere ohne nützliche Information aufnehmen.
  • Die fiktive Prüfstrecke nennt fünf Stellen oder Rollen. Erst wenn alle eingeschlafen sind, gilt der Text als genehmigt; dann wird er weggeworfen. Zurück bleibt ein angeblich technisch bestätigtes Vakuum, das kein Internetstandard werden kann.

Ein Gremium kann seinen Kalender füllen, auch wenn die Vorlage leer ist. Lyman Chapin und Christian Huitema machten daraus in RFC 1438 einen Scherz mit Datum vom 1. April 1993. Ihre erfundene Reihe „Statements Of Boredom“ sollte Papiere aufnehmen, die sich hochbesorgt geben und trotzdem keine brauchbare Information enthalten. Der Witz zielt auf die Aufwertung eines Vorgangs, sobald die Namen der Prüfenden wichtiger werden als das Ergebnis.

Der Rahmen war den damaligen Lesern vertraut. RFC 1310 beschrieb den echten Standardisierungsweg mit Proposed Standard, Draft Standard und Internet Standard sowie Gemeinschaftsprüfung und institutionellen Rollen. RFC 1410 listete im März 1993 tatsächliche Protokollstände auf. Die Parodie verwendete IAB, IRSG und IESG, stellte ihnen aber einen „SOB Editor“ namens Morpheus und die Académie française zur Seite. Dreifache Ausfertigung, Übersetzung in ASN.1 und Verteilung an Internet-Schlaflose gehörten dazu. Das Verfahren wurde feierlicher, während das Papier leer blieb.

Die Beschlussfassung funktionierte über Müdigkeit. Sobald alle beim Lesen einschliefen, war die Vorlage angenommen und konnte entsorgt werden. Das verbleibende Nichts trug in der Fiktion eine technische Billigung, konnte aber nie zum Internetstandard aufsteigen. Diese absurde Trennung ist der Kern. Die Tatsache, dass ein Dokument eine Prüfstrecke passiert, sagt noch nichts darüber, ob es eine prüfbare Aussage, einen Test oder eine nutzbare Spezifikation enthält.

Auch der Abschnitt über Sicherheit hielt die Fassade eines RFC aufrecht. Dort stand, Sicherheitsfragen seien nicht erörtert worden; wichtige andere Fragen ebenfalls nicht. Die Überschrift war vorhanden, die Arbeit nicht. Ein sauber ausgefülltes Inhaltsverzeichnis kann keine fehlende Analyse ersetzen.

Das gedruckte Ergebnis des Scherzes existiert tatsächlich. RFC 1438 hat Autoren, Datum, Status und zwei Seiten, die heute noch lesbar sind. Die erfundene SOB-Reihe würde dagegen den Gegenstand der Prüfung nach ihrem Abschluss vernichten. Für echte technische Normung ist die erhaltene Fassung entscheidend: Andere können sie lesen, implementieren und widerlegen. Ohne Text lässt sich nur noch die Autorität derer zitieren, die angeblich darüber befunden haben.

Die drei zeitgenössischen Quellen dokumentieren keine ausgeführte SOB-Prüfung und keine Verfahrensreform durch diesen Scherz. Sie zeigen eine Selbstkritik im Gewand eines RFC: Die Ingenieure verspotteten die Möglichkeit, mit viel Organisationsarbeit ein Zertifikat für ein leeres Fach zu schaffen.