Zusammenfassung

  • Alban Kwan strich „rechtswidrig“ aus der zweiten Fassung seines APNIC-Vorschlags zur Definition von Missbrauch mit IP-Adressen. Technischer Schaden bildet nun den Kern; Ressourceninhaber sollen Meldungen zunächst selbst beurteilen.
  • Bei APNIC 62 gab es zu prop-172 keinen Konsensaufruf. Offen ist, wie eine umstrittene Reaktion geprüft werden kann, ohne das Register zum Schiedsrichter über den Vorfall zu machen.

Ein einziges Wort, und im Sitzungssaal stapeln sich die Gesetzbücher eines ganzen Kontinents. Alban Kwan hatte „rechtswidrig“ in der ersten Fassung von prop-172 verwendet. Die Bewertung des APNIC-Sekretariats wies auf den Haken hin: Für dieselbe Handlung gelten in verschiedenen Rechtsordnungen unterschiedliche Regeln. In Fassung zwei löschte Kwan das Wort. Seitdem steht technischer Schaden für Sicherheit, Stabilität oder Vertrauen des Internets im Mittelpunkt. Die Löschtaste erwies sich als brauchbares Instrument der Netzpolitik.

Der Autor bringt eine ungewöhnliche Perspektive mit. In seiner APNIC-62-Kandidatur beschreibt sich Kwan als Gründer und Geschäftsführer des Trusted Notifier Network. Achtzehn Jahre Arbeit mit Markenschutz, Domainverwaltung und Internetpolitik hätten ihn geprägt; bei AP* bringt er verschiedene Organisationen an einen Tisch. Eine APNIC-Podcastvorstellung zeichnet die Trennlinie nach: Unternehmen sehen Rufschäden und Bearbeitungskosten, Techniker Logdateien und Netzwerkspuren. Dazwischen bewegt sich jede Missbrauchsmeldung auf dem Weg zu einer wirksamen Reaktion.

Die neue Fassung nennt Malware, DDoS, böswillige Scans, Routingmissbrauch sowie Infrastruktur für Phishing und Betrug. Auch Versuche und erhebliche Risiken gehören dazu. Das Dokument würdigt Anregungen von Jonathan Brewer und Terry Sweetser. Ein Ressourceninhaber soll einen begründeten Hinweis zuerst bewerten und handeln können. Damit beginnt die Entscheidung dort, wo der Betreiber Zugang zu seinen Systemen hat.

Die Schwierigkeit beginnt beim Widerspruch. Ein Melder hält die Reaktion für unzureichend, der Inhaber für angemessen. Wie soll APNIC die Antwort beurteilen, ohne zugleich das gemeldete Verhalten zu entscheiden? Kwan benennt diesen offenen Punkt in der Notiz zu Fassung zwei. Er nennt außerdem die Gefahr, dass eine Liste von Beispielen den Blick von anderen Schäden ablenkt. Ein Wort zu streichen ist präzise Arbeit. Ein Verfahren für den Streitfall verlangt mehr als Präzision.

Der APNIC-62-Bericht hält die Debatte fest; die Vorsitzenden stellten prop-172 nicht zur Konsensfrage. Kwan hat den Text über Rechtsgrenzen hinweg verständlicher gemacht. Die nächste Frage ist handfest: Wer liest die Akte, wenn beide Seiten behaupten, richtig gehandelt zu haben?