Zusammenfassung
- RFC 1751 schlug im Dezember 1994 eine menschenlesbare Darstellung für 128-Bit-Schlüssel vor. Die sechs-Wörter-Umsetzung von S/Key mit einem festen Vorrat von 2.048 englischen Wörtern wurde auf jede 64-Bit-Hälfte angewandt.
- Ein gemeinsames Wörterbuch machte die Rückübersetzung zwischen Implementierungen möglich. Der RFC warnte vor selbst gebildeten einprägsamen Sätzen, weil deren Schlüsselwerte leichter zu erraten wären.
Das Passwort bekam eine Aussprache
Wer eine lange Hexadezimalfolge auf einem Bildschirm sieht, kann ihre Präzision bewundern. Wer sie in ein zweites Gerät eingeben muss, sucht meist nur die Stelle, an der die eigenen Finger versagen. Daniel McDonalds RFC 1751 behandelte genau diese Schnittstelle. Die SNMPv2-Sicherheitsprotokolle lieferten ein Beispiel für den Einsatz eines geheimen Schlüssels von 128 Bit. Die Memo machte aus dem Wert ein Format, das ein Mensch lesen, diktieren und eingeben konnte.
Das Vorbild war S/Key. Dessen Einmalpasswort-Verfahren stellte einen 64-Bit-Wert als sechs Wörter aus einer Liste von 2.048 kurzen englischen Wörtern dar. Jedes Wort hatte ein bis vier Zeichen. Sechs Wörter boten Platz für 66 Bit, einschließlich einer kleinen Paritätsreserve. Die Wörter waren die Bezeichnung eines bereits vorhandenen Zahlenwerts. Die Software konnte sie wieder in denselben Wert verwandeln.
McDonald nutzte diese Umwandlung zweimal. key2eng bearbeitete die erste Hälfte des 128-Bit-Schlüssels und danach die zweite; eng2key nahm die zwölf Wörter zurück. Die beiden Sechsergruppen machten den langen Wert handhabbar. Das Beispiel des RFC beginnt mit „RASH BUSH MILK LOOK BAD BRIM“. Es klingt wie die Notizen eines müden Dichters. Als maschinell bestimmte Schreibweise eines Schlüssels erfüllt es einen nüchternen Zweck: Wer die Wörter korrekt übernimmt, bekommt den ursprünglichen Wert zurück.
Die Wörterbuchfrage entschied über die Verständigung zwischen Rechnern. McDonald lehnte unterschiedliche Wortlisten für verschiedene Sprachen ab. Bei verschiedenen Tabellen würde dieselbe Bitfolge zu verschiedenen Wörtern, und zwei Programme könnten sich auf eine lesbare Eingabe nicht einigen. Die vorhandene Liste verwendete Zeichen aus dem invarianten Bereich von ISO-646 und war bereits in Anwendungen eingebaut. Für deutschsprachige Betreiber bedeutete das: Die lesbare Oberfläche blieb englisch, damit die technische Übersetzung überall gleich blieb.
Mit dieser Bequemlichkeit kam eine Versuchung. Ein ausreichend schwer zu erratender Schlüssel lässt sich als Wörter darstellen. Der Mensch kann aber auch Wörter aussuchen, die einen Satz ergeben, und erst danach den Schlüsselwert daraus machen. RFC 1751 nannte die Gefahr eines Angriffs auf solche satzartigen Folgen. Die Suchaufgabe für den Angreifer richtet sich dann nach menschlichen Vorlieben, nicht nach dem vollen Raum möglicher Schlüssel. Eine einprägsame Geschichte ist für einen Geheimwert oft eine zu gute Geschichte.
Der RFC veröffentlichte die Referenzroutinen und die Wortliste. Das war mehr als Zubehör. Ein zweites Programm musste die zwölf Wörter zu denselben 128 Bit zurückführen können. Erst diese überprüfbare Hin- und Rückfahrt machte den Gewinn für die Bedienung brauchbar. Eine Schreibweise, die sich leicht diktieren lässt, aber auf einem anderen Rechner anders gelesen wird, wäre ein sehr höflicher Weg in die Betriebsstörung.
Die Geschichte zeigt einen engen, gut gewählten Kompromiss. Maschinen bekommen ihren langen Wert. Menschen bekommen zwölf kleine Stücke, die sie eher prüfen können. Der gemeinsame Wortvorrat bindet alle Teilnehmer an dieselbe Übersetzung. Der Ursprung des Geheimnisses bleibt eine Entscheidung vor dem Wörterdruck. Die Maschine darf das Material in menschliche Form bringen; die Fantasie des Menschen sollte den Wert nicht zusammenreimen.
Mitgliederbriefing
Detaillierter Profilkontext
Melden Sie sich mit der richtigen Mitgliedschaftsstufe an, um das vollständige Briefing und die Quellennotizen freizuschalten.
Nur für Strategic Circle
Strategic Circle
Offen für alle Leser. Schalten Sie Profil-Briefings nach Beitritt und Anmeldung frei.
Strategic Circle beitretenNur für Leadership Alliance
Leadership Alliance
Für qualifizierte Inhaber von IP-Assets und Management; melden Sie sich an, um Leadership-Alliance-Briefings freizuschalten.
Leadership Alliance beitreten





