Summary

  • W3C verabschiedete XLink 1.0 am 27. Juni 2001 als Recommendation. Ein einfacher Link verband wie gewohnt einen lokalen Ausgangspunkt mit einem per URI bezeichneten Ziel; ein erweiterter Link konnte mehrere Ressourcen über ausdrücklich festgelegte Bögen verbinden.
  • Erweiterte Links konnten außerhalb der Ressourcen liegen, auf die sie sich bezogen. Solche Sammlungen eingehender oder zwischen Dritten verlaufender Links hießen Linkbases. Ihre Existenz im Netz half erst, wenn eine Anwendung sie entdeckte und auswertete.

Der blaue Link im Text ist ein ausgesprochen höfliches Möbelstück: Er zeigt dem Leser, wo er sitzt und wohin er führt. Seine Höflichkeit hat einen Haken. Wer die Seite nicht bearbeiten darf, kann dort auch keinen neuen Ausgang anbringen. Und wer drei Dokumente auf verschiedene Arten miteinander verbinden will, kommt mit einer einzelnen Abzweigung schnell an die Grenzen des Grundrisses.

Die XML Linking Language, XLink 1.0, vom 27. Juni 2001 bot eine andere Einrichtung. Sie beschrieb Links mit Attributen an XML-Elementen. Der simple link deckte den vertrauten Fall ab: ein lokaler Ausgangspunkt und ein entfernt bezeichnetes Ziel. Beim extended link konnten mehrere Ressourcen mitspielen. locator-Elemente nannten entfernte Beteiligte per URI, lokale Ressourcenelemente standen selbst im Link, und arc-Elemente legten fest, von welchem Teilnehmer aus welcher andere erreicht werden konnte. Aus der Wegmarke wurde ein kleiner Fahrplan.

Die Richtung gehörte zum Fahrplan. Ein ausgehender Bogen führte von einer lokalen zu einer entfernten Ressource. Ein eingehender kam von einer entfernten Ressource zu einer lokalen. Ein Bogen zwischen Dritten verband zwei entfernte Ressourcen. Die Wörter „lokal“ und „entfernt“ beschrieben dabei die Art der Angabe, nicht die Entfernung auf einer Landkarte: Eine per URI-Referenz genannte Ressource galt als entfernt, selbst wenn sie im selben XML-Dokument stand.

Damit wurde ein altes Problem elegant umgangen. Man konnte einen Zusammenhang zu einer Ressource veröffentlichen, deren Eigentümer keine Zeile für den neuen Link freimachen wollte. Die W3C-Mitteilung zur Veröffentlichung hob genau diese Möglichkeit hervor: Verbindungen zwischen mehreren Ressourcen, Links an einem anderen Ort als den verbundenen Dateien und ergänzende Informationen ohne Eingriff in die Originalressource. Die Verbindung brauchte kein Bauamt im fremden Dokument mehr.

Allerdings musste jemand den Neubau finden. Bei einem gewöhnlichen ausgehenden Link liegt das verweisende Element am Ausgangspunkt. Eingehende und zwischen Dritten verlaufende Links können ganz woanders gespeichert sein. XLink nannte Sammlungen solcher Links Linkbases und benannte das Mehr an Entdeckungsarbeit ausdrücklich. Aus dem Schweigen einer Seite lässt sich nicht schließen, dass draußen kein Link auf sie wartet. Ebenso wenig verrät die Seite von selbst, in welcher Datei der Link wohnt.

Für die Suche hatte XLink einen besonderen Wegweiser: den arcrole-Wert http://www.w3.org/1999/xlink/properties/linkbase. Ein entsprechend gekennzeichneter Bogen wies die Anwendung an, eine XML-Linkbase zu laden und deren erweiterte Links für die spätere Verwendung zu entnehmen. Das Laden war eine andere Handlung als das Anzeigen einer Zielseite. Deshalb spielte der Präsentationswert show bei diesem Bogen keine Rolle; actuate steuerte den Zeitpunkt des Ladens. Linkbases konnten wiederum zu weiteren Linkbases führen. Das Archiv hatte ein Archiv, und irgendwo musste der Rundgang enden.

Die technische Pointe lag in einer neuen Arbeitsteilung. Ein Autor veröffentlichte die Ressource, ein anderer die Beziehungen um sie herum. Die Anwendung führte beide Veröffentlichungen zusammen. XLink beschrieb die Grammatik dieser Beziehungen und einen Weg zur Linkbase; die sichtbare Verbindung entstand erst, wenn Software den Weg tatsächlich ging. Das Türschild war Teil der Erfindung, der Pförtner blieb nötig.