Summary

  • „Cool URIs don't change“ trennte den öffentlichen Namen eines Dokuments von seiner aktuellen Datei oder dem Programm, das sie ausliefert. Die W3C-Chronik datiert den Beitrag im Stilhandbuch auf Dezember 1998.
  • Personennamen, cgi-bin, Dateiendungen, redaktionelle Status, Zugriffsstufen und Kategorien halten selten so lange wie ein zitierfähiges Dokument. Stehen sie in der URI, wird jede interne Neuordnung zur Reparaturarbeit für fremde Links.

Der neue Grundriss endet an der Haustür

Eine Website darf ihre Navigation verbessern. Dateien werden umsortiert, Zuständigkeiten wechseln, ein Script macht Platz für ein neues Programm. Berners-Lee stellte in seinem Essay von 1998 eine andere Frage: Weshalb soll deshalb die Adresse wechseln, die längst außerhalb der Organisation verwendet wird? Ein Webserver kann dieselbe URI mit einem anderen Speicherort oder einer neuen Anwendung verbinden. Die Arbeit findet beim Betreiber statt. Der Leser muss seinen alten Verweis nicht umlernen.

Der Unterschied ist der zwischen einer öffentlichen Straße und einem internen Lageplan. Eine URI steht in Aufsätzen, in Lesezeichen und auf fremden Seiten. Ordnerpfade, Maschinen, Programme und Mitarbeiter stehen im Betriebshandbuch der herausgebenden Stelle. Nur diese Stelle weiß sicher, was sie bei der Umstellung verschoben hat. Wer vor Jahren einen Link setzte, erfährt es oft erst am Fehler. Das Redesign spart Zeit, wenn es die öffentliche Adresse einfach ändert; die verlorene Zeit verteilt sich dann weit außerhalb seines Budgets.

Berners-Lee sammelte die üblichen Erklärungen für tote Links. Man habe die Website „verbessert“. Altes Material sei schwer einzuordnen. Dateien hätten umziehen müssen. John sei nicht mehr zuständig, Jane übernehme. Das bisherige CGI-Script werde durch ein anderes Programm ersetzt. Diese Veränderungen können gute Gründe haben. Sie verlangen dennoch keine neue öffentliche Identität für dasselbe Dokument. Die Serverzuordnung ist gerade dafür da, die äußere Adresse vom inneren Ablageort zu trennen.

Das Beispiel aus dem damaligen Onlinearchiv der US-amerikanischen National Science Foundation macht den Fehler greifbar. Eine Adresse verriet cgi-bin, ein Perl-Script und einen Abrufparameter. Eine andere enthielt pubs/1998 und eine Dokumentnummer. Berners-Lee hielt die zweite Form für zukunftsfähiger, weil das Erscheinungsjahr und die Dokumentnummer nach einem Softwarewechsel weiterhin zutreffen können. Er verglich 1998 Entwürfe für Adressen. Eine heutige Messung der Erreichbarkeit dieser konkreten Beispiele lieferte der Text nicht. Das Muster ist schon im Namen sichtbar: Das Script bezeichnet einen Arbeitsgang; die Nummer bezeichnet ein Werk.

Der Betreiber kann zudem nie alle Nutzer einer alten URI aufzählen. Ein Verweis kann in einer fremden Publikation, einem privaten Lesezeichen oder sogar auf Papier stehen. Darum ist „wir haben doch die neue Seite im Menü“ keine vollständige Antwort. Das neue Menü erreicht die Menschen, die das neue Menü benutzen. Die alte URI erreicht jene, die dem Betreiber vor dem Umbau vertrauten.

Der Name sollte länger leben als das Organigramm

Ein Autorenname im Pfad wird unpassend, sobald eine Kollegin die Pflege übernimmt. draft ist nach der Freigabe veraltet. Ein Verzeichnis für interne oder Mitgliederinhalte wird zur Falle, wenn das Dokument später öffentlich wird. .html macht das gegenwärtige Dateiformat zum Bestandteil der Identität. Ein eigener Hostname für eine vorübergehende Serverfunktion kann die äußere Adresse an einen Betriebsaufbau binden, der bald verschwindet. Berners-Lee führte diese Beispiele auf, weil jede solche Bequemlichkeit eine spätere Änderung teurer macht.

Das Erstellungsdatum ist anders. Ein Dokument aus dem Jahr 1998 bleibt ein Dokument aus diesem Jahr. Für ein Archiv kann ein Datum deshalb ein brauchbarer Anfang des Pfads sein. Eine URI mit latest kann bewusst die jeweils aktuelle Ausgabe bezeichnen. Entscheidend ist, welches Objekt die Adresse verspricht: einen bestimmten Bericht oder eine Rolle, die stets neu besetzt wird. Beides ist möglich. Der Server sollte die jeweilige Zusage erfüllen, auch wenn die Dateien hinter der Oberfläche ausgetauscht werden.

Themenordner sind die subtilere Falle. Heute mag eine Einteilung sinnvoll erscheinen, morgen ändert sich die Sprache der Abteilung. Berners-Lee verwies auf die eigenen Bezeichnungen des W3C, die sich von „MarkUp“ in Richtung „HTML“ bewegten. Wer den aktuellen Themenbaum in jede URI schreibt, muss später einen altmodisch wirkenden Pfad weiterführen oder frühere Zitate durch einen Umzug gefährden. Die Navigation ist ein Werkzeug der Gegenwart. Die Adresse wird Teil fremder Archive.

Ein feierlicherer Name bezahlt keinen Archivar

Uniform Resource Names, URNs, galten manchen als künftige Lösung für dauerhafte Bezeichnungen. Daraus konnte die bequeme Ausrede entstehen, gewöhnliche HTTP-Adressen dürften ruhig verfallen. Berners-Lee widersprach: Eine Organisation, die einen beständigen URN betreiben kann, kann denselben Aufwand in eine beständige HTTP-URI stecken. Beides braucht einen Verantwortlichen, eine Zuordnung zum aktuellen Dokument und einen erreichbaren Dienst. Der Unterschied im Namen übernimmt keine Wartungsschicht.

Der Essay verschwieg die Schwierigkeit nicht. Übliche Veröffentlichungswerkzeuge verwalteten nicht automatisch stabile URIs zusammen mit Dateien, Versionen, Übersetzungen und Prüfsummen. Auch W3C-Seiten erfüllten das Ideal nicht immer. Seine Forderung war deshalb eine Forderung an den Betrieb: Werkzeuge müssen einen Wechsel von Zuständigkeit, Zugriffsrecht und Speicherort ermöglichen, ohne den öffentlichen Namen neu auszugeben. Sonst gewinnt bei jeder Migration der kürzeste interne Weg.

Die W3C-Empfehlung zur Webarchitektur von 2004 formulierte das Prinzip als Verpflichtung des URI-Eigentümers. Kein URI-Schema garantiert Beständigkeit aus sich heraus. Berechenbare Darstellungen und bei echten Umzügen HTTP-Weiterleitungen können die Zusage stützen. Die Verantwortung bleibt bei der Stelle, die die Adresse in Umlauf gebracht hat.