Zusammenfassung
- Der erste öffentliche W3C-Entwurf vom Dezember 2019 beschrieb, wie eine Website Text oder eine URL zum Teilen anbietet und der User Agent die Wahl des Ziels ermöglicht.
- Die W3C-Empfehlung vom Mai 2023 behandelt zusätzlich Dateien, die Prüfung mit
canShare()sowie die vom Nutzer ausgelöste Freigabe und den Abbruch.
Manche Teilen-Leiste sah früher aus wie eine kleine Einkaufsstraße. Hier ein Knopf für diesen Dienst, dort einer für jenen; am Ende fehlte genau der Laden, den man gesucht hatte. Die Redaktion kann eine Liste von Marken pflegen. Sie kann aber kaum wissen, welche App ein Leser auf seinem Telefon benutzt oder ob er den Link lediglich für später aufheben möchte. Das Telefon kennt seine eigenen Türen besser.
Die Website kennt dafür den Artikel. Sie kann einen passenden Titel, einen kurzen Text und die richtige URL anbieten. Die Web Share API lässt beide Seiten bei dem bleiben, was sie wissen. Eine Schaltfläche bringt das Paket zur Übergabe. Die Bedienoberfläche des Geräts zeigt mögliche Empfänger. Der Mensch entscheidet, wohin die Sendung geht.
Der erste öffentliche W3C-Arbeitsentwurf vom 17. Dezember 2019 beschreibt navigator.share() mit Daten wie Titel und URL. Im Beispiel löst ein Klick den Aufruf aus; der User Agent öffnet anschließend eine Auswahl für ein Ziel. Die frühen Datenfelder umfassen Titel, Text und URL. Nirgends muss die Website dafür ein eigenes Verzeichnis der Anwendungen auf jedem Telefon führen.
Das ist eine bemerkenswert sparsame Vereinbarung. Eine Zeitung kann einen Teilen-Knopf neben ihren Text setzen, ohne die Gewohnheiten ihrer Leser vorher zu kartieren. Der Link kann in einer Nachricht landen, in einer Notiz oder an einem anderen Ort, den das Gerät anbietet. Die Redaktion gibt den Inhalt aus der Hand; das Ziel muss sie nicht erraten. Ein guter Schalter ersetzt hier eine ganze Reihe schlechter Vermutungen.
In der W3C-Empfehlung vom 30. Mai 2023 kommen Dateien hinzu. Ein Beispiel legt ein File in das Feld files. Mit navigator.canShare(data) kann eine Seite vorab fragen, ob bestimmte Daten geteilt werden können, ohne gleich das Auswahlfenster zu öffnen. Der eigentliche Vorgang beginnt mit share(). Die Seite darf also das Paket prüfen, bevor sie den Menschen an den Schalter bittet.
Der Aufruf ist an eine Nutzerhandlung gebunden, etwa einen Klick. Die Empfehlung beschreibt auch laufende Vorgänge, Ablehnung und Abbruch. Wer ein Auswahlfenster schließt, hat keinen technischen Skandal verursacht. Vielleicht war der Artikel doch noch nicht der richtige, vielleicht klingelte das Telefon. Die Website sollte die Rückkehr zum Lesen leicht machen und dem Leser keine beleidigte Fehlermeldung hinterherrufen.
Welche Ziele erscheinen, bestimmt die Umgebung des User Agents. Das können Anwendungen, Websites oder Kontakte sein. Ein Gerät zeigt ein vertrautes Teilen-Fenster, ein anderes einen anders gestalteten Dialog. Die Spezifikation verspricht keine identische Kulisse auf jedem Bildschirm. Sie legt die Übergabe fest: Daten von der Seite, Wahlmöglichkeiten vom Gerät, Entscheidung vom Nutzer.
Die Publikationsgeschichte des W3C verzeichnet den ersten öffentlichen Entwurf 2019 und die Empfehlung 2023. In den späteren Text kamen die Möglichkeiten für Dateien und die Prüfung der Daten. Der Kern der kleinen Geschichte blieb erhalten. Die Website kann den Brief verfassen, aber den Briefkasten sucht sich der Absender aus.
Für Herausgeber ist diese Grenze auch eine Qualitätsprobe. Ein Teilen-Titel, der einen anderen Inhalt verspricht als die verlinkte Seite, ist ein falsch beschrifteter Umschlag. Eine URL zum falschen Ziel macht aus einem eleganten Dialog keinen guten Dienst. Die technische Übergabe funktioniert am besten, wenn die redaktionellen Angaben stimmen.
So betrachtet ist der Teilen-Knopf kein Zugriff auf die sozialen Beziehungen des Publikums. Er ist ein Angebot: Hier ist der Artikel, sauber verpackt. Wer ihn weiterschickt, öffnet selbst die passende Tür. Die Website darf dabei ruhig höflich an der Schwelle stehen bleiben.
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