Zusammenfassung
- Die IDN-Fast-Track-Prüfung genehmigte das Label in Urdu-Schrift im Januar 2011; damit wurde noch keine betriebene Zone in die DNS-Root eingetragen.
- Pakistan wählte 2015 NTC aus, stellte 2016 den Delegierungsantrag erneut und schloss 2017 eine Nameserver-Änderung in der Root ab.
Analyse
Das Label sieht wie ein Ländername aus. Im DNS-Betrieb musste es aber auch zu einer konkreten, überprüfbaren Delegierung werden. .پاکستان – das Urdu-Wort für Pakistan in arabischer Schrift – zeigt, warum das zwei verschiedene Vorgänge sind. Die Zeichenfolge konnte eine Stabilitäts- und Verwechslungsprüfung bestehen, bevor ein Zonenmanager zugelassen und dessen Nameserver in die Root-Zonendaten aufgenommen wurden.
Die Arbeit begann mit Fragen zu Sprache und Umsetzung. Pakistans Ministerium für Informationstechnologie hielt im April 2008 einen Workshop zu Zeichensätzen für lokale Sprachen ab; ein zweiter Workshop im Mai 2009 behandelte Sprachentabellen und Implementierungsdetails. Ein Hauptausschuss mit Mitgliedern der lokalen Internetgemeinschaft kam im Oktober 2009 erstmals zusammen. Unterausschüsse befassten sich später mit Technik, Sprachentabellen und Politik. Das war keine bloße Formalität.
IDNA ermöglicht, ein Unicode-Label in DNS-kompatiblen Formen zu verarbeiten, entscheidet aber weder über die gewünschte Schreibweise noch über Tastaturregeln oder den Registry-Manager.
Pakistan reichte .پاکستان am 25. Oktober 2010 bei ICANNs IDN-Fast-Track-Verfahren ein. Das DNS-Stabilitätspanel fand in seiner Prüfung vom 7. Januar 2011 keine Bedrohung, die der einschlägige Plan für Stabilität oder Sicherheit benannte, und stufte das Verwechslungsrisiko als akzeptabel niedrig ein. Danach wurde die Zeichenfolge als Darstellung Pakistans genehmigt. Damit war eine begrenzte Frage zum Label beantwortet. Der Betreiber der Zone war noch nicht bestimmt und die Delegierung noch nicht in der Root veröffentlicht.
Der Unterschied zwischen Schriftbild und DNS-Darstellung lässt sich leicht übersehen. IANA führt die Unicode-Form پاکستان und die ASCII-kompatible Form xn--mgbai9azgqp6j. RFC 5890 nennt die Anzeigeform und die DNS-kompatible Form U-Label und A-Label. RFC 5891 beschreibt IDNA als Verarbeitung in Anwendungen, die internationalisierte Namen ohne Änderungen am DNS ermöglicht; DNS-Abfragen und -Antworten verwenden A-Labels. Punycode ist daher eine umkehrbare Kodierung, keine englische Übersetzung und kein Beleg für eine zweite Domain.
Die nächste Phase folgte einem anderen Verfahren. Nach weiterer Arbeit an lokalen Inhalten, Tastaturentwurf und Richtlinienentwürfen bestimmte der Hauptausschuss am 3. Juni 2015 die National Telecommunication Corporation (NTC) zum Manager. Das Ministerium begann im Juli mit dem Delegierungsantrag. Laut IANA-Bericht wurde er vorübergehend geschlossen, damit Mängel behoben werden konnten; NTC reichte am 22. April 2016 ein neues Ticket ein. Im Root-Zonen-Audit vom Dezember 2016 stand der Antrag noch auf „ausstehend“.
Am 3. Februar 2017 prüfte der ICANN-Vorstand, ob PTI das Bewertungsverfahren eingehalten hatte, und stimmte der Einrichtung von .پاکستان mit NTC als Manager zu. Die Unterlagen nennen staatliche Unterstützung, lokale Konsultation, technische Kompetenz und Prüfungen der DNS-Konfiguration. Sie vermerken außerdem, dass keine erheblichen Einwände aus der Gemeinschaft bekannt waren und keine nennenswerten Stabilitätsrisiken festgestellt wurden. Der Vorstand entschied über Delegierung und verantwortlichen Betrieb, nicht erneut darüber, ob das Urdu-Wort Pakistan repräsentiert.
Die Umsetzung ist auch nach der Abstimmung dokumentiert. Das IANA-Root-Zonen-Audit für März 2017 weist eine am 30. März abgeschlossene Nameserver-Transaktion für .پاکستان aus. Das belegt eine Änderung in der Root-Zone im Jahr 2017, aber nicht den Zeitpunkt der erstmaligen Aufnahme. Der aktuelle IANA-Eintrag nennt NTC und seine Nameserver. Er zeigt auch ein „Registration date“ aus 2011; dieses Feld darf nicht mit den datierten Vorstand- und Root-Zonen-Einträgen von 2017 gleichgesetzt werden, denn die Quellen bezeichnen unterschiedliche Meilensteine.
Die Unterscheidung zählt, weil ein geschriebener Name sich nicht selbst betreibt. Ein lokal ausgewähltes Label braucht eine stabile Kodierung, einen verantwortlichen Manager, antwortende Nameserver und eine Root-Zonen-Delegierung. Umgekehrt beweist der Eintrag in der Root nicht, dass Websites die Schrift übernommen haben, jede Tastatur sie eingeben kann oder Nutzer lokalisierte Inhalte vorfinden. Die Dokumente belegen eine Folge von Entscheidungen und Infrastrukturänderungen, nicht Verbreitung oder Nutzerergebnisse.
Quellen
- IANA-Bewertung der Delegierung von 2017: Zeitablauf, Label-Form, Fast-Track-Prüfung, Managerwahl und Bewertungskriterien.
- ICANN-Vorstandsbeschluss vom 3. Februar 2017: Verfahrensprüfung und Zustimmung zu NTC als Manager.
- IANA-Prüfbericht zur Root Zone für Dezember 2016 und März 2017: offener Delegierungsantrag und abgeschlossener Nameserver-Vorgang.
- Aktueller .پاکستان-Delegierungseintrag der IANA: heutiger Manager, Nameserver und Metadaten.
- RFC 5890 und RFC 5891: IDNA-Label-Formen und Verarbeitung in DNS-Anwendungen.
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