• Am 3. März 2026 stufte Verteidigungsminister Pete Hegseth Anthropic als Lieferkettenrisiko ein und ordnete nach einem Streit über Leitplanken für militärische Nutzung einen sechsmonatigen Ausstieg des Pentagon aus Claude an.
  • RunSafe-Security-CEO Joe Saunders sagte Reuters, die Zertifizierung eines Ersatzes für ein bestehendes System in klassifizierten oder militärischen Netzen könne 12 bis 18 Monate dauern. Das ist eine namentlich zugeordnete Schätzung, kein Durchschnitt für Unternehmensmigrationen.
  • Nach Auffassung von Anthropic betrifft die Einstufung nur die direkte Claude-Nutzung für Aufträge des Department of War. Microsoft, Google und AWS erklärten, Kunden außerhalb des Verteidigungsbereichs könnten Claude weiter nutzen.

Sechsmonatiger Ausstieg und 12–18 Monate Zertifizierung sind verschiedene Fristen

Der am 19. März bei Military Times veröffentlichte Reuters-Bericht beschreibt die Einstufung vom 3. März und Hegseths Anweisung an das Pentagon und seine Auftragnehmer, Claude nach einer sechsmonatigen Auslaufphase zu entfernen. Auslöser war der Streit über Leitplanken für militärische Nutzung. Die sechs Monate sind eine politische Umsetzungsfrist; sie sind nicht die Quelle der Zahl von 12–18 Monaten.

Saunders bezog sich auf den Ersatz eines bestehenden Systems. Die Sicherheitsprüfung und Zulassung der Alternative für klassifizierte oder militärische Netze könne 12 bis 18 Monate beanspruchen. Reuters hat keine gewöhnlichen Unternehmensmigrationen vermessen, und Anthropic hat kein allgemeines Abschaltdatum für Claude angekündigt.

Eingebettete militärische Abläufe erhöhen das Umsetzungsrisiko

Reuters berichtete, Anthropic habe im Juli 2025 einen Verteidigungsauftrag über 200 Millionen US-Dollar angekündigt und Claude sei in Arbeitsabläufe des Pentagon eingebettet worden. Dem Bericht zufolge war es das erste KI-Modell mit Zulassung für klassifizierte militärische Netze. In betroffenen Programmen kann ein Wechsel deshalb neben der Modellschnittstelle auch Prompts, Agenten, Datenpfade, Zugriffskontrollen, Testnachweise und Zulassungsunterlagen berühren.

Wie weit diese Abhängigkeit reicht, bleibt offen. Beschäftigte, ehemalige Beamte und Auftragnehmer des Pentagon schilderten Reuters anonym Widerstand und Verzögerungen. Zwei anonyme Personen mit Kenntnis von Palantirs Maven Smart Systems sagten, Prompts und Abläufe seien mit Claude Code erstellt worden; eine Person erklärte, Palantir müsse das Modell austauschen und Teile der Software neu bauen. Das sind zugeordnete Quellenangaben, keine Bestätigung für sämtliche Maven-Komponenten oder alle Verteidigungsauftragnehmer.

Kommerzielle Claude-Nutzung liegt außerhalb des erklärten Vertragsumfangs

In der Erklärung vom 27. Februar und der Aktualisierung vom 5. März vertrat Anthropic die Rechtsauffassung, die Einstufung gelte nur für Claude, wenn es unmittelbar für Aufträge des Department of War eingesetzt wird. Individuelle und kommerzielle Nutzung sowie nicht damit zusammenhängende Arbeiten eines Auftragnehmers seien nicht betroffen. Diese Auslegung ist Anthropic zuzuordnen und kein gerichtlich bestätigter Befund.

TechCrunch berichtete am 6. März, Microsoft und Google würden Claude für Kunden außerhalb des Department of War weiter anbieten; auch AWS-Kunden und -Partner könnten nicht verteidigungsbezogene Workloads fortsetzen. Microsoft stellte anschließend Microsoft 365 Copilot als Angebot mit mehreren Modellen von Anthropic und OpenAI vor. Diese Aussagen sprechen gegen eine marktweite Frist, garantieren aber nicht, dass jedes Produkt, jede Region und jeder Vertrag unverändert bleibt.

Der Rechtsstreit ist nicht entschieden

Die Associated Press berichtete über Anthropics Klage gegen die Einstufung und weitergehende Bundesbeschränkungen. Anthropic hält die Maßnahmen für rechtswidrig; die Regierung beruft sich auf die nationale Sicherheit. Belegt ist damit ein laufender Rechtsstreit, nicht ein Urteil, das die Einstufung aufgehoben oder bestätigt hätte.

Worauf es nun ankommt

Zu beobachten ist, welche Pentagon-Systeme erfasst sind, wie die Sechsmonatsanweisung umgesetzt wird, welche Alternativen eine Zulassung erhalten, ob Palantir oder andere Programme den Umfang von Neubauten bestätigen und ob ein Gericht die Maßnahme ändert. Bis dahin bleiben 12–18 Monate die Schätzung eines benannten Experten für die Zertifizierung klassifizierter oder militärischer Systeme und keine Prognose für gewöhnliche Unternehmen.